GSV-Fahrt 2022

Das lange Warten hat ein Ende, nach zwei Jahren Abstinenz war die Freude riesig, als feststand, dass es dieses Jahr wieder eine GSV-Fahrt geben wird. Es war auch für mich wie für viele andere die erste GSV-Fahrt und dementsprechend konnte man es kaum erwarten, dort hinzufahren.

Dieses Jahr lag der Fokus nicht nur auf der GSV-Arbeit an sich, sondern auf dem miteinander. So kam der Spaß nie zu kurz. Wir spielten  Fußball, Volleyball oder Tischtennis, waren baden oder haben die Sonne genossen. Trotzdem oder vor allem wegen dem miteinander kam es zu vielen interessanten Gesprächen über die Schule und wie man sie verbessern kann. Ich liege mit meiner These wahrscheinlich nicht falsch, wenn ich sage, dass jeder in dieser kurzen Zeit über sich hinausgewachsen ist und mit mehr Motivation in das nächste GSV Jahr gehen wird.

Schlussendlich lässt sich nur sagen, dass nicht zu viel versprochen wurde und das diese Fahrt nicht nur wichtig für die GSV und die Arbeit der GSV war, sondern auch für jeden Einzelnen. Die Jahre mit Corona hat jeden mehr geprägt, als sich die meisten mir eingeschlossen gerade vorstellen können. Mehr als zwei Jahre zu Hause sitzen, keine sozialen Kontakte pflegen, verändert einen sehr, so war die GSV-Fahrt ein voller Erfolg auf ganzer Linie.

Zum Schluss möchte ich noch mal den Schülersprecherinnen (Lia, Lilo, Emma und Janna), Finn und Ella danken, welche dieses Wochenende unvergesslich gemacht haben. Ich hatte unendlichen Spaß und möchte euch nur dafür danken.

Literaturwettbewerb

Am 24.3.2022 fand die Vorlesung des Literaturwettbewerbs in der Aula statt. Die Teilnehmer/innen haben Texte mit dem Thema “hinter der Maske” geschrieben. Diese wurden von den Autor/innen vorgetragen. Zum Schluss fand die Siegesehrung für die ersten drei Plätze statt. Zu gewinnen gab es Gutscheine für die ersten drei Plätze und für alle Teilnehmer/innen gab es eines der ausgelegten Bücher.

Dritte Generation (1982-1998)

1.1 Beginn dritte Generation

Anfang der 80er Jahre erfolgt eine programmatische Neuausrichtung, welche durch die „Mai-Papiere“, gestärkt wird. Das Vorhaben dieser Generation liegt darin, ihre Kräfte auf nationaler und vor allem internationaler Ebene zu bündeln. Es geht vordergründig um die Rückbesinnung auf den klassenkämpferischen Auftrag.

Die Gruppe, welche die Neuausrichtung begonnen hat, besteht aus Helmut Pohl, Henning Beer, Stefan Frey, Giesela Dutzu und Ingrid Jakobsmeier.

1.2 „Offensive 84/85“

Ab der zweiten Jahreshälfte 1984 gelingt es der RAF andere Gruppierungen an sich zu binden. Sie kooperieren zum Beispiel mit „Action Directe“ aus Frankreich, welche u. a. die Zerstörung der Nato fordern. Ende 1984 beginnt die „Offensive 84/85“ mit dem Hungerstreik, ausgelöst durch Brigitte Mohnhaupt, welche während ihres Prozesses die Ziele der RAF noch einmal darstellt. Sie erklärt, dass sie die RAF als Metropolenguerilla betrachtet und das bestehende System tatsächlich gestürzt werden könne. An diesem Hungerstreik nehmen 30 RAF-Inhaftierte teil. Sie möchten zeigen, dass der Kampf noch nicht gescheitert ist und sie die Kräfte bündeln müssen.

In der Folgezeit kommt es zu 30 Brand- und Sprengstoffanschlägen sowie zu Anschlägen auf Einzelpersonen, wie zum Beispiel Ernst Zimmermann (Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luft-, Raumfahrt- und Ausrüstungsindustrie.

 

1.3 Ende der RAF

Am 20. April 1998 lautet es aus den Nachrichten „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte“.

Das Ende der RAF lässt sich auf einige Gründe reduzieren.

Einerseits kommt es durch die Einführung des Kronzeugengesetzes zu Aussagen von RAF-Mitgliedern und V-Männern. Dieses Gesetz wird in den eigenen Reihen als Aufruf zum Verrat beschrieben.

Dazu kommt, dass nach dem Mauerfall viele RAF-Mitglieder, welche in der DDR Zuflucht gesucht hatten, festgenommen werden.

Ein weiterer Punkt, welcher zur Auflösung führt, ist der Streit in den eigenen Reihen. Es gibt einen harten Kern um Brigitte Mohnhaupt und Helmut Pohl, welche keine Zugeständnisse an den Staat abgeben wollen, und ein anderes Lager, welches schriftlich erklärt: „Keiner von uns wird nach seiner Freilassung zum bewaffneten Kampf zurückkehren.“

Im Abschlussschreiben kommt es zu keiner Entschuldigung gegenüber den Opfern und den Angehörigen. Es werden wenige Fehler eingestanden und wenn, sind das taktische, wie zum Beispiel die Entführung der Lufthansa-Maschine, oder dass sie keine politische Organisation gegründet haben. Sie gedenken nur ihrer 26 toten RAF-Mitglieder.

Fazit

Ist die Rote-Armee-Fraktion einer Erinnerung Wert?

Zu Beginn des Fazits möchte ich klarstellen, dass die RAF ein negativer behafteter Erinnerungsort ist.

Es soll ein Wahrzeichen gegen Terror sein, egal aus welchen politischen oder religiösen Gründen. Aber warum die RAF und keine andere Terrororganisation?

Einerseits war die RAF die am längsten bestehende Terrororganisation der Bundesrepublik Deutschlands. Sie hat über 30 Jahre lang die Menschen und die Politik bestimmt. Insgesamt hat die RAF 37 Menschen getötet und Schäden in Millionenhöhe verursacht.

Andererseits ist keine Gruppierung in Deutschland mit dieser Brutalität und Struktur vorgegangen wie sie. Es zeigt, dass man mit einfachen Mitteln ein solch großes Ausmaß von Zerstörung erreichen kann.

Man sollte die RAF als Mahnung verstehen. Die Geschichte der RAF zeigt, wie aus einer Gruppierung, die anfangs noch aus nachvollziehbaren Gründen gegen ein bestehendes System protestiert, eine Gruppierung wird, die sich radikalisiert und terroristische Aktionen umsetzt. Zudem zeigt dieses Beispiel wie schnell diese Entwicklung gehen kann und wie schlecht man sich darauf vorbereiten kann. Heutzutage sind viele ehemalige RAF-Mitglieder zur Einsicht gekommen und sprechen über diese Zeit-

„Allmählich fing ich an, über alles nachzudenken, und ich spürte plötzlich die ganze Sinnlosigkeit, die dahintersteckte.“.

Zweite Generation (1975-1981)

1.1 Beginn zweite Generation

Nach den Verhaftungen bildeten sich 1973 mehrere regionale Gruppen, welche die gleiche politische Orientierung besitzen wie die RAF.

Der große Unterschied zwischen der ersten und zweiten Generation ist der Umgang mit Zivilisten. Die Aktionen sind brutaler und rücksichtsloser, die Rücksicht auf Menschenleben spielt keine Rolle mehr. Die Programmatik selbst wird nicht weiterentwickelt, sondern die Inhaftierten Baader, Meinhof und Ensslin haben die politischen Diskussionen weiterhin angeführt. Das oberste Ziel dieser Generation ist die Befreiung der inhaftierten Genossen, wodurch sie gleichzeitig den Bezug zum Klassenkampf verlieren. Nach den Selbstmorden der Gefangenen wird auch kein weiteres Papier, ausgehend von der zweiten Generation, veröffentlicht, sie bedienten sich der Methode der „Bekennerschreiben“, in denen kurz der internationale Zusammenhang geschildert wird.

Die RAF tritt in dieser Phase mehr als Terrororganisation  und weniger als Stadtguerilla auf. Die zweite Generation hat die Vereinbarung über die Anwendung von Gewalt gegenüber Unbeteiligten endgültig gebrochen. Zum Beispiel durch die Taten, welche sie im Herbst 1977 durchgeführt haben, wodurch diese Zeit als „Der Deutsche Herbst“ in die Geschichte eingeht. Eine der bedeutenden, aber gleichzeitig auch eine der tragischsten Aktionen ist die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer.

1.2 Aktion „Spindy“

Die Entführung von Hans-Martin Schleyer hat zum Ziel, 11 RAF-Gefangene freizupressen. Die intensive Vorbereitung beginn Mitte 1977. Die 20 beteiligten RAF-Mitglieder kundschaften die Lebensgewohnheiten von Schleyer und die Sicherheitsmaßnahmen aus, beschaffen sich verschiedene Fahrzeuge und Wohnungen sowie vier Schusswaffen und zwei Schnellfeuergewehre. Das Attentat wird in der „Mitternachtsdiskussion“ auf den 05.09.1977 nach vorne verschoben, weil die Inhaftierten drohen, sich umzubringen.

Die Aktion ist klar strukturiert. Die Brutalität zeigt sich darin, dass alle Begleitpersonen des Konvois, der gestoppt wird, erschossen werden. Schleyer wird in verschiedenen Wohnungen festgehalten. Zwischen dem 15. und 16. September wird Schleyer beispielsweise in ein Haus in die Niederlande gebracht, welches sie aber nach einem Vorfall bei einer Autovermietung fluchtartig verlassen müssen.

Ausschlaggebend für die Ermordung Schleyers ist das Scheitern der „Landshut-Entführung“. Am 13. Oktober wird diese Lufthansa-Maschine von palästinensischen Terroristen entführt. Damit soll der Druck auf die Bundesregierung erhöht werden, die Forderungen werden umfangreicher. Die Zusammenarbeit kam dadurch zustande, dass die RAF für die Sache der Palästinenser eintraten und damit gleichzeitig Gegnerschaft zu Israel waren. Dies war in vielen Teilen der Linken Szene ein

wichtiger Bestandteil. Dieser Plan scheitert, denn die Terroristen werden durch deutsche Spezialkräfte überwältigt und die Geiseln der Landshut befreit.

Wichtig zu sagen ist ebenfalss, dass Helmut Schmidt damaliger Bundeskanzler, festgelegt hatte, der Staat lasse sich nicht erpressen und deshalb die Befreiungsaktion in Mogadischou durchgeführt wurde. Dass Schleyer dadurch möglicherweise geopfert werden musste, war ihm klar und das wurde auch in aufgenommen.

Durch diesen herben Rückschlag der RAF beschließen die Gefangenen Baader, Ensslin, Möller und Raspe Selbstmord zu begehen. Sie versuchen diese Tat als Mord, ausgehend vom Staat, zu instrumentalisieren.

Nach diesen Ereignissen stellen die Entführer von Schleyer fest, dass das Vorhaben gescheitert ist. Am 18.10.77 wird Hanns-Martin Schleyer hinter der belgisch französischen Grenze mit drei Schüssen in den Hinterkopf erschossen. Ein Tag später um 16:21Uhr wird mit den Worten „Hier RAF!“ der Mord an Schleyer gestanden und am späten Nachmittag wird die Leiche in einem Audi entdeckt.

1.3 Ende der zweiten Generation

Nach dem Scheitern der Befreiungsversuche beginnt eine Phase, die durch viel Unruhe gekennzeichnet ist. Es kommen einige neue Mitglieder hinzu, einzelne terroristischen Aktivitäten werden durchgeführt, es kommt aber auch zu immer mehr Festnahmen und Toten auf der Seite der RAF.

Entstehung der RAF

[Anmerkung: Vor einiger Zeit haben wir im Geschichtsprofilkurs die Aufgabe erhalten, einen Erinnerungsort vorzustellen und zu beurteilen, ob man diesen so nennen kann und warum. Ich habe mir die Rote Armee Fraktion ausgewählt und möchte in diesem Dreiteiler die Geschichte der Gruppe aufzeigen und veranschaulichen, warum und in welcher Weise man sich an diese Zeit und die RAF erinnern sollte.]

 

Die Abkürzung RAF habe ich das erste Mal durch den Geschichtsunterricht zuordnen können. Davor habe ich die Gruppe namentlich im Hinterkopf abgespeichert, ohne zu wissen, wofür sie stehen und warum man über ihre Taten spricht.

Seit längerer Zeit schon möchte ich mehr über den linken Terror in Deutschland erfahren, da ich mich im letzten Schuljahr ausführlich mit dem Terror aus dem rechten politischen Spektrum befasst habe.

Die Gelegenheit bot sich nun mit der Aufgabe, einen „Erinnerungsort“ zu beschreiben. Somit lautet die Problemfrage:

„Ist die Rote-Armee-Fraktion ein Erinnerungsort?“.

Ein Erinnerungsort bezieht sich nicht nur auf Orte, sondern auch auf Firmen, Menschen oder in diesem Fall eine Gruppierung. Dieser „Ort“ muss sich für das kollektive Gedächtnis einer sozialen Gruppe und als historischer und sozialer Bezugspunkt etabliert haben. Außerdem muss er für die jeweilige Erinnerungskultur prägend sein.

Daraus ergibt sich, dass folgende Fragen im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen: Wie ist die RAF entstanden? Was waren die Motive? Inwiefern hat sie sich verändert? Wie kam es zur Auflösung?

1 Erste Generation (1970-1975)

1.1 Beginn der RAF

Die Rote-Armee-Fraktion nannte sich zu Beginn Baader-Meinhof-Bande, da diese zwei Personen die prägenden Gesichter der Gruppe waren.  Erst später gaben sie sich den Namen Rote-Armee-Fraktion, kurz RAF. Ihre Ziele waren die staatliche Ordnung und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der BRD sowie die Nato durch Gewalttaten, wie Mord- und Sprengstoffanschläge, zu bekämpfen.

In den 60er Jahren gab es eine große Empörung, vor allem von Studenten, unter anderem gegen  den Krieg in Vietnam, insbesondere die Napalm-Bombardierungen, die westliche Überflussgesellschaft und das gewaltsame Verhalten gegenüber Demonstranten. Zum Höhepunkt kommt es im Sommer 1967, als Benno Ohnesorg, ein 26 Jahre alter demonstrierender Student, bei der Demonstration gegen den Besuch des Schahs Reza Pahlvi von einem Polizisten ermordet wird. Daraufhin kommt es zu weiteren Demonstrationen in Berlin und Andreas Baader und Gudrun Ensslin treffen das erste Mal aufeinander. Beide führen in der Zeit Brandanschläge in westdeutschen Kaufhäusern durch. Dafür werden sie verhaftet und verurteilt. Während des Prozesses kommt es zum ersten Kontakt zwischen Ensslin und Ulrike Meinhof, welche für eine Zeitungsrecherche vor Ort ist. Sie ist von Ensslin und ihren Taten sehr beeindruckt.

Ein Jahr später werden Ensslin und Baader mit Auflagen aus dem Gefängnis entlassen. Jedoch tauchen sie unter und kehren 1970 nach Berlin zurück. Sie erhalten bei Ulrike Meinhof Unterschlupf. Am 4. April 1970 wird Baader verhaftet. Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Horst Mahler versuchen ihn zu befreien, was ihnen auch am 14. Mai gelingt.

Ab diesem Zeitpunkt wird nach der „Baader-Meinhof-Bande“ gefahndet. Sie besteht aus folgenden Mitgliedern: Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Manfred Grashof, Wolfgang Grundmann, Astrid Proll, Bernhard Braun, Horst Mahler, Jan-Carl Raspe, Holger Meins und Ulrike Meinhof.

Die erste Generation folgte einer klaren Struktur mit einer internationalistischen Programmatik. Sie sehen sich als Fraktion, welche einen weltweiten Aufstand gegen Imperialismus und Kapitalismus organisiert. Es ist eine klare Nähe zu der Idee revolutionärer Kriegsführung erkennbar, welche mit Namen wie Fidel Castro oder Che Guevara verbunden ist. Somit verknüpft sich die erste Generation unverkennbar mit dem Castrismus und Maoismus. Interessant ist die Beziehung zwischen der RAF und der Sowjetunion. In dem „Konzept Stadtguerilla“ wird Kritik an dem orthodoxen Kommunismus und der Sowjetunion das erste Mal erkennbar. Sie kritisieren in einem Schreiben „den Ausgleich und das Bündnis zwischen US-Imperialismus und der Sowjetunion“.  Zum Thema „Gewalt gegen das Volk“ verliert die RAF auch klare Worte. „Dieser richtet sich selbstverständlich nicht gegen das Volk. […] ausschließlich gegen Exponenten des Ausbeutungssystems.“

An diese Aussage halten sie sich nicht lange. Sie wollen eine kriegsrechtskonforme Guerillastrategie umsetzen, setzen aber Anschläge um, die Personenschaden von Unbeteiligten in Kauf nehmen. Ihre Aktivitäten begründen sie jeweils ideologisch. Zum Beispiel erklären sie die Anschläge auf die US-Stützpunkte damit, dass die BRD Truppentransporte der amerikanischen Streitkräfte unterstütze. Auch der Anschlag auf das Springer-Haus zeigt, dass ihre Programmatik nicht konsequent umsetzbar ist.

1.2 Anschlag auf den Springerverlag

Am 19. Mai 1972 werden fünf Sprengkörper, mit einer Rohrlänge von 20 cm, einem Durchmesser von 15,9 cm und einem Sprengstoffgemisch von 4 kg im Hamburger Verlagshaus platziert. Um 15:35 Uhr geht ein Anruf mit den Worten, „Gleich geht eine Bombe hoch.“ ein. Um 15:39 Uhr wird der Sicherheitsbeauftragte der Innenverwaltung informiert. Eine Minute später geht im 3. Stock die erste Bombe hoch. 2 Mitarbeiter erleiden Kopfverletzungen und Kieferbrüche. Der nächste Anruf trifft unmittelbar danach ein: „Es werde gleich noch ein weiteres Mal knallen“. Die Damentoilette im 6. Stock wird verwüstet. Die restlichen Sprengkörper detonieren wegen eines Fehlers nicht. Das Bekennerschreiben folgt noch in der gleichen Nacht. Die Kosten belaufen sich auf eine Höhe von 336.000 DM.

1.3 Ende der ersten Generation

Im Juni 1972 kommt es zu zahlreichen Festnamen rund um die RAF. Am ersten Juni werden Raspe, Baader und Meins in der Nähe einer von der Polizei observierten Garage festgenommen. Es fallen Schüsse und Tränengas wird eingesetzt. 6 Tage später wird Gudrun Ensslin in einem Kleidungsgeschäft von der Polizei in Gewahrsam genommen, weil eine Verkäuferin eine Waffe in ihrer Jacke findet. Am 9. Juni werden dann auch noch Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Brau festgenommen und Ulrike Meinhof, Gerhard Müller werden einige Tage später inhaftiert. Mit den Festnahmen enden die Anschläge, ausgehend von der ersten Generation.

Qurt News Testet – AG Türkisch Kochen

Heute waren wir bei der AG Türkisch Kochen und haben uns einen Einblick verschafft. Wir, das Schülerkollekltiv, wollen euch die AG’s der Schule näher bringen und zeigen was da eigentlich so hinter den Kulissen passiert. Wir haben Schüler und Schülerinnen Interviewt und durften sogar mal probieren, es gab Baklava und Cigköfte. Das ist die Erste Folge einer Serie namens: Qurt News Testet.

Sachspendenmöglichkeiten in der Kurt-Schwitters-Schule

Liebe Eltern, liebe SchülerInnen und MitarbeiterInnen der Kurt-Schwitters-Schule,

wir möchten den SchülerInnen der Kurt-Schwitters-Schule eine Möglichkeit geben aktiv Hilfe für die Menschen in und die Flüchtenden aus der Ukraine zu leisten. Wir merken, dass es den SchülerInnen ein wichtiges Anliegen ist Empathie, Menschlichkeit und Solidarität mit jenen zu zeigen, die gerade alles verloren haben. Die Teilnahme an der Spendenaktion ist absolut freiwillig. Jede Familie sollte ganz frei entscheiden, ob und in welchem Maße sie etwas beisteuern möchte. Entscheiden Sie selbst.  

Daher haben die SchülerInnen

  • am Mittwoch, den 16.03.22 von 12.00 – 13.00 Uhr und 
  • am Donnerstag, den 17.03.22 von 12.00 – 13.00 Uhr

die Möglichkeit folgende Sachspenden 

  • in der Textilwerkstatt im Erdgeschoss des Haus 2 (R 2003)

abzugeben:  

Hygieneartikel (einige Beispiele s.u.):  

– Wegwerfwindeln  

– Feuchttücher/Taschentücher/ Einmalwaschlappen/ 

– Damenbinden  

– Seife, Duschgel, Shampoo  

– Zahnbürste, Zahnpasta  

– Händedesinfektionsmittel, Masken  

Babynahrung und haltbare Lebensmittel (einige Beispiele s.u.): 

– Babybrei/Apfelmus natur  

– Energieriegel  

– Nüsse ungesalzen  

– Trockenfrüchte/Studentenfutter  

– Cracker/Reiswaffeln/Kekse…  

 Darüber hinaus: 

– Schlafsäcke/ Isomatten/ Zelte

– Campingkocher mit Kartuschen 

– Verbandszeug/ Autoverbandskästen 

Bitte prüfen Sie den Nutzen, die Verpackung sowie den Zustand der Spende vorab, sodass wir diese auch guten Gewissens weitergeben können.  

? Wo geht die Spende hin ?  

Die gesammelten Spenden werden an die gemeinnützige Organisation prenzlkomm in der Erich-Weinert-Straße (www.prenzlkomm.de) weitergeleitet und von dort aus direkt in die Ukraine gefahren. 

O ataque em Hanau

 

Trigerwarning: rassismo e assasinato

MERCEDES KIERPACZ
SEDAT GÜRBÜZ
HAMZA KURTOVIĆ
KALOYAN VELKOV
SAID NESAR HASHEMI
FATIH SARAÇOĞLU
VILI-VIOREL PĂUN
GÖKHAN GÜLTEKIN
FERHAT UNVAR
#saytheirnames

No dia 19.02.2020, foi cometido um ataque racista contra 9 pessoas em Hanau. O assaltante começou o ataque às 21:50h em Hanauer Heumarkt. Ele atirou a dois bares, matando Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu e Sedat Gürbüz, e continuou ao Kurt-Schumacher-Platz. Ali ele atirou Vili-Viorel Păun no seu carro e depois correu para um quiosque onde matou Mercedes KierpaczGökhan Gültekin e Ferhat Unvar. Antes de ir para casa, ele atirou Said Nesar Hashemi e Hamza Kutović num café. Quando chegou a sua casa, matou primeiro a sua mãe e depois sí próprio. A polícia foi chamada várias vezes durante o incidente, mas chegaram tarde demais.


Nenhuma das vítimas viveu para além dos 40 anos de idade.

Para se relembrar das 9 pessoas, queremos dizer-vos algo sobre elas:
Gökhan Gültekin era um pedreiro qualificado e tinha iniciado um negócio de limpeza pouco antes do incidente. Ele tinha um irmão que era 8 anos mais velho do que ele.
Sedat Gürbüz trabalhou num dos bares onde aconteceu o ataque.
Said Nesar Hashem foi a vítima mais jovem e um dos seus 4 irmãos quase não sobreviveu o ataque.
Mercedes Kierpacz, na altura com 35 anos de idade, também trabalhava num bar. Ela deixou para trás uma criança de 17 anos uma criança de 3.
Hamza Kutović tinha três irmãos e tinha recebido formação como funcionário de armazém.
→ Quando Vili-Viorel Păun chegou à Alemanha aos 16 anos, trabalhou para pagar o tratamento da sua mãe.
Fatih Saraçoğlu morreu aos 34 anos e era um exterminador.
Ferhat Unvar, um instalador de gás e água, tinha três irmãos e morreu aos 24 anos.
Kaloyan Velkon era um camionista e proprietário de um bar. Ele teve um filho de 8 anos.
Este ataque não foi um incidente único, o racismo não é um incidente único!


A maior solidariedade, com os familiares e amigos. 
Hanau está em todo lado!
Uma ação da “AG gegen Diskriminierung” (grupo de trabalho contra a discriminação) da Kurt-Schwitters-Schule 

Lembrar significa mudar, 

Memorar significa lutar! 

Ações de lembrança do dia 19.02.22:
→ 12:00 horas Leopldplatz
→ 16:00 horas Oranienburger Straße

Grande demonstração em 19.02.22:
→ 19:30 horas Zickenplatz 

Der Anschlag in Hanau

Triggerwarnung: Rassismus, Mord
MERCEDES KIERPACZ
SEDAT GÜRBÜZ
HAMZA KURTOVIĆ
KALOYAN VELKOV
SAID NESAR HASHEMI
FATIH SARAÇOĞLU
VILI-VIOREL PĂUN
GÖKHAN GÜLTEKIN
FERHAT UNVAR
#saytheirnames



Am 19.02.2020 wurden Hanau ein Rassistischer Anschlag auf neun Menschen begangen. Der Attentäter begann den Anschlag um 21:50 Uhr am Hanauer Heumarkt. Dort schoss er in zwei Bars und brachte so Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu und Sedat Gürbüz ums Leben. Danach fuhr er weiter zum Kurt-Schumacher-Platz. Dort erschoss er Vili-Viorel Păun in seinem Auto und lief danach in einen Kiosk, wo er Mercedes KierpaczGökhan Gültekin und Ferhat Unvar ums Leben brachte. Bevor er nach Hause fuhr, schoss er noch in ein Café, in dem sich Said Nesar Hashemi und Hamza Kutović aufhielten. Als er zu Hause ankam, tötete er erst seine Mutter und danach sich selbst. Die Polizei wurde während des Vorfalls mehrere Male angerufen, kam jedoch zu spät.
Keines der Opfer ist älter als 40 Jahre geworden.

Um der 9 Menschen zu gedenken, wollen wir euch etwas über sie erzählen:
→ Gökhan Gültekin war ein gelernter Maurer und hatte kurz vor dem Vorfall ein Hausmeister-Unternehmen gegründet. Er hatte einen 8 Jahre älteren Bruder.
→ Sedat Gürbüz Arbeitet in einer der Bars, in der der Anschlag verübt wurde.
→ Said Nesar Hashem war das jüngste Opfer, einer seiner 4 Geschwister hat den Anschlag knapp überlebt.
→ Die zu dem Zeitpunkt 35-jährige Mercedes Kierpacz arbeite ebenfalls in einer Bar. Sie hinterließ ein 17-jähriges und ein 3-jähriges Kind.
→ Hamza Kutović hatte drei Geschwister und eine Ausbildung zum Fachlagerist gemacht.
→ Als Vili-Viorel Păun mit 16 Jahren nach Deutschland kam, arbeitete er, um eine Behandlung seiner Mutter zu bezahlen.
→ Fatih Saraçoğlu starb mit 34 und war Schädlingsbekämpfer.
→ Der Gas- und Wasserinstallateur Ferhat Unvar hatte drei Geschwister und starb mit 24 Jahren.
→ Kaloyan Velkon war Lkw-Fahrer und Wirt einer Bar. Er hatte ein 8-jähriges Kind.
→ Dieser Anschlag war kein Einzelfall, Rassismus ist kein Einzelfall!

Größte Solidarität, mit den Angehörigen und Freunden.

Hanau ist überall!

Eine Aktion der AG gegen Diskriminierung der Kurt-Schwitters-Schule


Erinnern heißt verändern,

GeDenken heißt kämpfen!

GeDenkaktionen am 19.02.22:
→ 12 Uhr Leopldplatz
→ 16 Uhr Oranienburger Straße

Große Demo am 19.02.22:
→ 19:30 Uhr Zickenplatz

qurt will’s wissen!

Wir wollten von euch wissen, ob ihr qurt.news überhaupt kennt, was euch interessiert, was ihr von uns erwartet, damit wir für euch die spannendsten Themen finden können. Viel Spaaaß…. Schreibt gerne weitere Ideen in die Kommentare.

27.Januar – Tag der Befreiung des KZ Auschwitz

Triggerwarnung: Holocaust/ Antisemitismus

Im Nationalsozialismus wurden in dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau mehr als anderthalb Millionen Menschen durch verschiedene Methoden ermordet, wobei die Dunkelziffer noch höher ist. 90% der Menschen waren Jüd*innen, aber auch Homosexuelle, Sinti und Roma, politische Gegner*innen des Naziregimes und weitere Menschen waren dort interniert. Die Bedingungen, unter denen die Internierten leben müssen, waren unbeschreiblich grausam. Die Menschen, wurden gefoltert, misshandelt und zu schwerster Arbeit gezwungen. Ihre Menschlichkeit und ihre Individualität wurde ihnen abgesprochen. Auschwitz war das größte und mit dem höchsten technischen Aufwand betriebene nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager. Als sich die Rote Armee dem KZ Auschwitz im August 1944 näherte, begann die SS mit der stufenweisen Evakuierung des Lagers. Am 17. Januar 1945 begann die Endphase der Evakuierung des KZ Auschwitz und seiner Nebenlager. Die SS schickte etwa 56.000 Häftlinge auf “Todesmärsche” in Richtung Westen, um ihre Befreiung durch die Rote Armee zu verhindern. Die Rote Armee befreite die Gefangenen am 27.01.1945 aus dem Konzentrationslager, in dem befanden sich noch etwa 8.500 kranke und erschöpfte Häftlinge im Stammlager und seinen Nebenlagern.

Die Auschwitz Prozesse ließen lange auf sich warten. Nur vereinzelte Prozesse fanden vor dem Ende der 1950er Jahre statt. Ab da wurden immer mehr Prozesse aufgenommen. Bis heute wird noch ermittelt, allerdings wird gegen die Zeit gearbeitet, da viele der Angeklagten über 90 Jahre alt oder bereits verstorben sind.

Nachdem die Sowjetunion 1947 das Lager Polen übergab, beschloss das polnische Parlament, am 02.07.1947, das Gelände zu einem Museum zu machen. 2017 betrug die Anzahl der Besucher*innen 2,1 Millionen. Die meisten Besucher*innen kamen aus Polen (498,000 Menschen), Großbritannien (339,000 Menschen) und den USA (183,000 Menschen). An 6ter Stelle kommt Deutschland, von hier kamen 85,000 Menschen um sich die Ausstellung anzusehen.

Auch heute ist Antisemitismus (Abneigung/Feindschaft gegen Juden) noch aktuell. Er wird zwar nicht mehr so offen gezeigt, aber er existiert immer noch und wird durch einzelne Andeutungen sichtbar. Um nicht zu vergessen was damals passiert ist, ist der 27.01. seit 1996 offiziell ein Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus und die Befreiung von Auschwitz.

Text: AG gegen Diskriminierung der GSV- veröffentlicht durch Pavel Stöck

Informationen und Nachfragen auf Instagram: antidiskriminierungs.ag_kss

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Literaturwettbewerb 2022

Nachwuchsautor:innen aufgepasst! Auch dieses Jahr wird wieder der Literaturwettbewerb stattfinden. Das diesjährige Thema heißt: “Hinter der Maske”. Ihr könnt eure Texte noch bis zum 09. März 22 per E-mail einreichen. Am 24. März wird dann die Vorlesung und Sieger:innenehrung stattfinden! Qurt.news wird euch auf dem Laufenden halten.
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CONCURSO DE LITERATURA
Tema: ATRÁS DA MÁSCARA
Entrega até: 09.03.
a entrega pode ser feita através dos Sozis ou por E-Mail: literaturwettbewerb@kurt-schwitters.schule
Também é possivel entregar escrito à mao.
Todas as linguas sao Bem-vindas.
AGUARDAMOS PELO SEU TEXTO!!!
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Weihnachtsfest mal anders

Am 09. Dezember 2021 fand das alljährliche Weihnachtsfest statt. Der Schüler:innenchor sorgte mit Weihnachtsliedern für die nötige Stimmung. Punsch und frische Waffeln ließen die Schüler:innen auf dem Hof die Kälte gar vergessen. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um euch richtig in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Wir haben es sogar für euch schneien lassen!

Britney Spears, Hysteria, and the History of Invalidating Mental Illness in Women

– contains mentions of exploitation, sexualisation of minors, mental illness and mdical gore –

The Princess of Pop

Born in 1981, Britney Jean Spears is one of the most influential popstars of the 1990s and early 2000s. In 24 years of career, Spears has sold more than 100 million records worldwide, making her one of the best-selling artists worldwide. Known as the “Princess of Pop” she is credited with influencing the revival of teen pop music. Since signing her first record deal at age 15, Spears has released 9 studio albums, featured in multiple movies, and received many awards, including a Grammy.

After minor acting jobs as a young child, including a role on The Mickey Mouse Club her debut album “…Baby One More Time” was released in 1999. At age 17, the album and lead single of the same name made Spears an overnight success. This success would only be expended on. In the next years, Britney Spears released more albums, most of which became critically acclaimed and commercial successes.

1 Britney performing in 1999 at age 17

It is to be noted that Spears appealed to a sexualized ideal from a young age. Having only been sixteen at the time of shooting, she appears in the “…Baby One More Time” music video wearing a cropped blouse and short skirt, as well as pigtails. The “sexy schoolgirl” became her signature and although she was being criticized for it, she continued sporting outfits that showed her figure, even when she was still underage. Unfortunately, this framing fed into the media’s and the public’s obsession with teenage girls’ sexuality. It became a regular occurrence that interviewers would ask Britney, who was still a minor at the time, about her dating life and whether she had lost her virginity yet.

Spears married Jason Allen in 2004 and got the marriage annulled only 55 hours later. In the same year, she became engaged to Kevin Federline, whom she had met three months prior. Both relationships were the subjects of intense media attention and Spears was being ruthlessly criticized and bullied for being “flaky” and getting engaged to a man who had only recently broken up with his pregnant girlfriend. Most of the critics focussed on Spears.

The young star was now constantly harassed by paparazzi, who followed her every step and intruded on her privacy in hopes of getting a picture that would sell well. A lot of these pictures led to Britney being ripped apart in the press for her appearance, the treatment of her children, and the people she spent time with. At this time, Spears’ struggles with mental illness and drug abuse became more heavily publicized. After spending a single day in a drug rehabilitation facility, she shaved her head at a hair salon and beat a car with an umbrella. This incident was heavily publicized and led to Spears being widely regarded as “crazy” and “out of control”. It likely also played a role in the 2007 court hearing, in which Spears lost the physical custody of her sons to ex-husband Federline. Even during this time, Spears kept releasing music and performing.

In January 2008, Spears refused to resign her sons to Federline’s representatives. Police arrived and determined she was under the influence of an unidentified substance. She was hospitalized and Federline was given sole and full custody of their sons. Spears’s visitation rights were suspended. After being put on involuntary psychiatric hold under California state law she was admitted to a psychiatric hold in Los Angeles. A court placed her under a conservatorship led by her father, Jamie Spears, and attorney Andrew Wallet. This gave them complete control of all her assets. She was 26 at the time.

Under U.S. law, a conservatorship is the appointment of a guardian by a judge to manage the financial affairs and daily life of another person due to old age or physical or mental limitations. In 2008, Spears lost control of the multi-million-dollar empire she had spent her life building. The court took away a grown woman’s rights to make basic decisions about her finances, career, and personal life.

2 Spears at The Femme Fatale Tour in 2011

As her autonomy was taken from her, Spears was quick to object to the conservatorship and her father’s role in it. Reporting has since revealed that she tried to hire her own lawyer to advocate for her in the conservatorship hearings. However, the courts ruled that she did not have the mental capacity to select her own legal counsel and instead gave her a court-appointed lawyer, Samuel Ingham. The conservatorship arrangement forced Spears to pay Ingham, her father, his legal team, and other people involved in the case. As the New York Times reports, Spears strongly objected to the arrangement for years, but Ingham, who made an estimate of 3m dollars off representing the popstar, did not advocate for the conservatorship to end. In 2016, Britney outlined a strange system of abuse to a court investigator, as the records show. Allegedly, she had been forced to perform while sick with a fever, her security team held her credit card and used it whenever they wanted, she was limited to a weekly allowance, forbidden to make changes to her birth control method, and her father prohibited her from making cosmetic changes to her house. As the Times also reported, she allegedly had been institutionalized in a mental health facility against her will after speaking up during a rehearsal.

Despite these immense objections, which at the time had been private, the conservatorship continued for multiple years. Recently, Ingham had begun raising concerns over Jamie’s treatment of his daughter, citing in court how Britney was “afraid of her father”. However, the lawyer did not file for the conservatorship to end.

A Quick History of Hysteria and Emotional Invalidation

3 Series of three phtots showing a hysterical yawning woman, 1890

In the western world accusing women of insanity has long served as a tool of oppression. In the 19th century, male physicians began to establish the concept of “female hysteria” as a legitimate medical diagnosis. This “condition” was said to be at the root of a myriad of symptoms such as mood changes, several symptoms which today are attributed to depression, anxiety, or PTSD, tears, laughter, enjoying writing, or pain. Over centuries, women were being misdiagnosed with hysteria, when in reality they suffered from a myriad of real mental and physical illnesses or were dealing with abusive relationships or other traumata. To treat this “disease” doctors shut women up in insane asylums, prescribing them masturbation, or giving them “rest cures” which was essentially just a fancy term for solitary confinement. This meant that a woman struggling with her mental health could be and frequently was locked up in her rooms or an asylum by a close male relative, more often than not her husband. As men’s accounts were generally regarded as more valuable than women’s a lot of men were able to simply get rid of their wives, daughters, and other female relatives by going to a doctor and claiming she was “hysterical”. And they did so under the guise of protecting her and caring for her.

Furthermore, getting locked up in an asylum isn’t the worst that could happen to a woman struggling with trauma and mental illness. Enter the hysterectomy, a medical procedure in which doctors would remove a woman’s uterus (without her consent). Since hysteria was thought to be a disease of the uterus (hystera in Greek) doctors thought that removing it would ‘cure’ the woman. This would often add to the women’s trauma and drastically worsen their social standing as well as physical and mental health, as she was now no longer able to bear children. The procedures were often connected to immense risks and many of the women never fully recovered.

4 Diagram of the skull and site of borehole for the standard per-frontal lobotomy

Starting in the 1930s, lobotomies became a widespread way of ‘healing’ people from mental disorders and illnesses. A lobotomy is a psychosurgical procedure where nerve fibers connecting the frontal lobe of the brain and the thalamus are severed. This was originally accomplished by drilling into a patient’s head and later advanced to an easier method of inserting a steel rod resembling an ice-pick, under the eyelid and into the brain. And although lobotomies were used on people of any gender for a multitude of problems, the majority of patients who received lobotomies were women. While some patients’ conditions improved post-lobotomy, an overwhelming amount reported serious, sometimes severe complications and impairments. These included seizures, speech impairments, bodily impairments, personality changes, and many more. Men could give the order for their wives to undergo these horrific procedures and a woman’s consent wasn’t always needed. This infringes on a woman’s human rights, as their right to life, liberty, and security was taken from them. After almost two decades of commonplace use of lobotomies the procedure was judged to be inhumane and the risks as too high and it was outlawed.

And while Britney Spears isn’t locked up in a small room somewhere or being lobotomized, she is being denied access to the money she earned and any amount of autonomy that should be granted to any grown person. Her father has been reported to take away her phone, effectively cutting her off from the outside world. Brian Spears, Britney’s brother has openly claimed that the conservatorship of his sister is necessary because the women in his family have a way of being very outspoken and having things their way. According to him, the arrangement is in place to help Britney thrive and be protected. The way Britney is being treated by her relatives and the media call back to the times of “hysteria”. From an incredibly young age, Britney and her struggles have been gawked at and fetishized. After years of constant hounding by paparazzi and never-ending media scrutiny, Britney was struggling with severe mental illness. Her anger, refusal to smile for the cameras and pretend everything was good and her final outburst to the distress caused by years of mistreatment gave her father and a group of other people in her life the chance to shut her up and take control of her assets. A lot of people, including but not limited to Jamie Spears, his legal team, and Samuel Ingham, benefited greatly from her conservatorship.

#FreeBritney

In February of 2019 a fan podcast, Britney’s Gram, released a voicemail message from a source who allegedly used to belong to Britney’s security team. They alleged that Jamie Spears had canceled his daughter’s Las Vegas concert residency that had been successfully running for four years because she refused to take her medication. Furthermore, they claimed Britney was being held in a psychiatric facility because she had previously violated a no-driving rule he had imposed and that her conservatorship had been supposed to end in 2009. The allegations went viral and gave way to a movement to terminate the conservatorship. The movement was organized under #FreeBritney and gained a large following with major celebrities joining to advocate for the singer’s freedom. In the beginning, Spears disapproved of the protests in her honor, insisting “all [was] well”.

In May, Jamie was temporarily removed from the conservatorship after Federline (the ex-husband) got a restraining order against him. This happened after Jamie allegedly got into a physical altercation with one of Spears’s sons.

5 Protest of the #FreeBritney movement in Washington, DC in July of 2021

In February of 2021, the documentary Framing Britney Spears about her life and conservatorship premiered on streaming service FX. Spears publicly disapproved of it, claiming many of the alleged instances of abuse to be false. In a June court hearing, Spears finally called the conservatorship “abusive” and said she had lied about being ok and happy. As this was the first time Britney publicly criticized her conservatorship, the statement got widespread media coverage.

On July 1, two U.S. senators called on federal agencies to increase oversight of the country’s conservatorship system. Later that month, two of the lawyers involved in the conservatorship, including Samuel Ingham, resigned from their positions. Spears was allowed to hire lawyer Mathew Rosengart to represent her, who immediately started working on terminating the conservatorship. Spears publicly endorsed #FreeBritney on July 14. Twelve days later Rosengart filed a petition seeking to replace Jamie as conservator. On August 12, Jamie agreed to step down in the future as soon as an appropriate replacement for his position was found.

On November 12 of 2021, a LA judge terminated the conservatorship. After almost 14 years of her father having control over everything from her grocery list to her method of birth control, Britney Spears, now 39, was finally free.

Justice

The life and conservatorship of Britney Spears shine a light on a problematic conservatorship system, that allows for an adult woman’s choices to be taken away for almost 14 years. It also draws back to past times, in which women were seen as the property of the closest male relative.

Though Britney Spears managed to escape the system in the end, thousands of others don’t have the reach or support that got Britney to where she is today. While the exact figures are unknown, it is estimated that millions of people with intellectual and psychosocial disabilities are deprived of legal capacity and placed under some form of guardianship. They are deemed unable to make their own decisions simply because they have a disability. These practices can be extremely harmful and can lead to a range of abuses, including forced treatment, involuntary confinement, forced abortions or contraceptives, forced living arrangements, and limited freedom of movement.

The system is incredibly ableist and discriminates against mentally ill people. Instead of relying on conservatorships and thereby taking away people’s freedoms and denying them their human rights, governments should work to provide a system of support for decision-making that respects the autonomy, will, and preferences of the person with the disability or mental illness.

Photos via Wikimedia

Fridays for Future Fahrraddemo am 24. September 2021

Am 24. September war es wieder soweit: Fridays for Future fand im Rahmen des globalen Klimastreiks statt. Dabei durfte unsere Schule natürlich nicht fehlen. Über 500 Schüler:innen begleiteten den antikapitalistischen Block auf Fahrrädern. Auf dem Lautsprecherwagen gab es laute Musik und Redebeiträge und vieles mehr. Wir waren natürlich auch dabei und haben euch schönes Foto- und Videomaterial geliefert.

Die Ergebnisse der U18 Wahl 2021

Wie jedes Mal, wenn die Bundestagswahl vor der Tür steht, dürfen auch wir (die minderjährigen) eine  Stimme abgeben. Nämlich bei der U18-Wahl.

Ich habe aus den Ergebnissen der Wahl unserer Schule, der Ergebnisse bundesweit und der Prognosen der Bundestagswahl  7 Diagramme erstellt und in unterschiedlichen Konstellationen verglichen.

Ergebniss unserer Schule:

Zweitstimmen Stimmen Prozent:
CDU 32 4,7
Die Linke 130 19,1
SPD 53 7,8
Grüne 289 42,6
AfD 3 0,4
FDP 18 2,7
Die Partei 43 6,3
Tierschutzpartei 53 7,8
Piraten 13 1,9
Frei Wähler 3 0,4
Gesundheitsforschung 1 0,1
ÖDP 0 0,0
Du. 6 0,9
V-Partei 3 0,4
DKP 5 0,7
MLPD 0 0,0
Büso 1 0,1
SGP 1 0,1
LKP 0 0,0
NPD 1 0,1
Die Humanisten 1 0,1
Die Grauen 1 0,1
Team Todenhöfer 3 0,4
Volt 19 2,8

In der ersten Abbildung sehen wir die Ergebnisse der Zweitstimmen unserer Schule. Insgesamt sind 679 von 924 Wahlberechtigten zur Wahlurne gegangen und haben ihre Stimme abgegeben. (KSO = Kurt Schwitters Oberschule)

Hier kann man die Entwicklung der Zweitstimmen unserer Schule im Vergleich von 2017 ablesen.

In dieser Abbildung ist das Ergebnis unserer Schule (links)  mit der Prognose für die Bundestagswahl (rechts) verglichen (Quelle: https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/sonntagsfrage/) (BW = Bundestagswahl)

Hier stehen sich die Stimmen unserer Schule (links) und das Ergebnis bundesweit gegenüber.

In dieser Grafik sieht man in dem linken Diagramm die Ergebnisse der bundesweiten U18-Wahl und in dem rechten die Prognose der Bundestagswahl.

So wäre das Parlament zusammengesetzt, wenn das Ergebnis unserer Schule für ganz Deutschland gelten würde.

In der letzten Grafik sieht man die verschiedenen Koalitionsmöglichkeiten unseres Parlamentes.

 

Wenn man sich nun die ganzen Ergebnisse und Vergleiche anschaut, fällt einem direkt auf, dass vieles anders wäre, wenn die unter 18-Jährigen wählen würden und vor allem, wenn das Ergebnis unserer Schule das für ganz Deutschland wäre.

So hätten Parteien wie die AfD, CDU und die FDP nichts mehr zu sagen und Deutschland hätte einen starken links Rutsch bekommen.

Was mir besonders aufgefallen ist, dass die jungen Menschen den kleineren Parteien mehr Aufmerksamkeit schenken. So schafft es bei der Bundesweiten U18-Wahl eine neue Partei in das Parlament und an unserer Schule sogar zwei. Das zeigt mir, dass die  Jungen Menschen mit der Politik der etablierten Parteien unzufrieden ist und nicht die Themen anspricht, die die Jugend interessiert.

Betrachtet man die Koalitionsmöglichkeiten, fällt auf, dass an unserer Schule eine, wie es Olaf Scholz wünscht, Rot-Grüne Regierung nicht zustande käme. Wir hätten dann wohl eine Grün geführte Regierung in Koalition mit der Linken.

Jetzt kommt die Frage aller Fragen: Wäre das Parlament und die Regierung unserer Wahl eine bessere, als die von heute?

Warum brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen? Interview mit Dorothee Herzog

spilled coins from the jar

Was würdet ihr machen, wenn zu eurem eigentlichen Einkommen noch 1.200 € addiert werden? Vielleicht reisen, etwas auf die Seite legen oder sich weiterbilden?

Dieses Konzept nennt man bedingungsloses Grundeinkommen und Paula hat schon vor einiger Zeit über die Idee, die Finanzierung und über die Pro- und Kontrapunkte berichtet.

Der Begriff “bedingungsloses Grundeinkommen” begegnete mir schon vor 1,5 Jahren und ließ mich nicht los. Vor allem hat es mich interessiert, wie die Menschen darauf reagieren würden.

So hat es mich sehr gefreut, dass ich von dem Projekt “Mein Grundeinkommen” erfahren habe, welches genau das testet. 867 Menschen durften bereits Erfahrungen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen sammeln. Mit diesen Eindrücken haben sie ein Buch geschrieben und veröffentlicht, welches den Namen „Was würdest du tun?“  trägt.

Ich erhielt dann die Chance Dorothee, die bei „Mein Grundeinkommen“ arbeitet, einige Fragen zu stellen. Sie ist dort für den Support und Community Management zuständig.

Was sind Ihre Argumente für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)?

Das ist natürlich eine sehr große Frage. Argumente gibt es sehr viele. Grundsätzlich kann man zwischen humanistischen und liberalen Argumenten für ein Grundeinkommen unterscheiden.

Das für mich persönlich Charmante an der Idee ist, dass sie das Potential hat, das beste aus beiden Welten zu vereinen. Eine bedingungslose Grundsicherung in ausreichender Höhe sollte ein Rechtsanspruch sein, wenn wir Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes ernst nehmen wollen. Denn, wie können wir den Menschen ein Leben in Würde und die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantieren, wenn wir ihnen nicht auch gleichzeitig das Recht auf eine finanzielle Absicherung zugestehen?

Ungefähr ein Sechstel der Bevölkerung in Deutschland ist oder lebt unterhalb der Armutsgrenze. bei Alleinerziehenden sind es sogar noch deutlich mehr.

Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen müsste niemand mehr um seine Existenz bangen. Das ist natürlich an sich schon ein erstrebenswertes Ziel, gleichzeitig ist es aber auch Voraussetzung für echte und gelebte Autonomie, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt sondern auch im Leben allgemein.

Solange ökonomische Zwänge mein Leben bestimmen, kann ich keine wirklich freien Entscheidungen treffen. Arbeitnehmer*innen sind aktuell keine wirklich freien Subjekte auf dem Arbeitsmarkt. Je nach Branche bin ich als Arbeitnehmer*in unter Umständen dazu gezwungen, unter Bedingungen zu arbeiten, die ich mir freiwillig niemals zumuten würde und auch meine Möglichkeiten, daran etwas zu ändern, sind eingeschränkt. Das macht die Menschen krank, zum Teil sogar unproduktiv – Depression und Burnout sind auf dem Weg, Volkskrankheit Nr. 1 zu werden. Spannenderweise fürchten Kritiker*innen eines Grundeinkommens häufig gerade diese Autonomie auf dem Arbeitsmarkt, für mich ist es eines des stärksten Pro-Argumente.

Durch den Verein „Mein Grundeinkommen“ wurde vielen Menschen für ein Jahr ein BGE geschenkt. Was haben Sie von den Gewinnern des Geldes für Rückmeldungen erhalten?

Unsere Verlosung von Grundeinkommen gibt es bereits seit 2014. Mittlerweile haben wir über 800 Ein-Jahres-Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro pro Monat verlost. Was wir vor allem von unseren Gewinner*innen gelernt haben, ist, dass das Grundeinkommen nicht so sehr über die zusätzliche Finanzspritze wirkt als über die Bedingungslosigkeit. Wer zuvor von Armut betroffen oder bedroht war, hat das Geld natürlich zunächst in notwendige Anschaffungen investiert. Es wirkt aber auch und gerade bei den Menschen, die finanziell gar nicht unbedingt auf den Gewinn angewiesen waren. Das hat uns positiv überrascht. Unsere Gewinner*innen sind weniger gestresst als vorher und haben weniger Existenzängste, sie fühlen sich gesünder – zwei Gewinner*innen mit Morbus Crohn, einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung, haben seit ihrem Grundeinkommensgewinn keine Symptome mehr. Unsere Gewinner*innen fühlen sich selbstwirksamer, haben also den Eindruck, dass sie Herausforderungen besser bewältigen und aktiv Einfluss auf ihre Lebenssituation nehmen können. Viele geben an, durch das Grundeinkommen großzügiger geworden zu sein und sich mehr als vorher Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten können. Immer wieder sagen uns Gewinner*innen auch, dass sie umweltbewusster konsumieren und sich mehr Gedanken um Nachhaltigkeit machen. Unser Gründer Michael Bohmeyer hat gemeinsam mit Autorin Claudia Cornelsen im Jahr 2018 zahlreiche Grundeinkommensgewinner*innen aus unserer Verlosung besucht und interviewt. Die Erkenntnisse haben sie in unserem Spiegel-Bestseller “Was würdest du tun?” verarbeitet. Letztes Jahr haben wir das Buch Kapitel für Kapitel kostenfrei als Podcast veröffentlicht.

Am 01.06.2021 begann das Pilotgramm zum bedingungslosem Grundeinkommen, bei dem auch der Verein „mein Grundeinkommen“ mithilft.

Es soll 3 Studien geben: Die erste nennt sich Grundeinkommen on top, hier erhalten 120 Teilnehmer*innen für 3 Jahre 1.200 Euro zu ihrem eigentlichen Gehalt drauf gerechnet. Anschließend kommt es zur 2 Studie, welche 2022 starten soll. Hier wird das Einkommen auf 1.200 Euro aufgestockt. Zum Schluss wird es das BGE mit einer simulierten Besteuerung geben. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, schaut gerne auf die Internetseite https://www.pilotprojekt-grundeinkommen.de/ vorbei.

Warum haben Sie bei dem Pilotprogramm genau die drei Studien ausgewählt und weshalb in Studie 3 die Finanzierungsmöglichkeit genommen und nicht die der Linken zum Beispiel?

Mit unserem Pilotprojekt Grundeinkommen, der ersten bundesweiten wissenschaftlichen Studie zum Bedingungslosen Grundeinkommen, wollen wir die Erkenntnisse, die wir aus den Erfahrungen mit unseren bisherigen Verlosungsgewinner*innen gesammelt haben, wissenschaftlich prüfen und zu einer faktenbasierten Debatte beisteuern. Wir haben viele Annahmen, wie ein Grundeinkommen wirken könnte, Vieles wissen wir aber nicht sicher – das wollen wir ändern.

Das Studiendesign der ersten Studie orientiert sich daher an unseren Fragestellungen an das Grundeinkommen. Wie beeinflusst es das Verhalten der Teilnehmer*innen auf dem Arbeitsmarkt, in Politik und Gesellschaft, wie wirkt es sich auf die Gesundheit und das individuelle Konsumverhalten aus, wie ändern sich vielleicht Einstellungen und Werte? Dafür erhalten 122 Teilnehmer*innen seit dem 01. Juni 2021 für drei Jahre in Grundeinkommen in Höhe von 1.200 Euro pro Monat.

Um sichergehen zu können, dass die Effekte wirklich auf das Grundeinkommen zurückzuführen sind und nicht auf anderweitige gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, werden die Ergebnisse der Grundeinkommensempfänger*innen einer Vergleichsgruppe gegenübergestellt, die kein Grundeinkommen erhält. Anhand der Resultate können wir mögliche gesellschaftliche Folgen eines Bedingungslosen Grundeinkommens abschätzen.

Studien 2 und 3 erfolgen nur, wenn Studie 1 deutliche Effekte erzeugt.

In Studie 2 wollen wir prüfen, ob die Wirkungen aus Studie 1 auch noch vorhanden bleiben, wenn das Einkommen der Teilnehmer*innen nur noch auf 1.200 Euro aufgefüllt wird, wenn sie darunter liegen. Es geht also um die Frage, ob das Grundeinkommen über das Sicherheitsgefühl wirkt – egal, was passiert, ich kann nicht unter 1.200 Euro rutschen – oder ob es seine Wirkung über das Mehr an Geld entfaltet. Falls sich positive Effekte über ein Sicherheitsgefühl einstellen, dann wäre das ein starkes Argument für eine Finanzierung über eine Steuerreform, bei der das Grundeinkommen letztlich effektiv so etwas wie eine bedingungslose Grundsicherung darstellt.

In Studie 3 wollen wir eine Art negative Einkommensteuer simulieren, weil dies ein Finanzierungsmodell ist, das relativ einfach getestet werden kann. Dabei wollen wir den Netto-Verdienst der Studienteilnehmer*innen mit einer simulierten Einkommensteuer besteuern. Faktisch werden wir allerdings dabei niemandem etwas von seinem Nettogehalt abziehen, wir werden aber so tun, als gäbe es eine Einkommensteuer von 50 Prozent auf alle Netto-Einnahmen. Allen, die mit einer solchen Steuer noch Anspruch auf ein Grundeinkommen hätten, werden wir den Differenzbetrag auszahlen. Die Transfergrenze liegt in diesem Experiment bei 2.400 Euro, denn 50 Prozent von 2.400 sind 1.200 Euro (also genau die Höhe des in der Studie ausbezahlten Grundeinkommens).

Das heißt, alle Teilnehmer*innen die 2.400 Euro netto und mehr verdienen, erhalten kein zusätzliches Geld mehr. Damit wollen wir die Frage beantworten, ob sich eine negative Einkommensteuer als Finanzierungsmodell für ein Grundeinkommen eignen könnte.

Wie haben Sie die Teilnehmer*innen der Studie ausgewählt?

Am liebsten hätten wir eine Studie durchgeführt, die für alle Personengruppen in Deutschland repräsentativ ist. Bei einer Studie dieser Größenordnung ist dies leider nicht möglich. Wir mussten uns daher auf eine Gruppe von Menschen einschränken, die am besten dazu geeignet ist, unsere Fragen bezüglich der Wirkung von Grundeinkommen zu beantworten. Die Auswahlkriterien orientierten sich also am größtmöglichen Erkenntnisinteresse für die Forschung. Für die Vergleichbarkeit haben wir uns auf Ein-Personen-Haushalte beschränkt, die Altersgruppe liegt zwischen 21 und 40 Jahren und die Teilnehmer*innen stammen aus der Mittelschicht. Das Auswahlverfahren erfolgte über einen mehrstufigen Bewerbungsprozess, bei dem letztlich der Zufall darüber entschieden hat, wer in der Grundeinkommensgruppe und wer in der Vergleichsgruppe ohne Grundeinkommen landet.

Wann, denken Sie, wird das BGE einen so großen Zuspruch erhalten, um es durchzusetzen und was für Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden?

Darüber können wir nur spekulieren. In letzter Zeit und gerade auch im Zuge der Corona-Pandemie ist das Grundeinkommen zunehmend in den Fokus der öffentlichen gesellschaftlichen Debatte gerückt.

Letztes Jahr gab es zwei große Petitionen für die (zeitweise) Einführung eines Grundeinkommens, die wir als Verein unterstützt haben. Tonia Merz hat mit ihrer Petition auf change.org mittlerweise fast 500.000 Unterschriften gesammelt. Suanne Wiests Petition war die größte, die jemals online im Bundestag eingereicht wurde.

Mehr und mehr Parteien oder zumindest Interessensgruppen innerhalb verschiedener Parteien sprechen sich für ein Grundeinkommen aus. Die Linke hat erst kürzlich das BGE in ihr Parteiprogramm aufgenommen, bei den Grünen steht es immerhin als Leitidee im Grundsatzprogramm. Kaum ein*e Politiker*in kommt mehr darum herum, sich irgendwie zu diesem Thema zu positionieren. Das sind Entwicklungen, die uns Hoffnung machen.

Als Rahmenbedingungen sind natürlich umfassende Reformen notwendig, neben der Steuer müssten wir uns auch Gedanken darüber machen, wie mit den Sozialversichungsbeiträgen umgegangen werden soll, wie zum Beispiel auch Rentenansprüche zukünftig mit dem Grundeinkommen verrechnet werden könnten usw. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, wie ein Grundeinkommen aussehen könnte, das nicht gleich europaweit eingeführt würde.

Innerhalb der EU herrscht ja Freizügigkeit. Das würde ein Grundeinkommen, das z. B. nur in Deutschland eingeführt werden würde, vor die Herausforderung stellen, wer eigentlich anspruchsberechtigt ist, was das für die Binnenmigration bedeutet und wie und ob Leistungsansprüche, die in anderen EU-Staaten erworben wurden, gegebenenfalls mit dem Grundeinkommen verrechnet werden können.

Es gibt aber natürlich auch die Möglichkeit, gleich an einem europaweiten Grundeinkommen zu arbeiten. Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) Bedingungsloses Grundeinkommen sammelt gerade online Unterschriften, um das Europaparlament und die EU-Kommission dazu aufzufordern, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ein europaweites Grundeinkommen in den einzelnen Mitgliedstaaten aussehen könnte.

Da stellt sich mir zum Schluss die Frage: Warum gibt es dann noch kein bedingungsloses Grundeinkommen? – bei den gerade genannten Vorteilen

Vielleicht liegt es daran, dass die Hoffnung, die gerade schon besprochen wurde, der Angst und der Ungewissheit unterliegt, wie die Menschen mit dem Geld umgehen.

Man kann so lange darüber philosophieren und Gedankenspiele durchgehen, um zu schauen, was passiert. Schlussendlich muss man es anpacken und austesten, deswegen ist das Projekt so wichtig, um das Ungewisse noch zu klären und zu schauen, ob sich die Hoffnungen oder die Ängste bewahrheiten.

Im zweiten Teil des Interviews wird es dann um konkrete Ideen der Politik gehen und die Argumente der Kritiker.

Heute schon geträumt? – Interessante Einblicke nach einem Interview mit Michael Schredl

person seated on grass

Vielleicht kennt ihr das auch. In manchen Nächten träumt man die verrücktesten Dinge, in anderen gar nicht, an manche erinnert man sich, andere bleiben nur als „Gefühl“ zurück. Oder es gibt Menschen in eurem Umkreis, welche jeden Tag etwas träumen.

Das hat mich in der letzten Zeit immer mehr interessiert. Aus diesem Grund führte ich ein Interview mit Michael Schredl, der im Mannheimer Schlaflabor arbeitet und dort verschiedenste Studien begleitet. Oftmals sind das Fragebogenstudien oder Schlaflaborstudien, dabei werden die Probanden im Schlaflabor direkt geweckt und befragt. Anschließend werden die Träume nach verschiedenen Aspekten, z. B. Bizarrheit, analysiert. Vorrangig untersucht er, was die Träumen mit dem Wachleben zu tun haben.

Vor kurzem hat das Team beispielsweise untersucht, ob Hundebesitzer öfter von Hunden träumen als Nicht-Hundebesitzer. Diese Annahme hat sich auch bestätigt, was sie aber überrascht hat, war die Tatsache, dass Personen, die als Kind negative Erfahrungen mit Hunden gemacht haben, immer noch negativ von Hunden träumen.

Diesem Experten konnte ich nun all meine Fragen stellen.

Zu Beginn habe ich ihn gefragt, wie entschieden wird, was man träumt und was im Gehirn dabei von statten geht?“

Die aktuelle Befundlage zeigt: Man träumt über Dinge, die man am Tag erlebt hat, vor allem emotionale, und die einen interessieren. Warum ist das so? Weil die Erlebnisse im Gedächtnis abgespeichert werden und der Schlaf bei der Gedächtnisspeicherung eine wichtige Rolle spielt. Herr Schredl meinte aber auch, dass „es die Forscher auch etwas verwirrt, weil man nicht 1 zu 1 von den Sachen träumt, die man erlebt.“ Also, ganz so einfach mit dem Abspeichern geht es nicht.

Viele Menschen und Forscher gehen davon aus, dass man beim Träumen übt, mit neuen Situationen besser zurechtzukommen, also deshalb Träumen so wichtig ist.

Aber was passiert nun im Gehirn beim Träumen?

Auf diese Frage hatte Michael Schredl auch keine genaue Antwort, weil es schwierig ist, die Hirnaktivität im Schlaf zu untersuchen. Es gibt aber die Annahme, die besagt, dass das ganze Hirn im Traum aktiv ist. Zum Beispiel ist das Sprachzentrum aktiv, wenn man im Traum spricht. So geht man davon aus, dass fast das ganze Gehirn an der Entstehung der Traumwelt beteiligt ist.

Nun wollte ich natürlich gern wissen, warum man sich nur an manche Träume erinnert?

Seine Antwort hat mich sehr überrascht: man geht davon aus, dass man immer träumt. Ob man sich nach dem Aufwachen daran erinnern kann, hängt aber von vielen Faktoren ab. Der wichtigste Aspekt ist, dass das Gehirn ein biologisches Organ ist, welches einige Zeit braucht, bis es vom Schlafmodus auf den Wachmodus umschaltet (bis zu 15 Minuten). In dieser Phase gehen Träume besonders leicht verloren.

So erinnert man sich auch eher an Träume, die emotional intensiv sind, wie zum Beispiel Alpträume.  Man kann seine Traumerinnerung aber verbessern, indem man sich nach dem Aufwachen die Zeit nimmt und darüber nachdenkt, ob man etwas geträumt hat.

Ihr habt vielleicht schonmal was vom Klartraum gehört oder im englischen lucid dreaming. In diesen Klarträumen weiß man während des Träumens, dass man träumt, und kann die Träume beeinflussen und steuern. Man kann die Fähigkeit erlernen oder man besitzt ein Naturtalent, um Träume zu steuern. Der Großteil der Menschen muss sich diese Fähigkeit durch viel Training aneignen. Für Herrn Schredl war das ebenfalls nicht sehr leicht. Er hat 3 Monate lang Realitätschecks durchgeführt. Das bedeutet, er hat sich 5 bis 10 Mal am Tag die Frage gestellt: „Träume ich oder bin ich wach“? Anschließend hat er um sich herumgeschaut, um festzustellen, dass alles der Gesetzmäßigkeit der Wachrealität entspricht. Wenn man diese Übung lange und konstant durchführt, fängt man auch im Traum an, sich diese Frage zu stellen. Irgendwann fällt einem im Traum dann auf, dass man sich nicht in der Wachrealität befindet. Dass etwas nicht stimmt, erkannte Herr Schredl zum Beispiel daran, dass er durch bloßes Konzentrieren weiterspringen konnte, als es im Wachleben möglich gewesen wäre.

Oftmals werden Klarträume auch im Sport genutzt. So hat Herr Schredl eine Studie zum Dartwerfen durchgeführt. Sie haben herausgefunden, dass man Bewegungsabläufe im Traum perfektionieren kann, aber kein neues Wissen erlangen kann. Diese Methode wird im Spot auch im Wachen angewendet, es heißt dann mentales Training. Doch im Schlaf zu üben, ist natürlich noch spannender.

Interessiert hat mich zum Thema Träumen auch, wie lange so ein Traum dauert und inwiefern es Unterschiede hinsichtlich des Geschlechtes und des Alters gibt.

Zu der ersten Frage hat er eine interessante Antwort. Im Gegensatz zu vielen Filmen, wo die Traumwelt schneller ist, läuft ein Traum in der Realität in Echtzeit ab. Aber im Traum gibt es viele Schnitte. So erlebt man beispielsweise den Weg zur Schule: Man träumt nicht jeden einzelnen Schritt, sondern die Passage, wie man aus dem Haus geht, dann wieder ein Stück, wie man Straßenbahn fährt, und dann zum Beispiel, wie man seine Freude auf dem Hof begegnet, das aber jeweils in Echtzeit. Insgesamt erhält man dann den Eindruck, dass viel passiert. Es gibt niemanden, der träumt, zwei Stunden im Wartezimmer einer Arztpraxis zu sitzen.

Betrachtet man das Geschlecht und das Alter, dann spielen jeweils die Interessen eine große Rolle. So träumen Kinder öfter von Tieren als Erwachsene, weil sie einen stärkeren Bezug zu diesen haben. Männer träumen im Vergleich zu Frauen mehr von Sexualität, da sie sich tagsüber mehr Gedanken dazu machen.

Ich hoffe durch diesen kleinen Einblick habe ich etwas Interesse in den einen oder anderen Geweckt vielleicht sich mehr mit diesem viel Schichtigen Thema zu befassen oder sogar lucid dreaming aus zu probieren. Ich habe auf jeden Fall Lust bekommen, meine Träume ein wenig selbst zu gestalten.

Kunst und Körper

Hallo, du schöner Mensch!

Die Präsentation der künstlerischen Werkstätten des 13er Jahrgangs findet diese Mal durch die Pandemie bedingt online in Form eines Blogs statt. Vielleicht aber auch ein schöner Weg, die Kunstwerke in aller Ruhe und jederzeit betrachten zu können…

Wir sind sehr stolz auf die Kreativität, die Ausdauer und den Mut unserer Künstler*innen und ihre intensive Auseinandersetzung mit politischen, feministischen, kunstimmanenten und vor allem menschlichen Themen!

Es geht auch um dich, du schöner Mensch!
Schau doch mal rein auf unserer Homepage, ganz unten bei den Projekten:
https://www.kurt-schwitters.schule

Oder direkt hier:
https://sway.office.com/MPgHojDrj3PfYUZi?ref=Link

Der Kunstfachbereich der Kurt-Schwitters-Schule

“Antirassismus geht uns alle an”| Interview mit Filiz Polat

Filiz Polat – Mitglied des Bundestags

Filiz Polat ist Abgeordnete des Deutschen Bundestags für die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Sie kommt aus Niedersachsen und vertritt ihre Fraktion im Bundestagsausschuss für Inneres und Heimat und stellvertretend im Ausschuss für Menschenrechte. Sie ist studierte Volkswirtin und Sprecherin der grünen Fraktion für Migration und Integration.

qurt.news: Was schlagen Sie vor, um Antirassismus in Schule und Alltag prominenter zu machen?

Filiz Polat: Antirassismus geht uns alle an, trifft aber nicht jeden gleichermaßen. Es ist ganz wichtig, dass das jede und jeder von uns als Leitsatz verinnerlicht und das wir uns alle unserer Privilegien bewusst sind. Das gilt, gerade wenn wir nicht zu einer Minderheit gehören die von Rassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus betroffen ist. Zu einer konsequenten antirassistischen Politik gehört einerseits, Menschen, die diskriminiert werden, zu schützen. Das ist Aufgabe des Staates und der Zivilgesellschaft. Auf der anderen Seite bedeutet es, zu erkennen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft schon lange tief verwurzelt ist und es dadurch für viele Menschen Benachteiligungen gibt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ein Beispiel: über Jahrzehnte wurden Männer, die Männer geliebt haben, oder Frauen, die Frauen geliebt haben, strafrechtlich verfolgt. In Deutschland war das bis weit ins 20. Jahrhundert hinein so und das hat natürlich zu Nachteilen geführt, auch am Arbeitsmarkt.. Es gibt einfach strukturelle Benachteiligungen und die gilt es auszugleichen. Das bedeutet Platz zu machen, damit die Vielfalt in unserer Gesellschaft auch in den Führungsetagen sichtbar wird. Ein ganz wichtiger Baustein ist die Schule. Hier gilt es das alles zu thematisieren und vor allem mehr über Rassismus und die dahinter stehenden Strukturen zu lernen. Ein Beispiel ist der Kolonialismus, der bis heute wirkt. Gleichzeitig geht es darum, Vielfalt sichtbar zu machen. Unsere Schulbücher sind doch sehr weiß und zeigen nicht die Realität, wie unsere Schülerschaft zusammengesetzt ist oder wie bunt mittlerweile Familien sind.

qurt.news: Frau Polat, wir führen in Deutschland ja nicht zum ersten Mal eine öffentliche Debatte über Rassismus in der Gesellschaft. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Qualität dieser Debatte verändert?

Filiz Polat: Das ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist doch eine andere Qualität, weil wir jetzt wirklich auch über Rassismus reden und nicht nur über Rechtsextremismus. Früher lag der Fokus sehr stark auf Rechtsextremismus und damit einhergehender Gewalt. Heute sprechen wir auch durch die Black-Lives-Matter-Bewegung mehr über das Thema Rassismus, was Rassismus heißt, in all seinen Facetten und wie dieser in unseren Institutionen und unserer Gesellschaft strukturell verankert ist. Viele Menschen fangen an sich dabei selbst zu reflektieren und über ihre Privilegien nachzudenken. Natürlich nicht alle, denn wenn ich selbst von Rassismus nicht betroffen bin und es mir gut geht, zumindest was das Thema anbetrifft, warum soll ich mich damit auseinandersetzen? Das ist erstmal der bequemere Weg, doch mittlerweile fängt zumindest ein großer Teil der Bevölkerung an, darüber nachzudenken: Wie geht es Menschen in Deutschland, wenn sie von Rassismus betroffen sind? Und was hat das mit mir zu tun? Ich glaube diese Qualität ist schon anders. Andererseits haben wir, auch durch die rechtsextreme Partei, die mittlerweile in den Parlamenten in Bund und Land sitzt, sehr krasse Debatten. Sie werden sehr emotional, sehr populistisch und mit Worten geführt, die versuchen nationalsozialistische Sprache wieder hoffähig zu machen. Damit wird  die Debatte insofern vergiftet, dass vermeintlich die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, wenn man bestimmte Wörter heute nicht benutzen sollte, wie zum Beispiel das N-Wort. Dieser Rechtspopulismus ist rassistisch und eine Gefahr für unsere Demokratie und unser Zusammenleben.

(…)

qurt.news: Es wird ja im politischen Diskurs grade wieder viel über Rassismus und Fremdenhass gesprochen. Wie kriegt man die Politik dazu, dass dort besprochene auch wirklich umzusetzen?

Filiz Polat: Wir haben jetzt auf Bundesebene gerade nach den Anschlägen in Halle und Hanau insofern Bewegung in die politische Auseinandersetzung bekommen, als das auf Druck der Zivilgesellschaft ein sogenannter Kabinettsausschuss eingerichtet wurde, wo sich verschiedene Ministerinnen und Minister zusammengesetzt haben, um ein Maßnahmenpaket gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu erarbeiten. Das ist im November verabschiedet worden und wird jetzt gerade umgesetzt. Meine Hauptkritik an diesem Maßnahmenpaket ist, dass die Bundesregierung nicht selbst reflektiert, wo in den eigenen Strukturen Rassismus zu bekämpfen ist. Eine wichtige Forderung von Menschen, die Diskriminierung erfahren, ist zuzugeben, dass auch der Staat diskriminiert. Schwarze Menschen berichten vom sogenannten racial profiling. Wenn man Schwarze Menschen in Deutschland trifft,  sagen sie: „Es gibt keine Woche, wo ich nicht einmal am Bahnhof von der Polizei kontrolliert werde“. Jede*r, der*die nicht schwarz ist, kann hingegen an einer Hand abzählen, wie oft er*sie in einem Jahr anlasslos von der Polizei kontrolliert wird. Es muss den Staat interessieren, die entsprechenden Ursachen zu eruieren. Das ist ja kein Zufall, was steckt dahinter? Und dem verweigert sich die Bundesregierung auch mit diesem Maßnahmenpaket. Was mir besonders wichtig ist: Wir haben ja einen Diskriminierungsschutz in Deutschland, verankert im Grundgesetz in Artikel 3. Ausdruck findet dieser im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Wenn ich diskriminiert werde, dann kann ich das zivilrechtlich geltend machen. Dieses Antidiskriminierungsgesetz ist bis heute viel zu schwach, weil es zum Beispiel staatliche Diskriminierung nicht beinhaltet. Das müsste man dringend ändern, auch aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen Deutschlands. Dem ist aber die Bundesregierung genauso wenig nachgekommen, das heißt überall, wo es um wirklich wichtige gesetzliche Maßnahmen für einen stärkeren Diskriminierungsschutz geht, bleibt die Bundesregierung tatenlos. Immerhin macht sie jetzt einen großen Schritt in Richtung Forschung. Wir haben sehr wenig Daten darüber, wie Rassismus wirkt und wie er historisch bedingt ist. Da investiert die Bundesregierung ein wenig Geld, um hier die Datenlage zu verbessern. Das ist gut.

(…)

qurt.news: Angesichts des wieder aufflammenden Konflikts im Nahen Osten kam es in den vergangenen Wochen zu antisemitischen Aussagen und Taten im Rahmen pro-palästinischer Demonstrationen. Was kann die Politik und was können wir als Schüler*innen machen, um dem entgegenzuwirken?

Filiz Polat: Der Antisemitismus in Deutschland hat viele Gesichter. Er drückt sich in verschiedenen Formen aus, ganz wichtig ist, dass man sich als Schüler*in mit Antisemitismus und den Formen von Antisemitismus auseinandersetzt. Natürlich auch wenn es darum geht, die außenpolitische Dimension, hier den Nahostkonflikt, im Unterricht zu thematisieren. Es ist wichtig, dass man die Mechanismen lernt und den  Unterschied erkennt zwischen Israel-Kritik und ganz klassischem Antisemitismus. Wenn zum Beispiel die doppelte-Schuld-Frage eine Rolle spielt, also das “das was den Juden angetan wurde, jetzt die Juden mit den Palästinensern antun”, dann ist das Antisemitismus. Es ist wichtig, dass man das Schüler*innen aber auch Erwachsenen beibringt. Gerade wenn man in der Schülerschaft junge Menschen hat, die neu zugewandert sind aus einem Land, in dem ein ganz anderer historischer Hintergrund das Gespräch über die Shoah (Holocaust) bestimmt. Es wichtig, die verschiedenen Perspektiven einfließen zu lassen und auch vielleicht mal forsch zu diskutieren. Erklärungen helfen bei der Einordnung und wenn folglich antisemitische Sätze fallen, müssen diese ganz klar verurteilt werden.

(…)

qurt.news: Haben Sie konkrete Tipps, wie wir als überwiegend weiße Jugendliche bessere Verbündete im Kampf gegen Rassismus werden können?

Filiz Polat: Im Grunde geht es darum, Allianzen zu bilden. Rassismus und Sexismus sind oft zwei Seiten einer Medaille. Wenn man Feministin ist, dann ist es wichtig, dass Männer sich selbst reflektieren und an der Seite von Frauen stehen. Das kann man zum Beispiel bei den Debatten, dass Frauen abends oftmals Angst haben, alleine nach Hause zu gehen. Ein erster Schritt wäre, dass Männer sich mal Gedanken machen sollen, warum das so ist. Und sich auch mit Frauen darüber austauschen, was das bedeutet, mit diesem Grundgefühl aufzuwachsen und das schon als selbstverständlich anzusehen. Deswegen ist es wichtig zu schauen, dass man überall, wo es um Diskriminierung geht, Allianzen schmiedet und im Gespräch bleibt. Das gilt gerade für die Menschen, die in dem Fall nicht von dieser Diskriminierung betroffen sind. Ich persönlich setze mich jetzt zum Beispiel sehr intensiv mit Inklusion von Menschen mit Behinderung auseinander. Was kann ich tun, um inklusiver zu denken und zu handeln? Man kann sich nicht ständig damit beschäftigen, aber man kann sich das für sich selbst vornehmen oder eben gemeinsam mit Freund*innen Verbündete suchen. Und das in seinem eigenen Umfeld oder an der eigenen Schule thematisieren. Es ist für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, bestärkend, wenn nicht nur sie selbst die Themen ansprechen. Wenn ich jetzt als eine Frau mit türkischen Wurzeln in der Klasse angefeindet werde, möchte ich das nicht thematisieren müssen, sondern ich freue mich, wenn das meine Klassenkameradin anspricht.

qurt.news: Wie können junge Menschen politisch aktiv werden? Wie kann man auch wirklich was erreichen? Das Wahlrecht bekommen wir ja erst ab 18 und jugendpolitische Bewegungen wie „Fridays for Future“ werden meist belächelt.

Filiz Polat: Ich bin natürlich auch für die Absenkung des Wahlalters. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das wirkungslos ist, was diese Generation schon erreicht hat. Ich selber habe ja auch angefangen politisch aktiv zu werden, noch bevor ich volljährig geworden bin. Mich hat motiviert, zu sehen, dass das, was ich angesprochen habe gehört wird und umgesetzt wird. Manchmal dauert es zwar länger und manchmal ist es wirklich ein Bohren dicker Bretter. Gerade als junger Mensch ist man oft ungeduldig, man will schnell was erreichen und das ist auch gut so. Und wenn man sich zusammenschließt, kann man auch richtig was erreichen, Greta Thunberg ist hierfür nur eines von vielen Beispielen. Wichtig ist, sich ein konkretes Projekt vorzunehmen. Nehmen wir das von mir angesprochene Beispiel Schule und Menschen mit Behinderung. Wie kann eine Schule inklusiv aussehen? Was sind die wichtigsten Sachen, die man vielleicht sogar ganz schnell umsetzen kann und was dauert vielleicht etwas länger? Oder eben beim Thema Rassismus. Da kann man sich eine Woche auszusuchen und eine Projektwoche veranstalten und dann dieses Thema auch mit Menschen von außen bearbeiten. Schule soll ja auch ein Raum sein, der offen ist und Reflektion von außen einholt. Spannend wäre auch, ein Schulbuch komplett umzugestalten. Wie kann eigentlich ein Schulbuch im 21. Jahrhundert aussehen? Wie kann es die Gesellschaft in seiner Realität der spiegeln? Jede*r kann was dazu beitragen, jede*r kann aktiv werden.

qurt.news: Was machen die Grünen, um Diskriminierung jeder Art in der Gesellschaft einzuschränken? Gibt es konkrete Ziele?

Filiz Polat: Wir haben drei zentrale Säulen, wie wir auf strukturellen Rassismus strukturelle Antworten geben. Wir wollen ein scharfes Schwert im Kampf gegen Diskriminierung und deswegen fordern wir ein Bundesantidiskriminierungsgesetz, was keine Ausnahmetatbestände, wie im aktuellen Gesetz vorgesehen, zulässt. Zum anderen ist es beim Diskriminierungsschutz im Moment so, dass man nur gegen private Diskriminierung vorgehen kann, aber nicht, wenn der Staat, also Behörden, diskriminierend handeln. Das ist eine der wesentlichen Änderungen, die wir fordern. Wichtig dabei ist auch, dass man in ganz Deutschland ein Netzwerk von Beratungsstellen hat. Die meisten Menschen wissen nicht, wann sie und wie sie Antidiskriminierung geltend machen können, deshalb sind Ansprechpartner*innen vor Ort besonders wichtig. Damit kommen wir schon zur Zivilgesellschaft. Sie ist ein ganz, ganz wichtiger Partner für den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, aber auch für großflächige politische Bildung. Um die Zivilgesellschaft zu stärken, fordern wir ein Demokratiefördergesetz, das heißt, dass man sich nicht von einem Jahr zum nächsten um Projektgelder bewerben muss und sich von Projekt zu Projekt hangelt, sondern dass man wirklich strukturell gefördert wird und verlässliche Strukturen schafft. Der dritte große Baustein sind Repräsentation und Teilhabe. Dafür wollen wir erstmalig ein Gesetz auf den Weg bringen, welches positive Fördermaßnahmen für Menschen, die strukturell benachteiligt werden, ermöglicht. Denn eine chancengerechte Gesellschaft gestalten wir nur, wenn alle gleichberechtigt am Tisch sitzen können.

qurt.news: Vielen Dank.

 

Das Gespräch führte Paula Moritz.

 

Heile Welt?

Ein Jahr nach der Ermordung George Floyds blicke ich zurück auf das was war und das was ist.

Es grassiert eine Krankheit. Eine Krankheit, die die ganze Welt in Atem hält. Corona ist präsent und hat mehr oder weniger starke Auswirkungen auf jeden von uns.

Doch es grassiert noch eine andere Krankheit und das schon über Jahrhunderte, eine Einstellung, die Menschen das Leben kostet. Es ist der Rassismus. Er ist genauso aktuell wie Corona und hat ebenfalls seine Opfer zu verzeichnen.

Vor einem Jahr (Mai 2020):

Ich sitze  zu Hause, die Empfehlungen des social-distancing im Hinterkopf. Ich habe mir eine Blase erschaffen, die zunächst noch heil ist. Eine kleine heile Welt, hier bei mir zu Hause. Ich öffne Instagram und sehe, wie Sänger von zu Hause musizieren, Stars ihre Haustiere in die Linse halten oder meditieren, um sich selbst zu finden und wie Livestreams tausendfach geklickt werden. Ich sehe TikToks, Corona – Memes, Diskussionen über Schönheitsoperationen, Fan-Accounts, die für ihre liebsten Stars aufwendigste Edits posten, einen Oliver Pocher, der sich über „Influencer“ aufregt und mittendrin in dem Meer aus Videos, Fotos und Livestreams – ein Video.

Ein Video datiert auf den 25. Mai 2020. Ein Video, das einen US-Amerikanischen Polizisten in Minneapolis (USA) zeigt, der einen schwarzen, unbewaffneten Mann mit seinem Knie auf den Boden drückt. Das Knie des Polizisten ruht im Nacken des Mannes, der unter ihm keucht und nach Luft ringt. „Please, please I can’t breathe. My stomach hurts. My neck hurts. Everything hurts. They’re going to kill me“[Bitte, Bitte, ich kann nicht atmen. Mein Bauch tut weh. Mein Nacken tut weh. Alles tut weh. Sie werden mich töten]. Passanten versuchen mit den Polizisten zu diskutieren. Sie machen darauf aufmerksam, dass die Nase des Mannes blutet.

Der Polizist bewegt sich aber nicht von der Stelle, er scheint  sich seinem Vorgehen sehr bewusst zu sein. „He can’t move. He stops breathing“ [Er kann sich nicht bewegen. Er hört auf zu Atmen]. Drei weitere Polizisten sehen zu und unternehmen nichts. Der schwarze Mann wimmert und wiederholt immer wieder: “I can’t breath, I can’t breath“ [Ich kann nicht atmen. Ich kann nicht atmen]. Einer der Passanten ruft „He is enyoing this“ und wirft damit dem Officer vor, er genieße es George Floyd die Luft abzuschneiden. Und immer noch stehen die Kollegen des Polizisten daneben und tun nichts. Irgendwann verliert der Mann das Bewusstsein.

Der Name des Mannes ist George Floyd, war George Floyd. Nachdem der Officer ihm ungefähr 8 Minuten die Luft abgedrückt hat, verliert er das Bewusstsein und erlangt es später auch nicht wieder. George Floyd ist tot.

Portrait George Floyds im Berliner Mauerpark (Creative Common)

Ich tauche tiefer ein und gehe auf den Hashtag #justiceforgeorgefloyd; es taucht ein weiteres Video auf. Zu sehen sind wütende Menschen, die vor dem Haus des Polizisten stehen. „Justice for George Floyd“ [Gerechtigkeit für George Floyd], wird gerufen. Die Frau hinter der Kamera läuft an einer Reihe von 75 Polizisten vorbei, die zum Schutz dieses einen Polizisten eine Mauer vor seinem Haus gebildet haben. Dabei sagt sie an den Zuschauer gerichtet: “Look how f****** many people are protecting this killers house“. Die Menschen sind wütend. Sie sind nicht mehr länger still. Sie machen ihrem Ärger Luft.

Ein weiteres Video taucht auf. Eine schwarze Frau, die mit wutverzehrtem Gesicht erklärt, dass sie es satt hat, friedlich zu sein. Sie hat zwei Brüder durch Polizeigewalt verloren. Ich klicke auf den nächsten Beitrag und sehe einen schwarzen Jungen, der über seine Verzweiflung singt. „I just want to live“, singt er. Ein anderer  rappt über das Leben als schwarzer Mann in den USA. Und es geht endlos so weiter. Mitleidsbekundungen, wütende Ansprachen, Beiträge mit der Bildunterschrift „Black Lives Matter“, pragmatische Hinweise zum Unterzeichnen von Petitionen und immer so weiter.

Das Internet ist in Aufruhr. Je weiter ich scrolle, desto mehr verabschiedet sich die heile Welt der Blase, die ich mir aufgebaut habe. Die Realität hat das Ruder wieder in die Hand genommen.

 

Racism is not getting worse, it’s getting filmed –Will Smith

[Rassismus wird nicht schlimmer, es wird gefilmt]

 

Heute (Mai 2021):

Heute jährt sich der Todestag von George Floyd. Seit diesem Tag ist viel passiert. George Floyds Tod war der Auslöser weltweiter Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dabei kam es sogar teilweise zu Ausschreitungen. Es war als würden die Menschen endlich wachgerüttelt und für ein Thema sensibilisiert werden, dass schon seit Jahrhunderten ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft darstellt.

Viele Menschen, die mit der Thematik Rassismus und Polizeigewalt wenig zu tun hatten, weil sie selbst davon nicht betroffen sind, waren gezwungen zuzuhören.

BLM-Protest in Paris, Juni 2020
(Thomas de Luze via Unsplash)

Das „Black Lives Matter“- Movement, welches ursprünglich im Jahr 2013 begann, bekam im Zuge dieses Vorfalls eine vorher noch nie so groß gewesene Aufmerksamkeit. Der Zuwachs war enorm. Es tauchten immer mehr Videos von ähnlichen Gewalttaten auf und immer mehr Menschen teilten ihre Erfahrungen, weil ihnen endlich zugehört wurde. Man sollte die Namen der Opfer  nennen und nie vergessen. Das war eine der vielen Botschaften die, diese Menschen verbreiteten. 

Aber was hat sich im Fall George Floyd getan und wie sieht es heute mit dem „Black Lives Matter“-Movement aus?

Im Fall George Floyd kam es nach hohem gesellschaftlichen und medialen Druck im April 2021 zu einem Schuldspruch des Ex-Polizisten Derek Chauvin (dem Mörder von George Floyd). Allgemein ist ein solches Urteil bei Fällen von Polizeigewalt aber leider eher selten. Das Strafmaß ist bis heute noch nicht bekannt und wird voraussichtlich am 16. Juni verkündet. Den drei ebenfalls anwesenden Polizisten soll 2022 wegen Beihilfe der Prozess gemacht werden.

Des Weiteren wurden die Angehörigen von George Floyd von dem neuen US- Präsident Joe Biden ins Oval Office eingeladen. Mit dieser Geste grenzt sich dieser klar von seinem Vorgänger Donald Trump ab. Außerdem  wird zurzeit über ein nach George Floyd benanntes Polizeireform-Gesetzt in den USA verhandelt. Dieses Gesetz würde unter anderem eingeschränkte Immunität von Polizisten und eine nationale Datenbank für polizeiliches Fehlverhalten beinhalten. Für die endgültige Verabschiedung dieses Gesetzes werden aber sowohl Stimmen der Demokraten als auch der Republikaner benötigt.

Das „Black Lives Matter“- Movement hat zwar durch den Vorfall unglaublich viel Aufmerksamkeit,  Anerkennung und Zuspruch erhalten. Trotzdem ist diese Aufmerksamkeit und „Wokeness“ mit der Zeit wieder weniger geworden. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Die meisten Menschen sind schon längst wieder in ihrem gewohnten Lebensablauf zurückgekehrt. Der  damals herrschenden „Ausnahmezustand“ ist vorbei. Der „erste Schock“ wurde sozusagen „überwunden“. Es gibt keine Massenproteste mehr und andere politische Themen sind in der Vordergrund gerückt.

Außerdem bekam die Bewegung vor einem Jahr vor allem auch einen großen Zuwachs an jungen weißen Menschen. Diese werden aber mittlerweile nicht mehr täglich mit der Thematik Rassismus konfrontiert, da sie ihn nicht Tag für Tag erleben müssen. Und da die große Medienwelle zu diesem Thema vorbei oder zumindest kleiner geworden ist, hat sich bei vielen Menschen der Fokus verschoben. Zu dem kommt, dass die Bewegung durch konservative, rassistische Propaganda teilweise in ein schlechtes Licht gerückt wurde.

Klar ist auf jeden Fall, dass der Tod von George Floyd ein Moment war, der viele Steine ins Rollen gebracht hat. Und das weltweit. Klar ist aber auch, dass das Problem Rassismus heute immer noch so aktuell wie vor einem Jahr ist.

Literaturwettstreit 2021

Viele Veranstaltungen mussten in diesem Schuljahr abgesagt werden, aber der Literaturwettstreit konnte stattfinden. Das verdanken wir den Schülerinnen Johanna, Mia und Johanna aus Jahrgang 12: Mit großer Begeisterung und enormen Engagement hat das Team selbstständig über mehrere Monate die gesamte Planung, Organisation und Durchführung geleistet. Dabei ist ihnen nicht nur gelungen, das gesamte Projekt in ein Online-Format zu überführen, sie haben auch eine besonders gelungene Preisverleihung ausgerichtet.

Eine große Zahl an bemerkenswerten Beiträgen hat die Jury, die in diesem Jahr von einem ehemaligen Schüler, Mario Salazar, beraten wurde, vor eine schwere Wahl gestellt.

Vielen Dank allen Teilnehmer*innen!
Die Gewinnerinnen des Literaturwettstreites 2021 sind
Frederike, Ola, Paula und Karla
LitWet

Großer Dank an die Jurorinnen, Marlene, Cora, Laura, Marie und Johanna, die sich intensiv mit allen Beiträgen auseinandergesetzt haben!

Dank auch den zahlreichen Buchpreisespenden von der Buchhandlung

Uslar & Rai, der Buchhandlung am Bayrischen Platz, der Buchhandlung Paul & Paula und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Literaturwettstreit 2021 – Beiträge

Wunderbare, nachdenkliche, bewegende, philosophische, humorvolle…. Texte wurden beim Literaturwettstreit 2021 eingereicht. Der Jury fiel die Wahl der Gewinnertexte nicht leicht. Hier einige der Beiträge:

Ein perfekter Sommer?

Der Sommer dachte eines sonnig warmen Sommertages: „Es ist nicht in Ordnung. Ich habe keine Lust mehr eine Selbstverständlichkeit zu sein. Alle haben sie ihre Erwartungen an mich und jeder wünscht sich etwas Anderes von mir. Und in allem soll ich das Beste geben. Dem Menschen die Erfüllung aller Wünsche, die sie mit einem perfektem Sommer verbinden. Der Natur, den Pflanzen und Tieren das ideale Wetter, damit das Wachsen und Reifen in perfekten Bahnen geht und seinen Lauf nimmt.! Perfekt! Immer nur perfekt soll ich sein. Nie, ja, nie darf ich in irgendeiner Weise Schwäche zeigen, so wie es meinen geschätzten Kollegen dem Frühling, dem Herbst und dem Winter gestattet ist. Ihre kleinen Unzulänglichkeiten gelten als charmant und akzeptabel. Gönne ich mir aber eine Abweichung im Ablauf der Tage, so wird geschimpft, gezetert, geflucht und verdammt. Und recht machen kann ich es niemandem. Geschimpft und geklagt wird immer.

Ach, wer um alles in der Welt hat je bestimmt, dass ich perfekt sein soll??? Perfekt! Wie ich dieses Wort hasse!!!!“

Jedem den er traf warf der Sommer in diesem Jahr seine Worte zu: seinen Jahreszeitenkollegen, den Wettergeistern, der Sonne, den Wolken und den Regenbogen, den Tieren und auch einigen jener Menschen, die sich noch darauf verstanden der Natur zu lauschen. Keiner aber wusste eine Antwort auf seine Klagen. Wie auch? Ein Sommer, mit kleinen oder großen Fehlern, war eben kein richtiger Sommer. Und eines besonders heißen Tages verließ der Sommer still und auch leise die große Bühne. Eigentlich hätte es ein besonders perfekter Tag werden sollen. Der Sommer……

Prokrastination

5h

Die Uhr tickt ich habe noch 5 Stunden. Was mach ich damit. 5 Stunden sind so lang. Es sind 300 Minuten und so viele Möglichkeiten. So viele Dinge, die ich tun könnte. Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Also sitze ich da und denke nach. Ich frage mich wer ich mal sein werde. Und dann überfällt mich die schreckliche Erkenntnis, dass ich nicht einmal weiß wer ich im Hier und Jetzt bin. Wer bin ich ohne die Einflüsse meiner Umwelt? Wäre ich genauso wie ich jetzt bin, wenn mein Umfeld anders wäre? Ganz bestimmt nicht. Zu viele Fragen und zu wenig Antworten. Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich eigentlich nichts weiß. Leider hat noch niemand die eine Formel der Lösung geschrieben. Niemand kennt alle Antworten und jeder von uns versucht für sich seine eigenen zu finden. So wie ich jetzt gerade…

4h

Die Uhr tickt ich habe noch 4 Stunden. Was mach ich damit. 4 Stunden sind so lang. Es sind 240 Minuten und so viele Möglichkeiten. Ich schenke mir ein Glas Wasser ein und stelle es auf meinen Tisch nur um es zwei Minuten später durch eine ungeschickte Hangbewegung umzuschmeißen. Und anstatt mich um die Sauerei zu kümmern. Sehe ich zu, wie die Wassertropfen nach und nach vom Tisch auf den Boden tropfen, wo sie eine kleine Pfütze bilden. Jetzt denke ich nicht. Ich starre einfach nur. Das Wasser unterliegt der Schwerkraft und das ist eine Tatsache genauso wie der Umstand das ich gerade prokrastiniere.

3h

Die Uhr tickt ich habe noch 3 Stunden. Was mach ich damit. 3 Stunden sind so lang. Es sind 180 Minuten und so viele Möglichkeiten. Ich reiße mich von dem Anblick der Wassertropfen los. Und tigere gestresst durch mein Zimmer. Stress. Ich hasse Stress. Manchmal überfällt er mich einfach plötzlich. Er überflutet mich dann und nimmt mir die klare Sicht. Im Grunde genommen stressen wir Menschen uns doch aufgrund von Strukturen, die wir selbst erschaffen haben. Manchmal ist es ganz gut, wenn man einen Schritt zurück tritt und sich das Gesamtbild anschaut. Und genau das sollte ich jetzt tun. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und schreibe eine To-Do-Liste um etwas Struktur in das Chaos in meinem Kopf zu bringen.

2h

Die Uhr tickt ich habe noch 2 Stunden. Was mach ich damit. 2 Stunden sind gar nicht mal so lang. Es sind 120 Minuten und so viel zu tun. Ich blicke auf den Berg an Aufgaben, die noch zu erledigen sind und der letzte Rest meiner Motivation wandert in den Keller. Womit fange ich an? Ich klappe meinen Laptop auf und öffne das Schreibprogramm. Der Cursor blinkt vor sich hin. Er sieht verloren aus. So wie ich jetzt gerade…

1h

Die Uhr tickt ich habe noch 1 Stunden. Was mach ich damit. 1 Stunde ist so wenig. Es sind 60 min und so viel zu tun. Eigentlich lohnt es sich ja gar nicht mehr anzufangen…

Ganz normal

Ganz normal, wie ich

Abends in den beleuchteten

Straßen Berlins entlang lief,

auf dem Weg nach Hause,

durch dunkle und weniger dunkle

Gassen, Straßen und Parks

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Aus dem Fenster schaute

In der Hoffnung, vielleicht

Doch noch Sterne zu entdecken,

die jedoch, wie jede Nacht,

verschollen blieben

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Mich einpackte mit Jacken, Schals,

Mützen und Handschuhen um in den

Kalten Jahreszeiten nicht zu frieren

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Durch die Mal hoch-

Und mal runterführenden Straßen Spazierte

Ganz meine Entscheidung, ob ich

dort hin gehen wollte oder nicht

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

In die Gelben Bahnen stieg

Mit nur einem Ziel

Ich wollte dort hin

Dort, wo man alles erreichen kann,

wenn man es nur will

Ganz normal

Digitalisierung des Gesundheitssystems – Solidarität für alle?

In der deutschen Gesellschaft vollzieht sich ein Wandel. Der Altenquotient steigt, heute ist jede zweite Person älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Das belastet den Generationenvertrag, da mehr Menschen Leistungen wie die Altersrente beanspruchen, während weniger Menschen mit ihren Beiträgen die Töpfe füllen.

Auch die digitale Revolution wird immer mehr zu einem unumgänglichen Thema. Es droht der massenhafte Verlust menschlicher Arbeitsplätze, da viele Tätigkeiten in Zukunft wohl von effizienteren Computerprogrammen und Robotern ersetzt werden.

Digitaler Arztbesuch? Das Smartphone macht’s möglich.
National Cancer Institute on Unsplash

Chance Digitale Revolution

Doch der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) und digitaler Technologien birgt auch ungemeine Chancen. Grade im Sektor der gesundheitlichen Versorgung werden Algorithmen und digitale Sprechstunden mit Ärzt*innen in den nächsten Jahren wohl unabdingbar. Einer der großen Player wird hier wohl (wie so oft) der Onlineversandriese Amazon. Im Projekt 1492 erforschen Entwickler*innen, wie sie mithilfe von medizinischen Aufnahmegeräten und Health-Tracking-Apps an die Gesundheitsdaten der Kund*innen kommen. Die erhobenen Daten sollen dann in einer Art Cloud für medizinisches Personal zugänglich gemacht und archiviert werden. Die Daten der Kund*innen würden darüber hinaus analytisch ausgewertet. Anhand der Datenanalyse könnte der Konzern dann mögliche Erkrankungen vorhersagen und prophylaktisch passende Therapien vorschlagen, bevor die Krankheit je ausbricht. Amazon verspricht sich davon wohl einen zusätzlichen Gewinn über die Vermittlung kostenpflichtiger Arzttermine. Außerdem scheint die Firma am Aufbau eines eigenen Telemedizin-Netzes interessiert zu sein. Kund*innen könnten dann bequem von zuhause eine Sprechstunde bei einer spezialisierten Person ihrer Wahl wahrnehmen.

Unabhängig von Amazon entstehen auch Unternehmen, die zu medizinischen Chips forschen. Diese unter der Haut befindlichen, millimetergroßen Datenträger könnten als eine Art Krankenkassenkarte funktionieren. Der oder die Chiptragende kann auf ihm Informationen zu Vorerkrankungen, Allergien und vorhandenen Impfungen etc. speichern. Medizinisches Personal könnte diese dann im Notfall innerhalb weniger Sekunden abrufen, ohne dass der*die Patient*in dafür bei Bewusstsein sein muss.

Effizient, Einfach und Barrierefrei?

Zuerst einmal erhöht die Digitalisierung die Effizienz des Gesundheitssystem immens. Durch die Verwendung von KI können Fälle verglichen und besser diagnostiziert und behandelt werden. Die Quote der Fehldiagnosen ist bei KI deutlich geringer. Durch die oben erklärten Chips werden Pflegekräfte rechtzeitig über Vorerkrankungen, Allergien und weitere Umstände aufgeklärt. Das minimiert den Zeitaufwand und kann im Zweifel Leben retten. Kund*innen eines Telemedizin-Anbieters können virtuell Spezialist*innen aufsuchen, was die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer und den Aufwand verringert. Grade in Zeiten der Pandemie können digitale Sprechstunden bei minderen Beschwerden das chronisch unterbesetzte Gesundheitswesen entlasten. Auch im Kampf gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen können digitale Angebote hilfreich sein. Zu beachten ist jedoch, dass nicht alle Menschen Zugang zu einer ausreichend schnellen und zuverlässigen Internetverbindung haben, um sich auch in der gesundheitlichen Versorgung vorwiegend auf sie zu verlassen. Diesen Menschen bringen digitale Sprechstunden rein gar nichts, egal wie zeit- und kostensparend sie auch sein mögen.

Armut ist ein Gesundheitsrisiko

Digitale Technologien im Gesundheitswesen retten Leben, können Hindernisse senken und die Alltagsbelastung grade für medizinische Angestellte und auch Patient*innen senken. Es ist jedoch essenziell zu beachten, dass nicht alle Menschen den gleichen Zugang zu den neuen Verbesserungen haben werden. Grade im Bonus-Malus-System, also in Programmen, die gesundheitlich förderndes Verhalten mit Boni belohnen und schädliches Verhalten direkt oder indirekt bestrafen, beispielsweise durch höhere Beiträge, können viele nicht profitieren, weil ihre Umstände es nicht erlauben. Der Fokus liegt hier auf dem Verhalten der Einzelperson, gesundheitsschädliche Umstände wie Armut und unvermeidlicher Stress werden missachtet und benachteiligte Personen werden zusätzlich geringere Boni und somit höhere Beiträge gemaßregelt. Auf lange Sicht ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich eine soziale Spaltung zwischen Wohlhabenden, die sich ein gesundes Leben leisten können und Ärmeren, die das eben nicht können, herausbildet. Es entsteht ein potenzielles Spannungsfeld. Der Fokus auf die einzelne Person wirkt auch der gesellschaftlichen Solidarität entgegen, da der Anschein erweckt wird, jede*r sei für seine*ihre Gesundheit alleine verantwortlich, was so einfach nicht stimmt. Durch den Aufstieg des Gesundheitswesens zu eines Art Erziehungsunternehmen wird den Bürger*innen zusehends durch psychologische Impulse (Nudges) vorgeschrieben, wie sie ihr Leben führen sollen. Dies geschieht natürlich nicht explizit, findet aber statt, sobald gesundheitsschädliches Verhalten in finanziellen Nachteilen (höheren Beiträgen) resultiert. Bedenklich ist für mich auch, das privatwirtschaftlichen Unternehmen wie Amazon eine solche Macht überlassen wird. Die Erhebung abertausender Patient*innendaten, macht uns für Amazon transparent und manipulierbar, da sie wissen, was uns bewegt und wie es uns geht. Es muss klar bleiben, dass Konzerne immer eher an der Steigerung ihres Gewinns als am Wohl ihrer Kund*innen interessiert sein werden. Meiner Meinung nach ist es ein erhebliches Sicherheitsrisiko Amazon die Daten ohne staatliches Mitspracherecht zu überlassen. Generell bin ich nicht der Meinung, dass ein profitorientiertes Gesundheitssystem eine gute Idee ist. Die verheerenden Folgen für die gesundheitliche Absicherung zeigt sich wohl am privaten Gesundheitssektor der USA, wo fehlende Versicherung und horrende Arztrechnungen zum Alltag Vieler gehören.

Mit Blick auf die Leitfrage lässt sich sagen, dass die digitale Neuerung im Gesundheitswesen nicht das Solidaritätsprinzip als Fokus zu haben scheint. Verhaltensbasierte Versicherungen und das Prämienmodell hebeln die bisherige Solidarität der Stärkeren mit den Schwächeren aus und erschaffen stattdessen ein Gerechtigkeitsverständnis nach dem Äquivalenzprinzip, das den Schwächeren schadet, während es den Stärkeren zugutekommt, da sie nicht mehr für die Schwächeren aufkommen müssen. Auch 1492 bringt eine Reihe finanzieller und strukturellen Hürden mit sich, die alles andere als solidarisch sind. Um von Amazons Programmen profitieren zu können, muss man Geld und digitale Kompetenzen, sowie Zugang zu einer verlässlichen Internetverbindung haben.

Auch das Gesundheitswesen muss digitalisiert werden.
Markus Spiske on Unsplash

Und wie geht’s weiter?

Meiner Ansicht nach bringt ein digitalisiertes Gesundheitswesen immense Vorteile mit sich. Es ist jedoch immens wichtig, dass alle Menschen, unabhängig ihrer ökonomischen und sozialen Lage, gleichermaßen von den Neuerungen profitieren können. Dafür braucht es, denke ich, eine Beteiligung des Staats an Angeboten wie 1492. Generell müssen Bund und Länder digital dynamischer und besser aufgestellt werden, um den nahenden digitalen Umbruch zu meistern und nicht von der schieren Übermacht von Tech-Giganten wie Amazon überrumpelt zu werden. Außerdem brauch es Konzepte, wie Menschen, die sich den digitalen Neuerungen nicht beugen können oder wollen einen Nachteilsausgleich erhalten. Auch älter und ärmere Mitbürger*innen verdienen eine moderne und effiziente gesundheitliche Versorgung. Es braucht, meiner Meinung nach, weiterhin Solidarität als Grundbaustein unserer Krankenversicherungen. Um diese zu erwirken, sollte man mehr über die Gefahren der vermutlich aus dem anti-solidarischen System resultierenden sozialen Ungleichheit sprechen. Studien beweisen, dass auch die Privilegierten unter einer zu großen Spaltung in der Gesellschaft leiden, sie werden geplagt von Stress und Burnout, Depressionen und Statusangst. Schlussendlich gilt es, die Frage nach Solidarität im Gesundheitssystem nicht technologisch zu verengen. Auch die Förderung von Migrant*innen und BIPOC als medizinisches Fachpersonal baut Hürden für strukturell benachteiligte Gruppen ab.

Damit der Altenquotient (das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentenempfangenden) nicht überproportional steigt, sind eine Steigerung der Fertilitätsrate mittels gezielten Anreizen (z.B. höheres Kindergeld, verlässliche Kita-Angebote, gesicherte & längere Elternzeit für beide Eltern) eine Idee. Auch von gezielter Migration junger Erwerbstätiger ist immer wieder die Rede. Sie ist eine Chance, den Generationenvertrag in Teilen zu entlasten, kann die Entwicklung aber nicht realistisch aufhalten, da dafür innerhalb der nächsten Jahr mehrere Millionen Menschen einwandern und sozialabgabenpflichtig eingestellt werden müssten.

Ein Weg aus dem Dilemma der steigenden Zahl Bedürftiger und der sinkenden Zahl Zahlender sind steigende Beiträge oder Kürzungen der Leistungen beziehungsweise eine teilweise Privatisierung, bei der bestimmte Leistungen, z.B. Zähne und Psychotherapie nur noch gegen Zuzahlung von der Versicherung gedeckt sind ein Lösungsansatz.

Wenn man Gesundheit für Alle haben möchte, sollte man auch darüber nachdenken, dass Renteneintrittsalter nach hinten zu verschieben, damit die Menschen länger ins umlagefinanzierte System einzahlen. Um Arbeit im Alter zu ermöglichen, sollten Konzerne über eine betriebliche Altersversorgung, flexible Arbeitszeitmodelle und geregelte Altersteilzeit nachdenken. Es braucht altersgerechte, ergonomische Arbeitsplätze, an denen sich auch der digitalen Technologien bedient wird. Unternehmen sollten den älteren Arbeitnehmer*innen mehr Homeoffice sowie einen flexiblen Übergang in die Ruhephase bieten. Auch Mentorenprogramme, in den ältere und jüngere Arbeitnehmer*innen in einer Art Buddy-System voneinander lernen, sollten in Betracht gezogen werden, um die Expertise der Älteren zu nutzen.

Darüber hinaus kann man auch darüber nachdenken die Private Krankenversicherung aufzulösen, damit alle Menschen in den Solidartopf einzahlen. Momentan ist es oft so, das Wohlverdienende nach einiger Zeit von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln, da hier die Einstiegsbeiträge im Zweifel geringer und die Leistung besser ist. Das kostet die gesetzliche Krankenkasse stark benötigtes Geld.

Durch Boni geförderte Programme, die zu gesundheitsbewussteren Verhaltensweisen “erziehen” sind eine weitere Methode, die Kosten der medizinischen Versorgung zu senken. Allerdings muss auch dieses Programm zwingend Solidaritätsprinzipien beinhalten und darf niemanden benachteiligen.

#NotAllMen und der Zorn der belästigten Frauen

Trigger-Warnung: sexualisierte Gewalt, Gewalt gegen Frauen, Mord

Ich bin wütend. Neulich bin ich abends nach Hause gefahren. Ich sitze also in der Tram und scrolle durch Instagram. Mir gegenüber sitz ein Typ, Anfang oder Mitte dreißig, die Beine breit, die Maske lässig unter der Nase hängend. Ich schenke ihm keine große Beachtung, habe ihn nur kurz wahrgenommen, als er einstieg und sich mir gegenüber niederließ.

Irgendwann stups er mich mit seinem Fuß an. Ich blicke auf. Er nickt mir zu und sagt „Na Süße? Kriegt man deine Nummer?“. Ich verneine und gucke dabei wahrscheinlich etwas irritiert, immerhin ist er wahrscheinlich 20 Jahre älter als ich. Er entgegnend jedenfalls, ich solle nicht gleich so sauer gucken, er hätte ja nur nett sein wollen. Er lehnt sich nach vorne und stützt sich auf seinen Knien ab. Mir ist das zu nahe, ich stehe auf und gehe zur übernächsten Tür. Er ruft mir noch etwas hinterher, ich ignoriere ihn und steige aus. Es ist nicht meine Haltestelle, aber ich sitze lieber ein paar Minuten in der Kälte, als weiter mit ihm in einer Bahn zu sein. Nachdem sicher ist, dass er mir nicht aus der Bahn gefolgt ist, entspanne ich mich ein wenig.

Der Rest der Fahrt ist ereignislos. Über Kopfhörer höre ich Musik. Es ist mittlerweile kurz vor 10 Uhr. Die Tram hält, ich steige aus. Die Ampel ist rot, ich bleibe also stehen. Von der Seite nähert sich mir ein Mann. Ich merke ihn erst nicht, er tippt mich an. „Hauptbahnhof?“, fragt er mich. Er spricht undeutlich, scheint betrunken zu sein. Ich reagiere nicht sofort und er fragt nochmal. Ich deute in die Richtung, wo die Bahn in Richtung Hauptbahnhof fährt. „Da lang.“, sage ich ihm. Er lächelt mich an, lehnt sich nach vorne – und stolpert gegen mich. Nicht sonderlich heftig, aber so, dass sich sein Körper für einige Sekunden in kompletter Länge gegen meinen presst. Ich schiebe ihn mit meinem Arm von mir weg. Mir ist ein bisschen schlecht.

Nachdem ich die Straße überquert habe, rufe ich eine Freundin an. Ich sage ihr, wo ich bin und das da ein Mann ist, der mir Angst macht. Mit schnellen Schritten laufe ich nach Hause und wende mich noch ein paar Mal um, um zu sehen, dass er mir nicht folgt. Tut er nicht, trotzdem habe ich in meiner Jackentasche meine Hand so um mein Schlüsselbund geballt, das zwischen jedem meiner Knöchel ein spitzer Schlüssel hervorragt. Das Handy in der linken, die improvisierte Waffe in der rechten Hand, komme ich zu Hause an. „Puh“, denke ich. „Vielleicht doch etwas überreagiert.“, sage ich meiner Freundin.

Nach ein bisschen Nachdenken finde ich nicht, ich hätte überreagiert. Innerhalb von 20 Minuten haben zwei verschiedene Männer mich, eine 17-Jährige, auf eine Weise angesprochen, die mir das Gefühl gab, ihnen ausgeliefert zu sein. Beide Male war ich in einer gut ausgeleuchteten Umgebung, beide Male befand ich mich in Hörweite anderer Menschen. Beide Male muss offensichtlich gewesen sein, dass ich Angst hatte, beide Male hat sich niemand eingemischt.

Diese Begegnungen sind nichts neues. Als Frau wird einem regelmäßig hinterher gepfiffen oder gerufen, man wird angestarrt, angemacht und beschimpft, grade wenn man seinen Unwillen äußert. Wissen wir alle, passiert ständig. Ist auch für mich nicht das erste Mal. In der U-Bahn hat mir mal einer richtig heftig an den Hintern gefasst. In einem vollen Wagon, umgeben von Beobachtenden. Da war ich grade 15 geworden. Ich glaube, ich hab in meinem Leben noch nie so geheult. Dreckig und ohnmächtig habe ich mich gefühlt.

Jede meiner Freundinnen kann Ähnliches, oft viel Schlimmeres berichten. Oft telefonieren wir, wenn wir vorher zusammen unterwegs waren, damit niemand verloren geht. Zwei von ihnen tragen immer Pfefferspray oder andere Waffen zur Selbstverteidigung an sich. Wenn ich unterwegs bin, grade wenn ich vor habe zu trinken, trage ich immer meine Doc Martens-Stiefel, um im Notfall rennen oder treten zu können. In der Bahn achte ich darauf, nicht zu viel Haut zu zeigen. Ich sitze aufrecht und achte darauf, meine Schultern breit zu halten, damit ich nicht als leichtes Opfer ins Visier übergriffiger Männer gerate.

All das gehört zu meinem Alltag. In meinem Hinterkopf schwebt immer der Gedanke an die Gefahr, die von den Männern in meiner Nähe ausgeht. Und ich bin weiß, körperlich nicht grade klein und trage kein Kopftuch. Ich will mir nicht vorstellen, wie angsteinflößend der Nachhauseweg für andere Frauen sein mag.

Das ist doch scheiße, oder? Das ich mich nicht sicher fühle, wenn ich allein bin. Und eben auch, dass ich mein Verhalten anpasse. Es gibt Klamotten, die ich nicht trage und Ort die ich nicht betrete, wenn es dunkel ist und ich allein unterwegs bin. Ich passe mich an, schränke mich ein, obwohl ich doch ganz eindeutig nicht das Problem bin. Vielen Frauen geht es genauso.

Das zeigt auch die Debatte um die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum, welche nach dem Verschwinden der 33-Jährigen Sarah Everard auf ihrem Nachhauseweg durch London entbrannte. Everard verschwand am Abend des 3. März. Sie trug helle Klamotten, Laufschuhe, war nicht betrunken, ging schon gegen halb zehn, wählte einen gut ausgeleuchteten Weg und kontaktierte ihren Freund, damit er wusste, wo sie war. Sarah tat alles, was jungen Frauen und Mädchen ein Leben lang eingetrichtert wurde, um sicher zu bleiben. Und trotzdem passierte ihr das Unaussprechliche. Mittlerweile sitzt ein Polizist wegen der Entführung und Ermordung Everards in Untersuchungshaft.

In Folge des Verbrechens an Sarah Everard entbrannte in Großbritannien und weltweit eine Debatte, in der Menschen, insbesondere Frauen, unter Hashtag wie #reclaimthestreets ihre Erfahrungen teilen und für Gesetze und Maßnahmen plädieren, die die Gefahr für Frauen im Alltag minimieren. Scheint einleuchtend, nicht wahr? Eine Frau, wird auf dem Nachhauseweg ermordet und Tausende Frauen sagen: „Es reicht! So geht das nicht weiter!“. Doch innerhalb von Stunden werden überall im Internet und in der Öffentlichkeit generell Rufe wie „Not all men“ (‚Nicht alle Männer‘) laut. Diese Menschen reden davon, dass nicht alle Männer Vergewaltiger, Mörder, Frauenhasser sind und versuchen damit den Aufschrei zu diskreditieren. Nicht wenige Männer machen den (leider ernstgemeinten) Vorschlag, Frauen sollen einfach nicht mehr so spät das Haus verlassen, wenn sie sich nicht sicher fühlen. Außerdem sein diese Frauen ja auch total hysterisch und würden komplett überreagieren. In einer Welt voller Feminist*innen und #Metoo könne die Lage doch gar nicht mehr so schlimm sein. Es handle sich nur um den nächste Schritt der männerhassenden Verschwörung, die den Männern ihre Positionen wegnehmen wolle, um sie dann an die BH-losen, unrasierten, radikalen  Feministinnen dieser Welt zu geben.

Aber darum geht es nicht. Es ist grundlegend falsch, Frauen einzuschärfen, es wäre ihre Schuld, wenn Männer sie bedrängen, belästigen, begrapschen. Klassisches sogenanntes „victim-blaming“, als die Schuldzusprechung des Opfers. Wenn Männer Frauen vergewaltigen, oder sie sexuell belästigen, dann tun sie das nicht, weil die Frau einen zu kurzen Rock oder ein zu freizügiges Oberteil tragen. Sie tun es, weil sie sich mächtig fühlen. Weil sie wissen, dass die Schuld immer noch in zu vielen Fällen beim Opfer gesucht wird, weil sie wissen, dass es selten zur Verurteilung kommt und dass Vergewaltigungen selten zur Anzeige und Strafverfolgung gebracht werden.

In der Debatte geht es nicht darum, Männer generell zu verurteilen oder ihre Rechte einzuschränken. Es geht um ein Klima, das es Frauen nicht erlaubt, sich frei und selbstbestimmt zu bewegen. Eine Gesellschaft, die Männern immer noch „sexuelle Fehltritte“ erlaubt und zu vielen von ihnen das Gefühl gibt, sich nehmen zu können was sie wollen. Es geht um die Aufarbeitung einer Vergewaltigungskultur, in der jede Frau einen Berg voll Erfahrungen mit übergriffigen Männern hat. Es geht darum, endlich ein zielführendes Gespräch darüber zu führen, dass 2018 an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem jetzigen oder früheren Partner umgebracht wurde. Das ist keine „Hexenjagd“ gegen alle Männer. Nein, der Feminismus ist nicht „endgültig zu weit gegangen“. Wir verlangen nichts Abwegiges. Wir wollen uns sicher fühlen. Wir wollen keine Angst mehr, vor jedem Mann haben müssen, der uns nachts auf der Straße begegnet. Wir wollen ein Minimum an menschlicher Würde, und trotzdem ist es für viele Menschen (grade Männer) immer noch nicht selbstverständlich, Frauen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen und die das Gefühl haben, sich und ihr Geschlecht, mit Aussagen über die Klamotten des Opfers oder den „stärkeren Sexualtrieb der Männer“ verteidigen zu müssen. Nicht alle Männer, aber solche Männer sind das Problem.

online Umfrage

Wir haben uns gefragt wie ihr mit Corona Situation im Bezug auf unsere Schule zurecht kommt. Deswegen haben wir eine Umfrage gemacht, in der Wünsche und Forderungen geäußert wurden. Die Ergebnisse wollten wir hier kurz zusammen fassen:

 

An der Umfrage haben um die 200 Schüler*innen aus allen Jahrgängen teilgenommen. Die meisten fühlen sich von der Situation so stark belastet, so dass die Lernleistungen erschwert wird. Wie viel Rücksicht die Lehrer*nnen nehmen, wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das liegt vermutlich auch an den unterschiedlichen Grundvoraussetzungen, wie einen eigenen Computer, funktionierende Wlan, ein eigenes Zimmer, … Auch über das tragen der Maske im Unterricht herrschen sehr geteilte Meinungen. Geschätzt wird an Teams der schnelle Kontakt zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen. Abgesehen von einigen technischen Schwierigkeiten, wird an Teams die Unerreichbarkeit von einzelnen Lehrer*innen und die teilweise verwirrende Benutzung kritisiert.  Es geht auf jeden Fall hervor, wie ungleich die Belastung verteilt ist. Dadurch erhöht sich der Stress von Einzelnen enorm und bei anderen erleichtert sich die Situation. Deswegen ist es umso wichtiger, dass ihr gegenseitig aufeinander achtet und euch unterschützt, um Menschen zu entlasten.

 

Damals wurden sich hauptsächlich A&B Wochen als Veränderung gewünscht. Nun haben wir schon ganz schön lange Salz-Unterricht. Unsere Schule kann an solchen Entscheidungen (leider) nichts ändern, dennoch sollten wir versuchen eine bestmögliche Situation für uns alle zu schaffen, deswegen haben wir ein Statement an die Lehrer*innenschaft geschrieben. Worin wir einige Wünsche und Verbesserungsvorschläge, welche in gemeinsamen online Konferenzen und dieser Umfrage gesammelt wurden, ausformuliert haben. Wir werden es an die Lehrer*innen weiterleiten und damit hoffentlich zu einer Entlastung beitragen. Lasst uns positiv in die Zukunft schauen und auf Ereignisse wie die Projektwoche freuen.

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen?

Von Frederike Rosenbusch, Jahrgang 11

Trigger-Warnung 

Lesen Sie diese Reportage bitte nur durch, wenn Sie sich psychisch stabil fühlen. Dieser Text enthält persönliche Informationen über Depressionen, die einige Zuschauer:innen beunruhigend finden könnten. Lesen Sie auf eigene Verantwortung und behandeln Sie das Thema mit Respekt. Informationen und Ressourcen für Menschen, die an einer Depression leiden, sind verfügbar unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen?

 

 

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen unter…

 

gedrückter Stimmung,

Interessenlosigkeit und/oder Freudlosigkeit, auch bei sonst angenehmen Ereignissen,

Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe,

fehlendem Selbstvertrauen und/oder fehlendem Selbstwertgefühl,

verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung und/oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen,

starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik,

negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit,

hartnäckigen Schlafstörungen,

vermindertem Appetit,

tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken.

 

Beantwortet man 3 dieser Fragen mit Ja, deuten die Angaben laut der deutschen Depressionshilfe auf das Vorliegen einer depressiven Erkrankung hin. Das formulieren sie in einem kleinen Text, der darauf hinweist, dass man sich an einen Arzt oder einen Psychotherapeuten/ eine Psychotherapeutin wenden soll.

 

Die Fragen sollte man aber nicht leichtfertig beantworten. Denn Depressionen sind eine psychische Störung bzw. Erkrankung, die im schlimmsten Fall zum Suizid führen kann. 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden schweren depressiven Phasen sterben durch Suizid. Depressionen sind also kein Trend und kein Begriff, mit dem man leichtfertig umgehen sollte.

Das ist der Schülerin wichtig, die sich dafür bereit erklärt hat, von ihrer Depression zu erzählen.

 

Die Schülerin möchte anonym bleiben, sie möchte nicht zum Aushängeschild der Erkrankung werden. Sie sagt, sie ist nur ein Beispiel von vielen, die leiden und weder Respekt noch das Anerkennen ihrer Krankheit erfahren.

 

Wenn sie den Selbsttest der deutschen Depressionshilfe ausfüllt, erscheint ein langer Text in Rot:

Bitte suchen Sie umgehend einen Arzt/ eine Ärztin (Hausarzt, Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin oder einen Nervenarzt) auf. Ihr Ergebnis lässt vermuten, dass Sie unter einer schweren depressiven Erkrankung leiden. Falls Sie diesen Test für einen Familienangehörigen oder Freund gemacht haben, sollten Sie ihn oder sie unbedingt zu einem Arztbesuch motivieren. Bitte beachten Sie, dass schwere depressive Erkrankungen leider immer wieder zu Selbsttötungsversuchen führen. Insofern brauchen Sie jetzt dringend professionelle Hilfe. Suchen Sie sich bitte umgehend professionelle Hilfe!

Wenden Sie sich außerhalb der Sprechzeiten immer an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

Sie können sich rund um die Uhr anonym und kostenlos an die Telefonseelsorge unter 0800 – 1110111 wenden.”

Sie scheint nicht schockiert von dem Ergebnis auf dem Computerbildschirm. Kurz nicken, dann dreht sie sich zurück.

Dass es ihr nicht gut geht, weiß sie schon lange. Sie erzählt, dass sie ca. Mitte bis Ende der neunten Klasse immer längere Tiefphasen erlebt hat. Sicher ist sie sich aber nicht.

Im Durchschnitt beginnt eine Depression bei Jugendlichen im Alter von 15 Jahren, bei Mädchen bereits früher. Mädchen erkranken häufiger als Jungen. Eine depressive Phase dauert in der Regel 6-9 Monate, nicht selten jedoch auch länger als ein Jahr.

Wann warst du das letzte Mal glücklich?

Sie lächelt: “Das weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich in der Grundschule, bestimmt auch noch in der 7. Klasse, aber ich weiß es nicht.”

Eltern geben den hohen Leistungsdruck in der Schule, Mobbing sowie Druck durch Idole oder Influencer als Gründe für die psychischen Probleme ihrer Kinder an. Jüngere Kinder leiden unter Streit mit Freunden sowie Mobbing durch Mitschüler/-innen. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt die Problematik von Depressionen in der Schule zu, da der Konkurrenz- und Leistungsdruck stärker wird. 

Im Winter war es besonders schlimm, meint Sie, in der 9 Klasse. Hilfe hat sie versucht in der Schule zu bekommen. Sie ist zu den Sozialpädagogen gegangen.

Die Soziale Arbeit soll Lösungen für soziale Probleme bereitstellen und weitergeben. Soziale bzw. gesellschaftliche Aspekte haben neben anderen Aspekten, wie bereits erwähnt, eine Relevanz in der Entstehung von Depressionen.

Wahrscheinlich war das auch nicht die richtige Adresse, aber sie brauchte jemanden zum Reden, meint sie. Geholfen hat es jedoch nur kurz. Sie war ungefähr drei- bis viermal bei dem Sozialpädagogen.

Die ersten Male war es gut. Das Gefühl, gehört zu werden, hat geholfen. Viel geweint hat sie und über ihre Familie geredet. Über akute Probleme.

Danach dauerte es lange bis sie wieder die Chance auf Hilfe bekam, meint sie. In der Zwischenzeit versuchte sie Symptome zu lindern, häufige Traurigkeit und starke Schlafstörungen. Schlafen konnte sie nur, wenn sie sich selbst verletzte. “Es macht müde, dann kann man schlafen, man denkt an nichts mehr.”

Depressionen sind eine häufige Vorerkrankung von selbstverletzendem Verhalten. Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren. Sie versuchen dadurch ihre Gefühlswelt zu steuern. In den vergangenen Jahren nahm diese Zahl immer weiter zu. Experten schätzen, dass etwa jeder Siebte es mal ausprobiert hat. 

Sie kam dann durch ihre Familie in eine Praxis, für einen Intelligenztest. Den vorsorglichen Test, den man ihr davor gab, sah sie als Chance. “Man sitzt da, die Fragen in dem Text werden einem sonst nie gestellt, niemand fragt, wie es einem wirklich geht.” Ihr wurde diese Frage nie so wirklich gestellt, meint sie. Also nicht die wichtigen Fragen, schiebt sie nach.

Wichtige Fragen? Solche wie die von der deutschen Depressionshilfe?

“Ja, so ungefähr. In einem ruhigen Moment, mit jemandem, der einem zuhört.” Sie hatte einen Leidensdruck, der so groß war, dass sie mit fast jedem geredet hätte, wenn derjenige sich Zeit genommen hätte.

Sie kam bei der Praxis in Zwischenbetreuung.

Einen Therapieplatz zu bekommen, ist sehr schwierig, Termine sind begehrt. Im Durchschnitt dauert es bei Krankenkassenpatienten ca. sechs Monate, bis man einen Therapieplatz bekommt. Die Zeit dazwischen kann durch flexibel vereinbarte Termine überbrückt werden. Meist ungefähr ein Termin im Monat.

Sie berichtet, dass es dadurch auf der einen Seite leichter wurde, weil man einen Ort hatte, an dem man sich mitteilen konnte. Auf der anderen Seite wurde es schwieriger. Durch das Arbeiten an verschiedenen Problemen verstärkten sich Symptomatiken, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Angststörungen und Konzentrationsprobleme, die dann wiederum zu Problemen in der Schule führten.

Man versucht natürlich sich an Lehrer zu wenden, aber nach einer Zeit und ein paar blöden Kommentaren verliert man das Vertrauen. Ein Lehrer sprach sie mal vor der Klasse neben ihrem Klassenlehrer auf die Schnitte an den Beinen an. Was sie da gemacht hätte. Gefallen, blöd über den Boden geschlittert, passiere öfter, war die knappe Antwort. Der Lehrer fuhr fort, dann ist ja gut. Er hätte kurz Angst gehabt, sie sei eine dieser Gestörten, die sich schneiden. Eins dieser Ritz-Mädchen. Sie schüttelte ganz schnell den Kopf. Der Klassenlehrer sagte nichts, die Ausrede wurde geglaubt.

Viele der gesundheitlichen Störungen von Schülern, vor allem solche psychische oder psychosomatische Art, hängen eng mit dem System Schule zusammen” – der Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann.

Das sind kleine Beispiele, sagt sie, noch gar nicht alles. Das Schulsystem versagt bei ihr. Sie wäre nicht mit eingeschlossen in dieses System. Für sie ist vieles viel schwerer, früh aufstehen, Konzentrieren, Anforderungen erfüllen. Manchmal sei sie froh, wenn sie es schafft zwei Mal am Tag zu essen, weil mehr nicht geht. Weil Sie nicht die Kraft hat, mehr zu machen. Das frustriert. “Denken die ich bin zufrieden so, dass ich es mit Absicht mache?”, eine direkte Frage an ihre Lehrer und die Schule. Sie war gut in der Schule, 1,6er Schnitt. Jetzt muss sie sich mit Dreien und Vieren auseinandersetzen. Sie weiß, sie könnte es besser. Es geht nur irgendwie nicht. Im Unterricht sitzt sie oft mit Kopfschmerzen und Müdigkeit. Wenn Unterricht langweilig erscheint, schaltet sie ab. Dann kommt sie nicht mehr mit.

Sie hat jetzt einen Therapieplatz. Die Situation mit Corona hat ihr geholfen, einen festen Tagesablauf zu gestalten. Mit Dingen, die sie gerne macht, die beim Aufstehen helfen und beim Schlafengehen. Das ihr Schule gerade nicht leicht fällt, daran kann niemand etwas ändern, dass weiß sie. In der Schule gut zu sein, ist ihre Aufgabe. Manchmal wünscht sich die Schülerin nur Verständnis. Das Lehrer auf sie zukommen, um über Probleme in der Schule zu reden, über schlechte Noten und Wege, diese noch aufzubessern.

Über Depressionen muss es Gespräche geben. Man muss das Schülern und Lehrern erklären – ein Bewusstsein schaffen, um das Leiden der zwei Wochen zu bekämpfen.

Sorgentelefon des SIBUZ Pankow für Schüler*innen

Liebe Pankower Schülerinnen und Schüler,

wie geht es Euch?

Diese Frage stellen wir Mitarbeiter*innen des SIBUZ Pankow (Schulpsychologie und Inklusionspädagogik) uns in den letzten Wochen immer häufiger.

Wenn ihr Euch gerade öfter

  • traurig,
  • einsam,
  • überfordert,
  • hilflos,
  • wütend,
  • hoffnungslos

fühlt ….

Wenn ihr Probleme mit dem/ den

  • Aufstehen,
  • Schlafen,
  • Essen,
  • Aufgaben,
  • Eltern,
  • Freunden

habt …

… dann könnt ihr Euch bei uns Unterstützung holen.

Wir arbeiten als Pädagog*innen und Psycholog*innen in Pankow für eure Schulen und möchten für euch da sein.

Telefonisch über unser Pankower „Sorgentelefon“: 030 902491076

Montag, Mittwoch und Freitag:    9:00-15:00

Dienstag und Donnerstag:    13:00-18:00

Oder per Email unter 03SIBUZ@senbjf.berlin.de

Wir würden uns freuen, wenn ihr Euch bei Sorgen, Ängsten, Nöten an uns wendet. Wir nehmen Euch ernst und behandeln Eure Anliegen vertraulich und auf Wunsch anonym.

Es gibt in Berlin für Jugendliche auch noch viele andere Stellen, an denen ihr Hilfe bekommen könnt:

  • NeUhland – Krisenhilfe und Suizidprävention für Jugendliche:

https://www.neuhland.net/startseite.html

Telefon: 030 8730 111

  • Berliner Krisendienst: rund um die Uhr.

https://www.berliner-krisendienst.de/

Standort Pankow: 030 3906340

  • Jugendnotmail – kostenlose und anonymen Online-Beratung für Jugendliche mit psychischen und seelischen Problemen:

https://www.jugendnotmail.de/

  • Kinder-und Jugendtelefon – Rat und Hilfe, anonym und kostenlos

Telefon: 0800 1110333

  • Jugendnotdienst:

www.jugendnotdienst-berlin.de

Telefon: 030 610062

Telefon: 030 44350 9821

Internet: www.mutes.de<http://www.mutes.de/home.html

 

Herzliche Grüße,

Eurer Pankower SIBUZ-Team