Release der Woche #3: Cemento – Killing Life

Anlässlich des Winters, in dem man allzu oft in den nahtlos übergehenden Tagen hoffnungslos vom Leben dissoziiert, und von Silvester an die Realität der Vergänglichkeit erinnert wird, stelle ich heute „Killing Life” von CEMENTO vor.

Das Quartett aus Los Angeles, mit dem bedeutenden Namen Nick Vicario als Sänger, der wahrscheinlich bekannter für sein Solo-Projekt Smirk ist, passt mit ihrem Klang perfekt in diese Jahreszeit. Wer sich noch für analoge Technik interessiert, und deshalb eine Kassette von „Killing Life” kaufen möchte, findet diese auf Bandcamp. Während ich das schreibe sind noch zwei Kassetten verfügbar. Diesmal konnte ich mir sogar selber eine holen.

Obwohl diese gut 20 minütige EP im Sommer letzten Jahres veröffentlicht wurde, passt sie perfekt in meine Musikgewohnheiten für das Früh- beziehungsweise Spätjahr. Die Musik ist eine Wand aus Instrumenten, da sowohl Gesang, Gitarre als auch Bass mit Distortion versehen wurden, und mit dem Hall ebenfalls nicht gespart wurde.

Der erste Song „Cash Grab” beginnt mit einem bedrohlichen Trott der Instrumente. Das wird mir schon fast etwas zu kalt und eintönig, aber das wird im Refrain schnell aufgelöst, in dem die Gitarre ein bisschen melodischer wird und der Sänger nicht mehr ganz so verbittert klingt. Der Anfang dieser EP weckt zwar mein Interesse aber ist durchaus nicht das, was sie so gut macht.

Darauf folgt „No Ambition”, in der sich CEMENTO schon mehr Melodie und Gefühle erlaubt. Der Gesang erinnert mich an die melancholischen Vocals von The Strokes. Die Melancholie wird aber nur noch verstärkt, als der Chorus anfängt und die Gitarre wieder die hohen Noten kreischt, und Nick um so verzweifelter klingt. Die Song-Parts gehen nahtlos ineinander über und schaffen es in Kombination mit verschiedenen Dynamiken das gleiche Gefühl auszudrücken, und stellen es so um so besser dar. Allerdings wird „No Ambition” erst nach mehreren Replays von dieser EP zu meinem Favouriten.

„Incomplete Thoughts” schafft sich mit der sehr effektbehafteten Gitarre, die auch hier wieder häufig in sehr hohes psychedelisches Heulen übergeht, einen ziemlich großen Raum und erinnert mich an Mystery Art Orchestra. Allerdings finde ich nicht, dass Nick es hier schafft besonders gut mit diesem verträumten Sound zu arbeiten und deshalb bleibt der dritte Track im bisher gehörten Spektrum von CEMENTO. Auch wenn das natürlich Meckern auf hohem Niveau ist.

Das vierte Lied „Bootlicking Thieves” beginnt tatsächlich mit einer cleanen Gitarre ohne Verzerrung und tobt sich auch mit interessanten Dynamiken aus. Der surreal anmutende Sound der so gut zum Winter passt bleibt natürlich auch hier erhalten.

„Coming Down” traut sich an schnellere Tempos und endet mit einem Solo was ausnahmsweise etwas wärmer klingt, in der durch Reverb und Delay recht leer und kalt gehaltenen Landschaft (die Winter-Metapher erreicht hier jetzt auch seinen Höhepunkt), die CEMENTO schafft.

Track Nummer sechs namens „False Memories” enttäuscht genausowenig wie der Rest der EP und experimentiert mit dem stockenden Einsetzen von Schlagzeug und Bass. Auch wenn ich hier einen Filler-Song wittere.

Sowohl „Tanya”, als auch der letzte Song „Before The World Ends” nehmen nocheinmal das in den vorherigen Songs gewonnene Tempo raus und geben der Gitarre und dem generellen Sound um so mehr Raum, bis die Kälte seinen Zenit erreicht und die EP abrupt endet.

Cemento auf:

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Bandcamp

Ähnliche Bands:

Mystery Art Orchestra, Eternal Dust

geschrieben von: Pavel Stöck

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