“Zur Selbstverwaltung gehört mehr”

Großes Interview zur Projektwoche, Teil 2/4

Katrin Kundel (Schulleiterin), Kurt Barabas (Chef-Sozialpädagoge) und Vincent Baginski (Schülervertreter) erklären, inwiefern die Projektwoche ein Schülerprojekt ist

qurt.: Wie ist denn jetzt der Status – inwiefern kann man das Projekt als schüler-selbstverwaltet bezeichnen?

Vincent: Was für mich dafür spricht ist ganz klar, dass sich Schüler an ‘nen Tisch gesetzt und Initiative übernommen haben, z.B. indem sie ihr eigenes Projekt leiten. Aber zur Selbstverwaltung an sich gehört für mich tatsächlich noch mehr. Also klar brauchen wir die Unterstützung durch die Schulleitung und die Sozialpädagogen, aber wenn man das komplett selbstverwaltet nennen würde, wär das schon überheblich. Weil halt ganz klar ein riesen Berg Arbeit an der Schulleitung und den Sozialpädagogen hängt und es einfach nicht möglich ist, ein solches Projekt komplett selbst zu verwalten.

Frau Kundel: Also ich kann da nur sagen ja, ja, ja. Die Schüler – abgesehen von der Oberstufe – sind ja zwangsweise in der Schule. Und innerhalb dieses, nennen wir’s jetzt mal Zwangssystems, ist das doch der höchste Grad der Freiheit, wenn die Schüler über ihre Gremien sagen, in der Projektwoche wollen wir genau das und nichts Anderes machen. Diese Schüler leiten uns an, das kommt dabei raus … Also mehr geht, glaub ich, in so einem System gar nicht.

Kurt: Natürlich war es die Idee der Schüler, und die wird jetzt gerade umgesetzt. Dass es dann im Prozess, weil es auch ein Pilot-Projekt ist, streckenweise auch mal zu Kommunikationsschwierigkeiten kam, dass unter Umständen auch mal das Gefühl aufkam, ist das jetzt wirklich noch unsers oder machen das jetzt doch wieder Erwachsene? – Das kann ich total nachvollziehen und das haben wir im Einzelnen auch besprochen. Und das wird dann Teil der nach-vorne-Orientierung sein, immer wieder neu zu überlegen, wie redet man miteinander in diesen Aushandlungsprozessen.

Und wenn der stellvertretende Schulleiter möglich macht, dass die Physikräume in Lehrküchen umgebaut werden – da kann ich nur sagen: Boah, was woll’n wa denn noch?!

Katrin Kundel, Schulleiterin

Zum Planungstreffen der Projektwoche zwischen Schulleitung und Sozialpädagogen waren die Schülervertreter allerdings gar nicht eingeladen.

Frau Kundel: Das ist für mich so ein Punkt, der nachher in der Evaluation des ganzen wichtig wird. Also wo gibt es Möglichkeiten, wo man in der Kommunikation mit einander die Schülerbeteiligung noch stärken kann? Wenn die Schüler die Erfahrung der Umsetzung einer eigenen Idee bis zum Erfolg durchgezogen haben, dann können die sagen, an der Stelle hätten wir vielleicht selber auch noch mehr machen können.
Wir haben seit dem ersten Auftauchen des Gedanken in der Schulkonferenz und dann des Beschlusses auf den Ebenen und in den Gremien gehandelt, in denen wir zu handeln haben.
Ich würde nicht sagen, dass uns irgendeine Schülernachfrage an eine andere Stelle gebracht hätte. Also ich sag mal ein Beispiel: Wir haben x Projekte, wo Leute kochen wollen. Das war von vorn herein klar und das kann die Schüler-Orga-Gruppe auch sehen, dass das nicht geht. Jetzt hätten wir uns hier hinstellen können als böse Tante und böser Onkel und sagen STREICHEN! Aber wir haben gesagt, och naja, irgendwie kriegen wir’s schon hin. Dass man bei einer Ideenplanung auch die Ressourcen von vornherein bedenken muss – eigentlich -, ist klar. Aber wir als Lehrer und als Schulleitung wollten nicht bremsen mit fehlenden Ressourcen. Und wenn der stellvertretende Schulleiter das nun möglich macht, dass die Physikräume in Lehrküchen umgebaut werden – da kann ich nur sagen: Boah, was woll’n wa denn noch?!

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Elias Kiala und Kundry Rymon. Technische Dokumentation: Can Paul Boerger (Fotos), Jakob Krüger (Audio)

geschrieben von: KundRy

KundRy

ehem. Chefredakteurin (05-09/2017) u. Schülersprecherin (2015-2017). Für mehr Infos besuche meinen Blog & schau dir die Vita an!

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