“Die Idee war ein gefundenes Fressen”

Großes Interview zur Projektwoche, Teil 1/4

Katrin Kundel (Schulleiterin), Kurt Barabas (Chef-Sozialpädagoge) und Vincent Baginski (Schülervertreter) über die Idee und die Umsetzung

qurt.: Vincent, warum wollen die Schüler*innen eine von ihnen selbstverwaltete Projektwoche und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Vincent: Der ganze Prozess begann vor etwas über einem Jahr. Da kamen einige Schüler auf mich zu, die sich – wie auch ich persönlich – nicht so gut in ihr Projekt einbringen konnten. Und daher haben wir geguckt, okay, wie wäre es denn möglich dass jeder die Möglichkeit hat etwas zu tun, wo er sich auch selber gut drin sieht. Wir haben das dann auf der SV-Fahrt angesprochen und überlegt, wie wäre es denn, eine Projektwoche anzustoßen, die von Schülern überwiegend selbst organisiert ist.

Elias Kiala, Jakob Krüger, Kundry Rymon, Kurt Barabas, Katrin Kundel, Vincent Baginski (v. l. n. r. )

Das ist ja nicht nur eine enorme Umstellung, sondern auch ein großer Berg Arbeit – auch für die Schulleitung. Warum unterstützt die Schule das, Frau Kundel?

Frau Kundel: Es ist natürlich ein bisschen einfacher zu sagen, jeder Jahrgang plant das für sich und fragt da die Schüler ‘n bisschen – oder auch nicht. Aber ich denke, wir sind jetzt an der Stelle, wo wir sagen, och, man könnte auch mal was anders machen. Damit’s nicht langweilig wird.
Als dann diese Idee von den Schülern in die Schulkonferenz getragen wurde, war das für mich als Schulleiterin gefundenes Fressen – denn das entspricht fast dem Ideal der Umsetzung des Schulgesetzes. Da steht drin, dass die Schülerinnen und Schüler an der Unterrichtsplanung und -gestaltung zu beteiligen sind. Das ist ein unheimlich großer Satz, den auch ich versuche, in meinem Unterricht umzusetzen – und dann klappt es am Ende doch nicht.
Und für mich verbindet sich diese Projektwoche natürlich mit dem Straßenfest, da ich den Eindruck habe, dass die Schüler sich das noch mal wünschen würden. Das letzte hatten wir 2009 und da kann sich noch die ganze Nachbarschaft dran erinnern – eine echte Legende.
Die Eltern waren auch von Anfang an sehr angetan von der Idee. Ich denke auch, dass die Lehrer sich immer mehr damit anfreunden und darauf freuen. Da ist natürlich viel Unsicherheit da, auch über das Rollenverständnis. Wir werden am Montag auf der Gesamtlehrerkonferenz auch noch mal die Möglichkeit geben, Nachfragen zu stellen – was darf ich, was nicht, damit der Schüler noch autonom ist? (lacht) Passt also alles: Legende Straßenfest, Projektwoche von Schülern – Schulverfassung perfekt.

Neben der Schule so eine Projektwoche von Schülerseite aus allein zu organisieren, ist eine riesige Aufgabe.

Kurt Barabas, Chef-Sozialpädagoge

Kurt, die Sozialpädagogen haben dabei die Aufgabe, den Schülern unterstützend unter die Arme zu greifen – wie sieht das praktisch aus?

Kurt: Ich glaube, dass anfangs der Hauptteil der Unterstützung darin lag, dass wir Wege aufgezeigt haben. Wir haben den Schülervertretern gesagt: Okay Leute, wenn ihr das machen wollt, dann ist das der Weg. Macht hier ‘ne Arbeitsgruppe, redet über eure Idee, konkretisiert diese. Außerdem haben wir einen Studenten eingekauft, der von sich berichtet und Mut gemacht hat – was auch sehr wichtig ist für Schüler, denke ich.
Und jetzt in der konkreten Umsetzung ist es so, dass wir seit diesem Schuljahr eine Bundesfreiwilligendienstleistende an unserer Schule haben, die sämtliche organisatorische Aufgaben versucht zu begleiten, die Schüler in diesem Bereich zu unterstützen und die Wünsche der Schülervertretung so gut wie möglich umzusetzen. Außerdem packt sie im konkreten Alltag mit an. Denn das ist uns auch von Anfang an klar gewesen: Neben der Schule so eine Projektwoche von Schülerseite aus allein zu organisieren, ist eine riesige Aufgabe. Also allein die Logistik dahinter, wenn man jedem Schüler ein Projekt zuordnen und die Projektleiter fit machen will – das sind im Alltag Stunden über Stunden über Stunden, die man an irgendwelchen Rechnern sitzt, über irgendwelchen Listen. In diesem Prozess die Schnittstelle zu sein zwischen Schulleitung und Schülern, darin besteht unsere zentrale Unterstützung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Elias Kiala und Kundry Rymon. Technische Dokumentation: Can Paul Boerger (Fotos), Jakob Krüger (Audio)

geschrieben von: KundRy

KundRy

ehem. Chefredakteurin (05-09/2017) u. Schülersprecherin (2015-2017). Für mehr Infos besuche meinen Blog & schau dir die Vita an!

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