#71 Kurt und Drogen

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Ella Rullmann und Kira Bürmann aus dem 11. Jahrgang leiten das Projekt #71 “Kurt und Drogen”. Ella erzählt uns vom Wochenprogramm, dem aktuellen Vorbereitungsstand – und, wie sie berauschten Teilnehmer*innen vorbeugen will

qurt.: Ella, Drogen an der Schwitters – ist das nicht verboten? Warum ist das ein Thema für euch?

Ella: Also ich glaube, es passieren ziemlich viele Sachen, die verboten sind. (lacht) Damals in der 8. und 9. war das bei uns ziemlich großes Thema. Es gab zwar diese Aufklärung, aber das waren solche Informationen vonwegen wieviele Unfälle passieren Betrunkenen im Jahr, oder wie viele Leute dis und dis und dis. Aber dass du danach das Gefühl hattest okay, ich hab da jetzt echt was für mich mitgenommen, hatte ich halt nicht. Und das würde ich gerne manchen Schülern geben.

Kira Bürmann (l.) und Ella Rullmann (r.) wollen Jugendliche in suchtbetreuten WGs besuchen und viel diskutieren. (Foto: privat)

Ja, wie böse Drogen sind, wurde uns schon gefühlte 100 mal erzählt – habt ihr keine Angst, als Junkies verdächtigt zu werden?

Jeder riecht, dass ich rauche. Und Leute bekommen bestimmt auch mit, dass ich ab und zu mal eins, zwei Bierchen am Wochenende trinke. So lange man darüber nicht definiert wird, ist das total okay.
Ich glaub, es gibt auf jeden Fall ein paar Lehrer, die denken okay, was ist denn das für ein Projekt, was soll das. Aber das ist nicht unbedingt mein Problem und deswegen wird das Projekt ja auch von Kurt betreut, also einem Sozialpädagogen. Denn Kiras und mein Ziel ist es, eine Ebene zu schaffen, wo wir offen über alles reden. Ob das jetzt Erfahrungen sind, oder Gedanken, die einem irgendwann mal durch den Kopf gegangen sind – dass wir das miteinander teilen und uns da auf ner offenen und ehrlichen Art begegnen können. Und wissen: Alles, was hier besprochen wird, bleibt in diesem Projekt.

Was genau können eure Teilnehmer*innen erwarten, über welche Suchtmittel und Drogenprobleme werden sie etwas mehr erfahren?

Das haben wir noch gar nicht so festgelegt. Ich treff mich heute mit Kira und Kurt und da besprechen wir alles noch mal ‘n bisschen genauer. Ich denke, wir werden weniger über wirklich harte Drogen wie Heroin oder so reden, sondern eher über Alkohol und vor allem über Gras. Also nicht, dass hier nur Kiffer sind, aber ich glaub, das ist ein ziemlich präsentes Thema generell an Schulen mit Jugendlichen in unserem Alter. Vielleicht auch über die eine oder andere chemische Droge …. Aber es ist nicht so, dass wir irgendwie erzählen, wie das zusammengesetzt ist – es geht mehr darum, wie man mit Suchtmitteln allgemein umgeht.

Zuerst geht es darum, was wir selbst zu erzählen haben. Und dann, was bei uns für Fragen aufkommen, wenn wir diese Szenarien sehen und mit Leuten reden.

Ella Rullmann, Projektleiterin

Was habt ihr schon organisiert, wie ist der Stand eurer Vorbereitung?

Äh … (lacht) Wir haben dieses Raster von der Projektorga-Crew ausgefüllt, was wir an welchem Tag machen und haben so’n paar Themen, über die wir reden wollen. Und gucken dann, in welche Richtung sich das entwickelt. Zuerst beschäftigen wir uns damit, was wir selber zu erzählen haben. Und dann, was bei uns für Fragen aufkommen, wenn wir diese Szenarien sehen und mit Leuten reden.
Am Montag geht’s in erster Linie darum, sich kennenzulernen, ganz viel miteinander zu reden, ganz viele Wünsche aufzuschreiben: Worüber wir reden wollen und auf welche Weise. Und wir können das noch nicht genau vorher einschätzen, wie dann die Atmosphäre da ist: ob dann ganz viel erzählt wird oder ob wir erst mal so’n bisschen Input sammeln. Wir gucken auch noch zwei Filme – einen, der das Thema verherrlicht und dann noch einen ziemlich heftigen, der das noch mal in ner ganz, ganz anderen Art darstellt. Und dann werden wir viel darüber reden, was wir dabei gedacht haben, was uns durch den Kopf gegangen ist, was für Fragen uns aufgekommen sind.
Wir wollen uns wirklich mit dem Thema auseinandersetzen und uns von verschiedenen Seiten unterschiedliche Meinungen anhören. Und deswegen gehen wir auch in zwei WGs, in der suchtbetreute Menschen leben.

Drogen – reichen Fakten und Zahlen? Nein, finden die zwei. (Quelle: mpufrankfurt.eu)

Ein Besuch in suchtbetreuten WGs – wie habt ihr das denn organisiert? Wie soll das konkret ablaufen und was versprecht ihr euch davon?

Über Kurt bzw. über KARUNA, über die ist er ja auch an unserer Schule angestellt. KARUNA macht nicht nur Drogen-Aufklärung, sondern die haben auch ganz viele verschiedene Einrichtungen, u.a. eben diese WGs. In der einen leben Jugendliche, die früher starke Suchtprobleme hatten und jetzt grade erst dabei sind, davon wegzukommen. Und in der zweiten sind die schon seit längerer Zeit clean und gerade dabei, wieder Struktur in ihr Leben zu bringen.
Also ich denke, wir werden uns dann erst mal alle zusammensetzen in ‘nem großen Kreis, und mit denen so generell über ‘n paar Sachen quatschen. Die Fragen stellen, die wir uns vorher gemeinsam überlegt haben. Und ich fänd’s eigentlich ganz schön, wenn eine Person was total Interessantes gesagt hat, dass man sich mit der noch mal zur Seite setzen kann. Weil ich glaub, es ist schon noch mal was anderes, wenn du vor ner Runde mit 20 Leuten redest als nur zu zweit oder zu dritt.
Es geht darum, dass wir Erfahrungsberichte hören, Input sammeln, worüber wir dann diskutieren und was wir für uns mitnehmen können. Ich glaube, es ist wirklich was ganz Anderes, als wenn du aus ‘ner Broschüre irgendwas vorgelesen bekommst. Das ist jetzt so’n Klischee-Satz, aber ich mein, die haben einfach extrem krasse Erfahrungen, die wir uns vielleicht gar nicht vorstellen können. Und ich hoffe, dass diese Leute das mit uns teilen und uns noch mal ‘ne andere Sicht auf die Dinge geben.

Wer bekifft in unseren Kurs kommt, darf alle halbe Stunde das bisherige Gespräch zusammenfassen.

Ella Rullmann, Projektleiterin

Habt ihr vorher schon mal ein Projekt geleitet?

Nee, so’ne richtige Gruppe geleitet hab ich noch nicht. Und bis auf einen kenn ich keinen der Teilnehmer persönlich. Das wird auch ziemlich interessant, wie die so drauf sind. Aber eigentlich freu ich mich drauf und hab Vertrauen darin, dass wir da alle gut miteinander klar kommen. Und niemand die ganze Zeit irgendwelche dummen Kommentare dazwischenruft. Oder sich jemand gedacht hat, öh geil, Drogen und dann da sitzt und nichts leistet. Deswegen werd ich am Anfang ansagen, wenn jemand bekifft in den Kurs kommt, darf er alle halbe Stunde das Gespräch noch mal zusammenfassen. (lacht) Ich werd niemanden bei irgendwelchen Lehrern anarschen, da hab ich keine Lust drauf. Aber ich hab auch keine Lust, dass die komplette Gruppendynamik kaputt gemacht wird.

Was denkt ihr, wem wird euer Projekt helfen?

Ich denke, allen, die daran teilnehmen, inklusive uns Projektleitern. Ich hoffe, dass wir da alle viel mitnehmen für uns.

In welcher Form wollt ihr die Erkenntnisse eurer Projektarbeit auf dem Straßenfest präsentieren?

Wir wollen auf einem Flipchart so ‘ne Timeline machen, auf der wir unsere Entwicklung darstellen: Wir hängen zu jedem Tag Fotos und schreiben unsere Hauptfragen und -thesen auf, und was wir mitgenommen haben. Und gucken, ob wir Fragen selber beantworten können oder neue Thesen aufstellen – ob sich unser Blick auf das Thema verändert hat.

Danke für das Gespräch. Wir werden alle qurts weiterhin über “Kurt und Drogen” auf dem Laufenden halten!

Das Interview führte Knudry Rymon am 06.07.2017

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geschrieben von: KundRy

KundRy

ehem. Chefredakteurin (05-09/2017) u. Schülersprecherin (2015-2017). Für mehr Infos besuche meinen Blog & schau dir die Vita an!

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