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Plastikmüll in den Weltmeeren – Rettung in Sicht ?

 

Das Meer mit seinen unendlichen Weiten. Weißer Sand, kristallklares Wasser, eine auf den ersten Blick versteckte Welt, die bei genauerem Hinsehen nur so vor Leben wimmelt. Bunte Korallen in denen sich wahre Kolonien von Lebewesen tummeln. Eine Walkuh, die ihr Kälbchen stillt. Darüber kreist eine Armada an Seevögeln. Am Strand sonnen sich die Schildkröten.

So stellt man sich die Idylle Meer doch vor, oder? Die Realität ist aber mittlerweile leider eine ganz andere;

Die Strände sind übersäht von Müll, es ist kaum mehr Platz, das Handtuch auszubreiten. Beim Schwimmen streift Plastik statt Algen die Beine. Der Tauchgang ist mittlerweile mehr ein Gang durch die Galerie der Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft, Fische sieht man kaum noch. Immer wieder werden tote Wale und Schildkröten als drastische Mahnung an uns Menschen an die Strände gespült. Und was einst der erfrischende Gang in die sauberen Fluten war, gestaltet sich heute eher als Dümpeln in einer schlammigen Brühe.

 

Die Meere verändern sich, und zwar nicht zum Positiven. Und wie bei so vielem sind wir Menschen schuld. Seit Jahrhunderten jagen wir all unseren Müll in unsere Flüsse und über die Flüsse auch in sämtliche Ozeane. Doch der Müll der noch vor 150 Jahren innerhalb von wenigen Wochen komplett abgebaut war, besteht mittlerweile komplett aus Plastik und braucht im Durschnitt 450 Jahre um zu zerfallen und selbst dann existiert er immer noch in millimeterkleinen Teilchen, welche sich schlichtweg überhaupt nicht mehr aus dem Wasser holen lassen.

Aber wo kommt das Plastik eigentlich überhaupt her, warum ist es so gefährlich und wie retten wir die Meere?

Jeder Deutsche produziert pro Jahr über 37 kg Plastikmüll, allein aus Verpackungen. Jährlich werden etwa 300 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon landen gut 10 Millionen Tonnen im Meer. Dies passiert meist , in dem der Plastikmüll zum Recycling eingesammelt wird ( ab diesem Zeitpunkt wird das Plastik in der Statistik übrigens schon als recyclet gerechnet) und dann per Schiff in Länder der dritten Welt exportiert wird, wo es theoretisch durch staatlich anerkannte Stellen weiterverarbeitet werden sollte. Tatsächlich jedoch sind diese Stellen oft bloß einfache Fassade. Deutschland exportiert den eigenen Müll am liebsten nach Südostasien, wo es kein staatlich geregeltes  Abfallmanagement gibt. Der lokale Müll mischt sich auf ungesicherten Deponien mit dem importierten. Ein Windhauch reicht und Tonen um Tonen von Plastik landen über Flüsse oder andere Umwege im Meer. So kommt es auch zu Bildern wie diesem:

Dazu kommen immense Mengen Kunststoff aus Industrie und Schifffahrt. Gut die Hälfte des sich zur Zeit im Meer befindlichen Plastiks besteht aus sogenannten Geisternetzen. Dies sind Fischernetz, welche entweder verloren gegangen sind oder von Fischern illegal auf dem Meer weggeworfen wurden, da eine fachgerechte Entsorgung grade sehr großer Netze aufwendig und teuer ist. Doch auch sogenanntes Mikroplastik (alles unter 5 mm) findet sich in rauen mengen im Meer. Ein Großteil der modernen Kosmetika setzt auf Plastikerzeugnisse als Konsistenzgeber oder Reibepartikel. Egal ob Zahnpasta, Peeling oder Duschgel, unter exotischen Kürzeln getarntes Plastik findet sich überall. Wer Plastikfreie Kosmetika kaufen möchte, hat in den meisten konventionellen Läden auch nach ausgiebigem Studieren der Etiketten kaum Hoffnung auf Erfolg. Der BUND hat hier einen Einkaufsratgeber verfasst, in dem die typischsten Decknamen des Plastiks und einige, für ihren Plastikgebrauch bekannten, Firmen aufgelistet sind. Doch auch das simple Waschen von Klamotten birgt Gefahr: pro Waschgang lösen sich aus Kunstfasertextilien wie Fleecepullis oder ähnlichen etwa 2000 winzige Fasern, die zu klein sind um vom Sieb der Waschmaschine aufgehalten zu werden und, ebenso wie das eben beschriebene kosmetische Mikroplastik, durch die Kläranlagen gelangt, da es schlichtweg zu klein ist.

Hinzu kommt auch noch, dass Plastik im Gegensatz zu organischen Stoffen nicht verrottet. Es zerfällt einfach in kleinere und immer kleinere Teile, bis auch diese den Status von Mikroplastik erreicht haben.

Auf den Lebensraum Meer hat dies katastrophale Auswirkungen. Fische, Meeressäuger und Seevögeln nehmen kleiner und größere Plastikteile in sich auf. Manche haben scharfe Kanten, sodass die Tiere tödliche Verletzungen des Verdauungstrakts erleiden. Doch auch wenn es nicht zu diesem schnellen Tod kommt, bedeutet das Aufnehmen größerer Mengen Abfall fast immer den Tod, den das Verdauungssystem der Tiere ist nicht in der Lage, es abzubauen oder auszuscheiden und so kommt es oftmals vor, das Tiere mit vollem Magen verhungern. Auch die genannten Geisternetzte werden täglich hunderten von Tieren zum Verhängnis, den sie fischen auch herrenlos immer weiter. Grade für Delfine, Wale und Schildkröten stellen diese wahre Todesfallen dar, den einmal im Netz ist es für sie fast unmöglich zum Luftholen an die Wasseroberfläche zu gelangen. 2016 entdeckten Forscher um den Ökologen Matthew Savoca von der University of California, dass bestimmte Sorten Plastik einen Duft absondern, der Meeresvögeln wie Albatrosse den Eindruck vermittelt, sie wären essbar. Laut Umweltschutzorganisation sterben jährlich bis zu 1.000.000 Seevögel und 100.000 Meeressäuger durch den Konsum unserer weggeworfenen Kunststoffe. Doch auch Mikroplastik stellt eine große Gefahr da. Man fand heraus das Mikroplastik im Wasser gelöste Umweltgifte wie Insektizide oder Weichmacher anzieht wie Magneten. Diese Plastikpartikell werden dann von Filtrieren wie Muscheln aufgenommen und gelangen so in die Nahrungskette. Infizierte Lebewesen werden von immer größeren Lebewesen gegessen und so weiter. Durch die mikroskopisch kleinen Plastikteilchen und die durch sie eingeschleusten Gifte kann es bei Fischen und Meeressäugern zu schweren Gendefekten kommen, welche ganze Linien und früher oder später auch ganze Rassen von Tieren ausrotten wird.

Und jetzt ratet mal: Bei wem landet so ziemlich alles irgendwann auf dem Teller? Richtig! 100 Punkte, beim Menschen.

Wie der WWF im Juni 2019 bekannt gab, nimmt jeder Mensch im globalen Durchschnitt bis zu 5 Gramm Mikroplastik in sich auf, was in etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Die Studie basiert auf einer Untersuchung der University of Newcastle in Australien. Danach nehmen Menschen weltweit durchschnittlich etwa 2.000 kleine Plastikteilchen in der Woche zu sich. Die Forschungen zu den Folgen stecken zwar noch in den Kinderschuhen, doch schon heute ist absehbar, dass das Ergebnis kein schönes sein wird. Immer wieder heißt es Plastik hat die Macht den Hormonhaushalt des Menschen zu beeinflussen, ihn gar unfruchtbar zu machen.

Auch die in Mikroplastik enthaltenen und von Mikroplastik “gesammelten” Chemikalien (Weichmacher, Stabilisatoren, Farbmittel, Füllstoffe, Verstärkungsmittel, Flammschutzmittel, Antistatikmittel, Insektizide etc.) können laut Wissenschaftlern beim Menschen zu gravierenden Gesundheitsschäden führen. Beispielweise ist die Rede von Allergien, Fettleibigkeit, Unfruchtbarkeit, sowie Krebs und Herzerkrankungen. Wir vergiften also nicht nur unsere Umwelt, sondern auch uns selbst. Schön dumm, oder?

Aber was kann man eigentlich dagegen machen und was wird schon gemacht?

Als aller erstes ist es immer eine gute Idee, den eigenen Plastikverbrauch zu minimieren. Dies gestaltet sich in konventionell Geschäften aber leider oft als schwierig; alles ist mindestens in eine Lage Plastik eingewickelt. Eine Sammlung der unnötigsten Verpackungen findest du hier. Grade in Großstädten wie Berlin finden sich aber mittlerweile immer mehr Unverpackt-Läden. Grade bei unverpackter und mikroplastikfreier Kosmetik muss man aber schnell mal etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer das nicht möchte kann auch nach guter alter Hausfrauen-Art einen Großteil des täglich Benötigten selber herrstellen. Darüber gibt es zahlreiche Bücher, wer aber sparen möchte, findet selbstverständlich online Rezepte im Überfluss. Ich empfehle hier für Smarticular. Im Bereich der Bekleidung ist das Kaufen von Naturfasern empfehlenswert.

Leider reicht das Rückschrauben des eigenen Verbrauchs nicht mehr. Wie bei so vielem, ist hier die Politik gefragt. Deutschland bewegt sich in dieser Hinsicht nach und nach in die richtige Richtung. Nachdem die EU verkündete, ab 2021 Einwegplastikartikel, für die es brauchbare Alternativen gibt, zu verbieten, stellte Bundesumweltministerin Svenja Schulze Ende 2018 den “5-Punkte-Plan des Bundesumweltministeriums für weniger Plastik und mehr Recycling” vor. Die Umweltorganisation WWF kritisiert:

„Der Fünf-Punkte-Plan setzt an einigen richtigen Hebelpunkten an, schwimmt aber oft im Fahrwasser der ohnehin laufenden EU-Strategie mit, ohne dort herauszuragen. Insgesamt sind wenig neue Akzente der Umweltministerin zu sehen. Meistens – etwa bei Agrarfolien, Obst- und Gemüseverpackungen im Handel und Mikroplastik – setzt man in Deutschland weiter auf Dialog und Freiwilligkeit ohne eine gesetzliche Regelung in Aussicht zu stellen, sollte der Dialog nicht erfolgreich sein. Auch Zeitlinien und Umsetzungsfristen fehlen oft, beispielsweise beim Kunststoffeintrag in Kläranlagen und Begrenzung von Kunststoff in Kompost.”

Aber was lässt sich eigentlich gegen Plastik tun, welches schon im Meer ist? Hierzu 2 Projekte:

1. The Ocean Cleanup

Dieses Projekt entstand aus einem Schulprojekt des damals 16-jährigen Niederländers Boyan Slat, nach dem dieser im Sommerurlaub in Griechenland beim Schnorcheln mehr Müll als Fische erblickte. Das Ganze finanziert sich über Crowdfunding und funktioniert so: Ein 600 Meter langer,

Waves – Wellen; current – Strömung; parachute anchor – Schirmanker https://assets.theoceancleanup.com/app/uploads/2019/08/ TOC_illustration_system-640×502.png

röhrenförmiger Schwimmkörper welcher an der Unterseite mit 3 Meter langen Schürzen ausgestattet ist, wird in einem der 5 größten weltweiten Plastikstrudel platziert. Es kreiert mehr oder weniger eine Küste, wo keine ist. Sowohl das System, als das Plastik werden von der Strömung transportiert. Das System wird jedoch durch einen Art Gewicht verlangsamt, wodurch das schneller treibende Plastik gegen das Rohr gespült wird. Das Rohr bildet eine weite U-Form, wodurch das Plastik in der Mitte des Bogens in einem Container gesammelt werden kann. Dieser Container wird dann regelmäßig per Schiff geleert, die Ausbeute wird an Land gebracht und dort an geprüfte Recycling-Unternehmen verkauft. Seetiere können das Konstrukt einfach umschwimmen oder unter ihm hindurch schwimmen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann die Organisation im Oktober 2019 zum ersten Mal nachhaltigen Erfolg mit ihrem System 001/B verzeichnen, nachdem der Vorgänger , von der Crew liebevoll Wilson getauft, Ende 2018 aufgrund etlicher Fehlfunktionen in den Hafen von Hawaii zurückkehren musste.

Zusätzlich enthüllte The Ocean Cleanup am 26. Oktober 2019 den Interceptor. Mit ihm bietet die Firma eine realistisch Lösung zum Filtern von Plastik direkt aus den Flüssen, welche das Plastik dann über teilweise tausende von Kilometern mitschwemmt und es letztendlich erst im Meer enden lässt. Diese Technologie ist in hohem Maße revolutionär, da 80% des Plastiks  welches in den Meeren landet, durch weltweit nur etwa 1000 Flüsse seinen Weg dahin bahnt und sich der Inceptor massenhaft produzieren lässt. Das Unternehmen verspricht sich deshalb einen effektvollen Einsatz in Flussdelten weltweit.

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2. Seabin Project

Dieses Unternehmen kümmert sich um das Einsammeln von Plastik aus Hafenbecken. Der sogenannte Seabin ist eine Art Unterwassermülltonne welche das umliegende Wasser hydraulisch ansaugt und filtert. Das Plastik bleibt in einem etwa einem Meter tiefen Zylinder hängen, währen das gereinigte Wasser wieder ausgestoßen wird. Die Seabin sind frei verkäuflich, kosten etwa 1000 € und mit elektrischem Strom betrieben. Aus eben diesem letzten Grund müssen sie auch in Hafenbecken fest installiert werden. Hinzukommt, das die Firma empfiehlt den Eimer einmal täglich zu lehren, da die Technologie sonst zu Verstopfung und Überlaufen neigt. Ein einziger Seabin ist in der Lage innerhalb eines einzigen Jahres über eine Tonne Plastik zu sammeln. Er wird in den Ecken der Hafenbecken montiert, da sich dort schon von Natur aus der Abfall sammelt. Der aktuellste Prototyp ist zusätzlich mit einer Membran ausgestattet, die auch in der Lage sein soll Mikroplastik und Ölreste aus dem Wasser zu filtern. Hier findest du, wie so etwas dann aussieht.

Zusätzlich zu mittlerweile zahlreichen Projekten zum Befreien der Meere von Plastik, finden sich aktuell immer mehr Alternativprodukte zu Einmalgegenständen wie Strohhalmen, dünne Plastiktüten und Plastikflaschen.

Alles in allem lässt sich also sagen, dass momentan so einiges ändert und verbessert. Auch beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der Problematik und die Präsenz in den Medien steigt. Momentan befinden sich zumindest die westlichen Industrienationen auf dem richtigen Weg, Klimaschutz liegt im Trend und auch das Erhalten des Ökosystems Meer ist dank Organisationen wie beispielweise Greenpeace, WWF und Nabu populärer denn je. Diesen Trend gilt es jetzt zur Norm zu machen.

Fotos: Unsplash, Wikipedia, The Ocean Cleanup