Release der Woche #2: cool sorcery – When?

Diese Woche möchte ich eine weitere Neuentdeckung meinerseits vorstellen. Aber vorab: Ich versuche möglichst ohne schwammige Genre-Bezeichnungen für die vorgestellten Künstler*innen auszukommen, aber wenn es (wie hier) zu interessanten Variationen eines Stils kommt, ist es vielleicht sinnvoll Genres zur Beschreibung der Musik zu nutzen. Das werde ich hier auch tun. Wer auch immer das hier zu Gesicht bekommen sollte: Sag mir bescheid ob es zu viel damit wird.

Das Ziel unserer Neugierde ist diese Woche cool sorcery. Dabei handelt es sich um das Solo-Projekt eines Brasilianers, der logischerweise alle Instrumente einspielt. Tatsächlich habe ich cool sorcery über eine andere, wesentlich dichtere, EP namens „Intergalactic Void Boys” entdeckt, aber das knapp halbstündige „When?” gefällt mir noch besser, weil das Tempo rausgenommen und sich an melodischere Riffs getraut wird. „When?” wurde diesen Februar auf Bandcamp veröffentlicht, und ist unbegreiflicherweise der einzige der drei bisherigen Releases von cool sorcery, von dem keine Kassetten über das stettiner DIY-Label Syf-Records vertrieben wurden.

Das was mir zuerst beim Hören auffällt ist der allzu vertraute schüchterne Drum-Computer-Beat unter ziemlich verzerrten Vocals. Für gewöhnlich lassen diese Elemente wie so oft auf den typischen Lo-Fi/Bedroom-Punk schließen, den ich schon viel zu häufig gehört habe, und dem ich in seiner tausendsten Zugabe leider wenig abgewinnen kann. Aber cool sorcery lässt meine musikalischen Vorurteile ins Leere laufen: Ohne die Hilfe von Synthesizern zu benötigen, stellen Gitarren und Gesang abwechslungsreiche, aber vorallem „catchy”, Riffs sowie Refrains auf die Beine. Dabei werde ich mehr als einmal an andere Bands anderer Genres erinnert, so wie King Gizzard & the Lizard Wizard in den teils schnellen und psychedelischen Garage-Rock Parts mit den wahnsinnig-euphorischen Ausrufen. Auf seltsame Art fühlt es sich so an als würde ich mich an die Lieder erinnern können, obwohl ich sie natürlich zum ersten mal höre. Die Dynamik im fröhlichen ersten Track, der den gleichen Namen wie die EP trägt, macht einfach Spaß. Vom anfänglichen Aufbau des Songs, zur Strophe, zum Pre-Chorus und schließlich zum Refrain wird furchtlos variiert, aber alles passt zusammen, genauso wie die Vocals, die die Instrumente super ergänzen und so das Lied zusammenschweißen. Der zweite Track „Ghost”, bei dem im Pre-Chorus noch geflüstert wird, glänzt durch seinen einschüchternd wütenden Chorus, bei dem ich eine Gänsehaut bekomme. Im dritten Song „Golden Stinger” beweist cool sorcery einmal mehr, dass beinahe alleine sein Gesang im Vordergrund für einen mehr als guten Refrain reicht. „Stepless Ladder” täuscht achtziger Hardcore an, indem erst der schnelle Bass und dann der Trommelwirbel einsetzt, führt aber doch in einen Chorus, in dem die Gitarre ungewöhnlich viel Freiraum für Reverb und Melodie bekommt, sowie für noch mehr Effekte in der zweiten Hälfte. In „Spaceman” wagt sich der Brasilianer mit einer Mundharmonika in ruhigere und weniger verzerrte Gefilde, die im Solo am Ende des Liedes bis in die Melancholie abrutschen. „Noir infection”, das Finale der EP, bleibt beim teils weniger dichten Sound, mit stellenweise kaum verzerrten Gitarren, die dem Song mittels Hall mehr Raum verschaffen als von diesem Release gewohnt. Letztenendes bäumt sich der Track nach einem Solo nocheinmal auf und endet mit einem Hämmern der Instrumente, das am Liebsten gar nicht aufhören würde.

cool sorcery auf:

YouTube

Spotify

Bandcamp

Ähnliche Bands:
Ty Segall, King Gizzard and the Lizard Wizard, Fuzz

Autor: Tyler Swift

geschrieben von: Pavel Stöck

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