Digitalisierung der Schule: Geht es jetzt endlich los?

woman biting pencil while sitting on chair in front of computer during daytime

Es ist doch irgendwie traurig, dass wir 2021 in der Schule immer noch mit einem Overheadprojektor arbeiten und wir es nicht hinkriegen, heutzutage ein You-Tube Video mit einer hohen Qualität und „flüssig“ zu schauen.

Dieses Problem ist der Politik nicht erst seit dem ersten Lockdown und dem daraus resultierendem Homeschooling bekannt.

Die Politik hat schon vor einiger Zeit den Digital-Pakt beschlossen, damit aus einer Federtasche ein Apple Pencil wird und aus einem Stapel Bücher ein Tablet.

Aber was ist der Digital-Pakt, wie wird das Geld verteilt, wie ist der Ist-Zustand an unserer Schule und wie stehen die Schüler*innen und Lehrer*inne der Digitalisierung gegenüber?

Der Digital-Pakt wurde im Mai 2019 von Bund und Bundesländern beschlossen. Um den Pakt durchzubringen, wurde der Artikel 104c des Grundgesetzes geändert, das bedeutet, dass ab sofort der Bund die Länder für die Bildung finanziell unterstützen kann, aber auch Mitspracherecht über die Verteilung der Gelder besitzt.

Der Umfang der Vereinbarung enthielt 5,5 Mrd. Euro, welche in den nächsten 5 Jahren an alle Bundesländer verteilt werden sollte. Diese Summe wurde wegen der Pandemie aber um weitere 1,5 Mrd. Euro aufgestockt. So stehen jetzt 6,5 Mrd. Euro den Schulen für einen digitalisierten Unterricht zu Verfügung.

Im konkreten Fall sieht das wie folgt aus: Berlin erhält 257 Millionen Euro, damit nimmt Berlin den fünften Platz der Rangliste ein. Auf Platz eins ist Nordrhein-Westfalen mit ca. 1.154 Mio. Euro, damit erhält NRW 21 Prozent des ganzen Digital-Paktes. Es folgt auf Platz zwei Bayern mit 856 Mio. Euro und Baden-Württemberg mit 717 Mio.

Die Verteilung beruht auf den Königsteiner Schlüssel, dafür wird zu zwei Drittel das Steueraufkommen und zu einem Drittel die Anzahl der Einwohner einbezogen.

Laut des Bundesbildungsministeriums erhält jede Schule durchschnittlich 137.000 Euro. Bezogen auf jeden Schüler sind das ca. 500 Euro.

Aber wie erhalten die Schulen jetzt das Geld, um damit zum Beispiel digitale Geräte zu kaufen?

Zu Beginn erhalten die Länder ihren, durch den Königsteiner Schlüssel zugeteilten Anteil. Anschließend geben die Länder das Geld an die Schulträger weiter. Die Größe des Betrages entscheidet sich je nach Anzahl der Schüler*innen und Schulen. Die Schulträger erhalten von den einzelnen Schulen ihre Medienkonzepte, dort steht genau drin, was sie in der Zukunft im Bereich Digitalisierung planen und dafür benötigen. Ein Beispiel: In dem Medienkonzept der Max-Mustermann-Oberschule steht, dass sie 5 Smartboards und 4 Tablets benötigen. Dieser Antrag geht dann zu den Schulträgern. Diese entscheiden, welche sie ausstatten möchten und welche nicht. Diese Information reichen sie zu den Ländern. Dort wird nun auf Landesebene entschieden, wer den Zuschuss erhält. Es kann auch dazu kommen, dass die Schule in unserem Beispiel jetzt nur noch 2 Smartboards und 2 Tablets erhält.

Nach dem Einreichen des Konzeptes kann sehr viel Zeit vergehen, da die Konzepte mehrere dieser Runden durchlaufen müssen.

Jetzt wissen wir, wie es theoretisch abläuft und wie viel Geld vorhanden ist. Aber kommen wir doch vom Großen/Ganzen zum Kleinen/Konkreten – in dem Falle: zu unserer Schule.

Wie ist der Ist-Zustand an der Kurt-Schwitters-Schule:

Zurzeit stehen uns 32 Tablets, 16 Smartboards, 66 PCs und eine Internetleitung mit 100 Mbit zur Verfügung.  Vor allem sind die 100 Mbits für 100 Endgeräte ein großes Problem, was ein digitales Lernen sehr schwierig macht. Deshalb wurden 15.000 Euro für ein besseres Wlan aller drei Häuser investiert – die Umsetzung steht auch kurz bevor. Zudem ist die Verbesserung der PCs geplant. Die beantragten 7 Whiteboards mit Beamern im Wert von 27.000 Euro wurden leider nicht genehmigt, weil man verpflichtet ist, interaktive Boards zu kaufen. Davon nahm unsere Schule jedoch erst einmal Abstand, weil sie teurer, störanfällig und unflexibel seien.

Das ist der derzeitige Zustand. Umso spannender ist nun zu schauen, wie das zukünftige Lernen und das Klassenzimmer aussehen soll.

Die Informationen dazu kann man im Medienplan der Schule nachlesen:

So ist es das langfristige Ziel, dass 2029 alle Lehrer*innen und Schüler*innen mit einem Tablet arbeiten können, damit das Schreiben von Notizen etc. auf Papier ersetzt wird, aber vor allem eben die Vorteile digitalen Lernens genutzt werden können. Das bedeutet aber nicht, dass Schulbücher nun aussortiert werden. Im Gegenteil: Bücher sollen ein elementarer Bestandteil bleiben. Letztendlich sollen alle Klassenzimmer so ausgestattet werden, dass der  Unterricht sehr flexibel gestaltet werden kann: analog und digital, hybrides Lernen genannt. Das schon vorhin angesprochenes Wlan soll 2029 kein Problem mehr darstellen. Geplant ist eine 3,5 Gbit-Anbindung über Glasfasernetz in den Gebäuden getrennt voneinander zu installieren.

white and black tablet computer

Um zu dieser Vision zu gelangen, bedarf es einiger Zwischenschritte: So wurden 2019 schon erste Musterräume ausgestattet, sowie Erfahrungen mit 32 Schüler*innen-Tablets gesammelt. Die gerade schon angesprochenen Musterräume sehen wie folgt aus: Es sollen erstmal zwei iPads pro Klassenzimmer zur Verfügung stehen, damit nahezu ein gesamtes Kollegium ausgestattet werden kann. Durch die Kombination aus iPad, Beamer und Whiteboard können die Schüler*innen flexibel lernen und die Vorteile des analogen sowie des digitalen Unterrichtes verknüpfen.

Da Apple-TV genutzt wird, könnten Arbeitsblätter, Websiten, Präsentationen, Videos und das Tafelbild in Echtzeit übertragen werden. Mithilfe des Apple Pencil können Schüler*innen mehr in den Unterricht eingebunden werden und das Tafelbild selbst mitgestalten.

Das soll den Grundstein für Unterricht mit Schülertablets legen.

Alles was sich auf dem Papier schön lesen lässt, sieht in der Realität manchmal doch anders aus. Deswegen habe ich eine Umfrage bei Schüler*innen und Lehrer*innen durchgeführt, um herauszufinden, wo die Probleme und Herausforderungen, aber auch die schon vorhandenen positiven Entwicklungen liegen.

Es nahmen 33 Lehrer*innen und 35 Schüler*innen an der Umfrage teil.

Positiv fällt die Akzeptanz auf, mit welcher Lehrer*inne und Schüler*innen grundsätzlich der Digitalisierung gegenüberstehen. So stimmten 81 Prozent der Lehrer*innen bei meiner Frage „Wie bewerten Sie die zunehmende Digitalisierung der Schule?“ mit eher positiv und sehr positiv ab. Dies begründeten viele mit der hohen Flexibilität der Medien, da man einfacher Unterrichtsideen umsetzen kann, z. B. kann man Videos oder Bilder einspielen.

Heute arbeiten bereits 83 Prozent der Lehrer*innen sehr gerne mit den neuen digitalen Werkzeugen und auch sehr regelmäßig. In der Umfrage gaben 18 von 33 Personen an, diese mind. 7 mal oder häufiger in der Woche einzusetzen, wobei 72 % sogar mehr als 10 mal ankreuzten.

Dass die Lehrer*innen den sicheren Umgang mit den digitalen Werkzeugen verbessern müssen, wissen sie natürlich selbst, aber das bescheinigen ihnen auch über 50 % der Schüler*innen mit der Note 3 zu der Frage: „Wie kann dein/deine Lehrer*in deiner Meinung nach mit den digitalen Geräten umgehen?“

Da stellt sich auch die Frage, wie sie bisher auf diese digitale Herausforderung vorbereitet wurden?

Laut der Umfrage haben sich viele Lehrkräfte vieles durch Selbststudium angeeignet, z. B. über You-Tube Videos. Es gab aber auch von der Schule ausgehende Weiterbildungen z. B. zur Einführung der I-Pads und Smartboards. In der Zukunft sollen die Lehrer*innen durch Fortgeschrittenenfortbildungen Apple TV, Microsoft-Office 365 und Web-Untis besser kennen lernen. Zudem sollen sie fit werden im Umgang mit geistigem Eigentum und Bildrechten.

Ein weiterer und wichtiger Punkt, worauf man nach der Meinung der Lehrer*innen achten sollte, ist, dass es weiterhin eine Mischung aus analogem und digitalem Unterricht geben sollte.

Eine Verbesserung oder eher eine Forderung, die sowohl Lehrer*innen als auch Schüler*innen aufgreifen, ist eine bessere und stabilere digitale Infrastruktur. Also ein funktionierendes Wlan, Whiteboards und schnellere Server für die PC-Räume.

Die Bereitschaft der Schüler*innen für die Digitalisierung erkennt man gut daran, dass sie sich komplexere Aufgaben wünschen, zum Beispiel die Entwicklung von Filmen, Blogs oder Websiten.

Auch fordern sie mehr Aufklärung zum Thema Datenschutz, vor allem im kritischen Umgang mit Medien. So formuliert ein/e Schüler*in: „jetzt nicht im Sinne von ´lasst die Finger davon, euch werden eure Daten geklaut´, sondern halt: Was sind Daten? Warum und wie werden sie gesammelt?“.

Zum Abschluss ein persönlicher Kommentar: Digitalisierung ist gut und vor allem wichtig, da in der Zukunft die Arbeitswelt immer weiter in diese Richtung ausgelegt wird. Das gilt nicht nur für studierende Berufe, sondern auch für viele Handwerksberufe.

Es muss aber darauf geachtet werden, dass die Schülerschaft nicht langfristig gespalten wird. Denn das digitale Lernen passiert auch zu Hause. Und so wird es Kinder geben, deren Eltern alle Möglichkeiten bieten können, um den digitalen Weg der Schule mitzugehen, und Schüler*innen, deren Eltern sich das nicht leisten können. Ich hoffe, dass das Ungleichgewicht besser im Blick behalten wird als zu Zeiten von Corona.

Text: Pavel

Bild: JESHOOTS.COM / @kellysikkema

 

 

geschrieben von: Pavel Stöck

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