Heute schon geträumt? – Interessante Einblicke nach einem Interview mit Michael Schredl

person seated on grass

Vielleicht kennt ihr das auch. In manchen Nächten träumt man die verrücktesten Dinge, in anderen gar nicht, an manche erinnert man sich, andere bleiben nur als „Gefühl“ zurück. Oder es gibt Menschen in eurem Umkreis, welche jeden Tag etwas träumen.

Das hat mich in der letzten Zeit immer mehr interessiert. Aus diesem Grund führte ich ein Interview mit Michael Schredl, der im Mannheimer Schlaflabor arbeitet und dort verschiedenste Studien begleitet. Oftmals sind das Fragebogenstudien oder Schlaflaborstudien, dabei werden die Probanden im Schlaflabor direkt geweckt und befragt. Anschließend werden die Träume nach verschiedenen Aspekten, z. B. Bizarrheit, analysiert. Vorrangig untersucht er, was die Träumen mit dem Wachleben zu tun haben.

Vor kurzem hat das Team beispielsweise untersucht, ob Hundebesitzer öfter von Hunden träumen als Nicht-Hundebesitzer. Diese Annahme hat sich auch bestätigt, was sie aber überrascht hat, war die Tatsache, dass Personen, die als Kind negative Erfahrungen mit Hunden gemacht haben, immer noch negativ von Hunden träumen.

Diesem Experten konnte ich nun all meine Fragen stellen.

Zu Beginn habe ich ihn gefragt, wie entschieden wird, was man träumt und was im Gehirn dabei von statten geht?“

Die aktuelle Befundlage zeigt: Man träumt über Dinge, die man am Tag erlebt hat, vor allem emotionale, und die einen interessieren. Warum ist das so? Weil die Erlebnisse im Gedächtnis abgespeichert werden und der Schlaf bei der Gedächtnisspeicherung eine wichtige Rolle spielt. Herr Schredl meinte aber auch, dass „es die Forscher auch etwas verwirrt, weil man nicht 1 zu 1 von den Sachen träumt, die man erlebt.“ Also, ganz so einfach mit dem Abspeichern geht es nicht.

Viele Menschen und Forscher gehen davon aus, dass man beim Träumen übt, mit neuen Situationen besser zurechtzukommen, also deshalb Träumen so wichtig ist.

Aber was passiert nun im Gehirn beim Träumen?

Auf diese Frage hatte Michael Schredl auch keine genaue Antwort, weil es schwierig ist, die Hirnaktivität im Schlaf zu untersuchen. Es gibt aber die Annahme, die besagt, dass das ganze Hirn im Traum aktiv ist. Zum Beispiel ist das Sprachzentrum aktiv, wenn man im Traum spricht. So geht man davon aus, dass fast das ganze Gehirn an der Entstehung der Traumwelt beteiligt ist.

Nun wollte ich natürlich gern wissen, warum man sich nur an manche Träume erinnert?

Seine Antwort hat mich sehr überrascht: man geht davon aus, dass man immer träumt. Ob man sich nach dem Aufwachen daran erinnern kann, hängt aber von vielen Faktoren ab. Der wichtigste Aspekt ist, dass das Gehirn ein biologisches Organ ist, welches einige Zeit braucht, bis es vom Schlafmodus auf den Wachmodus umschaltet (bis zu 15 Minuten). In dieser Phase gehen Träume besonders leicht verloren.

So erinnert man sich auch eher an Träume, die emotional intensiv sind, wie zum Beispiel Alpträume.  Man kann seine Traumerinnerung aber verbessern, indem man sich nach dem Aufwachen die Zeit nimmt und darüber nachdenkt, ob man etwas geträumt hat.

Ihr habt vielleicht schonmal was vom Klartraum gehört oder im englischen lucid dreaming. In diesen Klarträumen weiß man während des Träumens, dass man träumt, und kann die Träume beeinflussen und steuern. Man kann die Fähigkeit erlernen oder man besitzt ein Naturtalent, um Träume zu steuern. Der Großteil der Menschen muss sich diese Fähigkeit durch viel Training aneignen. Für Herrn Schredl war das ebenfalls nicht sehr leicht. Er hat 3 Monate lang Realitätschecks durchgeführt. Das bedeutet, er hat sich 5 bis 10 Mal am Tag die Frage gestellt: „Träume ich oder bin ich wach“? Anschließend hat er um sich herumgeschaut, um festzustellen, dass alles der Gesetzmäßigkeit der Wachrealität entspricht. Wenn man diese Übung lange und konstant durchführt, fängt man auch im Traum an, sich diese Frage zu stellen. Irgendwann fällt einem im Traum dann auf, dass man sich nicht in der Wachrealität befindet. Dass etwas nicht stimmt, erkannte Herr Schredl zum Beispiel daran, dass er durch bloßes Konzentrieren weiterspringen konnte, als es im Wachleben möglich gewesen wäre.

Oftmals werden Klarträume auch im Sport genutzt. So hat Herr Schredl eine Studie zum Dartwerfen durchgeführt. Sie haben herausgefunden, dass man Bewegungsabläufe im Traum perfektionieren kann, aber kein neues Wissen erlangen kann. Diese Methode wird im Spot auch im Wachen angewendet, es heißt dann mentales Training. Doch im Schlaf zu üben, ist natürlich noch spannender.

Interessiert hat mich zum Thema Träumen auch, wie lange so ein Traum dauert und inwiefern es Unterschiede hinsichtlich des Geschlechtes und des Alters gibt.

Zu der ersten Frage hat er eine interessante Antwort. Im Gegensatz zu vielen Filmen, wo die Traumwelt schneller ist, läuft ein Traum in der Realität in Echtzeit ab. Aber im Traum gibt es viele Schnitte. So erlebt man beispielsweise den Weg zur Schule: Man träumt nicht jeden einzelnen Schritt, sondern die Passage, wie man aus dem Haus geht, dann wieder ein Stück, wie man Straßenbahn fährt, und dann zum Beispiel, wie man seine Freude auf dem Hof begegnet, das aber jeweils in Echtzeit. Insgesamt erhält man dann den Eindruck, dass viel passiert. Es gibt niemanden, der träumt, zwei Stunden im Wartezimmer einer Arztpraxis zu sitzen.

Betrachtet man das Geschlecht und das Alter, dann spielen jeweils die Interessen eine große Rolle. So träumen Kinder öfter von Tieren als Erwachsene, weil sie einen stärkeren Bezug zu diesen haben. Männer träumen im Vergleich zu Frauen mehr von Sexualität, da sie sich tagsüber mehr Gedanken dazu machen.

Ich hoffe durch diesen kleinen Einblick habe ich etwas Interesse in den einen oder anderen Geweckt vielleicht sich mehr mit diesem viel Schichtigen Thema zu befassen oder sogar lucid dreaming aus zu probieren. Ich habe auf jeden Fall Lust bekommen, meine Träume ein wenig selbst zu gestalten.

Kunst und Körper

Hallo, du schöner Mensch!

Die Präsentation der künstlerischen Werkstätten des 13er Jahrgangs findet diese Mal durch die Pandemie bedingt online in Form eines Blogs statt. Vielleicht aber auch ein schöner Weg, die Kunstwerke in aller Ruhe und jederzeit betrachten zu können…

Wir sind sehr stolz auf die Kreativität, die Ausdauer und den Mut unserer Künstler*innen und ihre intensive Auseinandersetzung mit politischen, feministischen, kunstimmanenten und vor allem menschlichen Themen!

Es geht auch um dich, du schöner Mensch!
Schau doch mal rein auf unserer Homepage, ganz unten bei den Projekten:
https://www.kurt-schwitters.schule

Oder direkt hier:
https://sway.office.com/MPgHojDrj3PfYUZi?ref=Link

Der Kunstfachbereich der Kurt-Schwitters-Schule

“Antirassismus geht uns alle an”| Interview mit Filiz Polat

Filiz Polat – Mitglied des Bundestags

Filiz Polat ist Abgeordnete des Deutschen Bundestags für die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Sie kommt aus Niedersachsen und vertritt ihre Fraktion im Bundestagsausschuss für Inneres und Heimat und stellvertretend im Ausschuss für Menschenrechte. Sie ist studierte Volkswirtin und Sprecherin der grünen Fraktion für Migration und Integration.

qurt.news: Was schlagen Sie vor, um Antirassismus in Schule und Alltag prominenter zu machen?

Filiz Polat: Antirassismus geht uns alle an, trifft aber nicht jeden gleichermaßen. Es ist ganz wichtig, dass das jede und jeder von uns als Leitsatz verinnerlicht und das wir uns alle unserer Privilegien bewusst sind. Das gilt, gerade wenn wir nicht zu einer Minderheit gehören die von Rassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus betroffen ist. Zu einer konsequenten antirassistischen Politik gehört einerseits, Menschen, die diskriminiert werden, zu schützen. Das ist Aufgabe des Staates und der Zivilgesellschaft. Auf der anderen Seite bedeutet es, zu erkennen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft schon lange tief verwurzelt ist und es dadurch für viele Menschen Benachteiligungen gibt, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ein Beispiel: über Jahrzehnte wurden Männer, die Männer geliebt haben, oder Frauen, die Frauen geliebt haben, strafrechtlich verfolgt. In Deutschland war das bis weit ins 20. Jahrhundert hinein so und das hat natürlich zu Nachteilen geführt, auch am Arbeitsmarkt.. Es gibt einfach strukturelle Benachteiligungen und die gilt es auszugleichen. Das bedeutet Platz zu machen, damit die Vielfalt in unserer Gesellschaft auch in den Führungsetagen sichtbar wird. Ein ganz wichtiger Baustein ist die Schule. Hier gilt es das alles zu thematisieren und vor allem mehr über Rassismus und die dahinter stehenden Strukturen zu lernen. Ein Beispiel ist der Kolonialismus, der bis heute wirkt. Gleichzeitig geht es darum, Vielfalt sichtbar zu machen. Unsere Schulbücher sind doch sehr weiß und zeigen nicht die Realität, wie unsere Schülerschaft zusammengesetzt ist oder wie bunt mittlerweile Familien sind.

qurt.news: Frau Polat, wir führen in Deutschland ja nicht zum ersten Mal eine öffentliche Debatte über Rassismus in der Gesellschaft. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Qualität dieser Debatte verändert?

Filiz Polat: Das ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist doch eine andere Qualität, weil wir jetzt wirklich auch über Rassismus reden und nicht nur über Rechtsextremismus. Früher lag der Fokus sehr stark auf Rechtsextremismus und damit einhergehender Gewalt. Heute sprechen wir auch durch die Black-Lives-Matter-Bewegung mehr über das Thema Rassismus, was Rassismus heißt, in all seinen Facetten und wie dieser in unseren Institutionen und unserer Gesellschaft strukturell verankert ist. Viele Menschen fangen an sich dabei selbst zu reflektieren und über ihre Privilegien nachzudenken. Natürlich nicht alle, denn wenn ich selbst von Rassismus nicht betroffen bin und es mir gut geht, zumindest was das Thema anbetrifft, warum soll ich mich damit auseinandersetzen? Das ist erstmal der bequemere Weg, doch mittlerweile fängt zumindest ein großer Teil der Bevölkerung an, darüber nachzudenken: Wie geht es Menschen in Deutschland, wenn sie von Rassismus betroffen sind? Und was hat das mit mir zu tun? Ich glaube diese Qualität ist schon anders. Andererseits haben wir, auch durch die rechtsextreme Partei, die mittlerweile in den Parlamenten in Bund und Land sitzt, sehr krasse Debatten. Sie werden sehr emotional, sehr populistisch und mit Worten geführt, die versuchen nationalsozialistische Sprache wieder hoffähig zu machen. Damit wird  die Debatte insofern vergiftet, dass vermeintlich die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, wenn man bestimmte Wörter heute nicht benutzen sollte, wie zum Beispiel das N-Wort. Dieser Rechtspopulismus ist rassistisch und eine Gefahr für unsere Demokratie und unser Zusammenleben.

(…)

qurt.news: Es wird ja im politischen Diskurs grade wieder viel über Rassismus und Fremdenhass gesprochen. Wie kriegt man die Politik dazu, dass dort besprochene auch wirklich umzusetzen?

Filiz Polat: Wir haben jetzt auf Bundesebene gerade nach den Anschlägen in Halle und Hanau insofern Bewegung in die politische Auseinandersetzung bekommen, als das auf Druck der Zivilgesellschaft ein sogenannter Kabinettsausschuss eingerichtet wurde, wo sich verschiedene Ministerinnen und Minister zusammengesetzt haben, um ein Maßnahmenpaket gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu erarbeiten. Das ist im November verabschiedet worden und wird jetzt gerade umgesetzt. Meine Hauptkritik an diesem Maßnahmenpaket ist, dass die Bundesregierung nicht selbst reflektiert, wo in den eigenen Strukturen Rassismus zu bekämpfen ist. Eine wichtige Forderung von Menschen, die Diskriminierung erfahren, ist zuzugeben, dass auch der Staat diskriminiert. Schwarze Menschen berichten vom sogenannten racial profiling. Wenn man Schwarze Menschen in Deutschland trifft,  sagen sie: „Es gibt keine Woche, wo ich nicht einmal am Bahnhof von der Polizei kontrolliert werde“. Jede*r, der*die nicht schwarz ist, kann hingegen an einer Hand abzählen, wie oft er*sie in einem Jahr anlasslos von der Polizei kontrolliert wird. Es muss den Staat interessieren, die entsprechenden Ursachen zu eruieren. Das ist ja kein Zufall, was steckt dahinter? Und dem verweigert sich die Bundesregierung auch mit diesem Maßnahmenpaket. Was mir besonders wichtig ist: Wir haben ja einen Diskriminierungsschutz in Deutschland, verankert im Grundgesetz in Artikel 3. Ausdruck findet dieser im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Wenn ich diskriminiert werde, dann kann ich das zivilrechtlich geltend machen. Dieses Antidiskriminierungsgesetz ist bis heute viel zu schwach, weil es zum Beispiel staatliche Diskriminierung nicht beinhaltet. Das müsste man dringend ändern, auch aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen Deutschlands. Dem ist aber die Bundesregierung genauso wenig nachgekommen, das heißt überall, wo es um wirklich wichtige gesetzliche Maßnahmen für einen stärkeren Diskriminierungsschutz geht, bleibt die Bundesregierung tatenlos. Immerhin macht sie jetzt einen großen Schritt in Richtung Forschung. Wir haben sehr wenig Daten darüber, wie Rassismus wirkt und wie er historisch bedingt ist. Da investiert die Bundesregierung ein wenig Geld, um hier die Datenlage zu verbessern. Das ist gut.

(…)

qurt.news: Angesichts des wieder aufflammenden Konflikts im Nahen Osten kam es in den vergangenen Wochen zu antisemitischen Aussagen und Taten im Rahmen pro-palästinischer Demonstrationen. Was kann die Politik und was können wir als Schüler*innen machen, um dem entgegenzuwirken?

Filiz Polat: Der Antisemitismus in Deutschland hat viele Gesichter. Er drückt sich in verschiedenen Formen aus, ganz wichtig ist, dass man sich als Schüler*in mit Antisemitismus und den Formen von Antisemitismus auseinandersetzt. Natürlich auch wenn es darum geht, die außenpolitische Dimension, hier den Nahostkonflikt, im Unterricht zu thematisieren. Es ist wichtig, dass man die Mechanismen lernt und den  Unterschied erkennt zwischen Israel-Kritik und ganz klassischem Antisemitismus. Wenn zum Beispiel die doppelte-Schuld-Frage eine Rolle spielt, also das “das was den Juden angetan wurde, jetzt die Juden mit den Palästinensern antun”, dann ist das Antisemitismus. Es ist wichtig, dass man das Schüler*innen aber auch Erwachsenen beibringt. Gerade wenn man in der Schülerschaft junge Menschen hat, die neu zugewandert sind aus einem Land, in dem ein ganz anderer historischer Hintergrund das Gespräch über die Shoah (Holocaust) bestimmt. Es wichtig, die verschiedenen Perspektiven einfließen zu lassen und auch vielleicht mal forsch zu diskutieren. Erklärungen helfen bei der Einordnung und wenn folglich antisemitische Sätze fallen, müssen diese ganz klar verurteilt werden.

(…)

qurt.news: Haben Sie konkrete Tipps, wie wir als überwiegend weiße Jugendliche bessere Verbündete im Kampf gegen Rassismus werden können?

Filiz Polat: Im Grunde geht es darum, Allianzen zu bilden. Rassismus und Sexismus sind oft zwei Seiten einer Medaille. Wenn man Feministin ist, dann ist es wichtig, dass Männer sich selbst reflektieren und an der Seite von Frauen stehen. Das kann man zum Beispiel bei den Debatten, dass Frauen abends oftmals Angst haben, alleine nach Hause zu gehen. Ein erster Schritt wäre, dass Männer sich mal Gedanken machen sollen, warum das so ist. Und sich auch mit Frauen darüber austauschen, was das bedeutet, mit diesem Grundgefühl aufzuwachsen und das schon als selbstverständlich anzusehen. Deswegen ist es wichtig zu schauen, dass man überall, wo es um Diskriminierung geht, Allianzen schmiedet und im Gespräch bleibt. Das gilt gerade für die Menschen, die in dem Fall nicht von dieser Diskriminierung betroffen sind. Ich persönlich setze mich jetzt zum Beispiel sehr intensiv mit Inklusion von Menschen mit Behinderung auseinander. Was kann ich tun, um inklusiver zu denken und zu handeln? Man kann sich nicht ständig damit beschäftigen, aber man kann sich das für sich selbst vornehmen oder eben gemeinsam mit Freund*innen Verbündete suchen. Und das in seinem eigenen Umfeld oder an der eigenen Schule thematisieren. Es ist für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, bestärkend, wenn nicht nur sie selbst die Themen ansprechen. Wenn ich jetzt als eine Frau mit türkischen Wurzeln in der Klasse angefeindet werde, möchte ich das nicht thematisieren müssen, sondern ich freue mich, wenn das meine Klassenkameradin anspricht.

qurt.news: Wie können junge Menschen politisch aktiv werden? Wie kann man auch wirklich was erreichen? Das Wahlrecht bekommen wir ja erst ab 18 und jugendpolitische Bewegungen wie „Fridays for Future“ werden meist belächelt.

Filiz Polat: Ich bin natürlich auch für die Absenkung des Wahlalters. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das wirkungslos ist, was diese Generation schon erreicht hat. Ich selber habe ja auch angefangen politisch aktiv zu werden, noch bevor ich volljährig geworden bin. Mich hat motiviert, zu sehen, dass das, was ich angesprochen habe gehört wird und umgesetzt wird. Manchmal dauert es zwar länger und manchmal ist es wirklich ein Bohren dicker Bretter. Gerade als junger Mensch ist man oft ungeduldig, man will schnell was erreichen und das ist auch gut so. Und wenn man sich zusammenschließt, kann man auch richtig was erreichen, Greta Thunberg ist hierfür nur eines von vielen Beispielen. Wichtig ist, sich ein konkretes Projekt vorzunehmen. Nehmen wir das von mir angesprochene Beispiel Schule und Menschen mit Behinderung. Wie kann eine Schule inklusiv aussehen? Was sind die wichtigsten Sachen, die man vielleicht sogar ganz schnell umsetzen kann und was dauert vielleicht etwas länger? Oder eben beim Thema Rassismus. Da kann man sich eine Woche auszusuchen und eine Projektwoche veranstalten und dann dieses Thema auch mit Menschen von außen bearbeiten. Schule soll ja auch ein Raum sein, der offen ist und Reflektion von außen einholt. Spannend wäre auch, ein Schulbuch komplett umzugestalten. Wie kann eigentlich ein Schulbuch im 21. Jahrhundert aussehen? Wie kann es die Gesellschaft in seiner Realität der spiegeln? Jede*r kann was dazu beitragen, jede*r kann aktiv werden.

qurt.news: Was machen die Grünen, um Diskriminierung jeder Art in der Gesellschaft einzuschränken? Gibt es konkrete Ziele?

Filiz Polat: Wir haben drei zentrale Säulen, wie wir auf strukturellen Rassismus strukturelle Antworten geben. Wir wollen ein scharfes Schwert im Kampf gegen Diskriminierung und deswegen fordern wir ein Bundesantidiskriminierungsgesetz, was keine Ausnahmetatbestände, wie im aktuellen Gesetz vorgesehen, zulässt. Zum anderen ist es beim Diskriminierungsschutz im Moment so, dass man nur gegen private Diskriminierung vorgehen kann, aber nicht, wenn der Staat, also Behörden, diskriminierend handeln. Das ist eine der wesentlichen Änderungen, die wir fordern. Wichtig dabei ist auch, dass man in ganz Deutschland ein Netzwerk von Beratungsstellen hat. Die meisten Menschen wissen nicht, wann sie und wie sie Antidiskriminierung geltend machen können, deshalb sind Ansprechpartner*innen vor Ort besonders wichtig. Damit kommen wir schon zur Zivilgesellschaft. Sie ist ein ganz, ganz wichtiger Partner für den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, aber auch für großflächige politische Bildung. Um die Zivilgesellschaft zu stärken, fordern wir ein Demokratiefördergesetz, das heißt, dass man sich nicht von einem Jahr zum nächsten um Projektgelder bewerben muss und sich von Projekt zu Projekt hangelt, sondern dass man wirklich strukturell gefördert wird und verlässliche Strukturen schafft. Der dritte große Baustein sind Repräsentation und Teilhabe. Dafür wollen wir erstmalig ein Gesetz auf den Weg bringen, welches positive Fördermaßnahmen für Menschen, die strukturell benachteiligt werden, ermöglicht. Denn eine chancengerechte Gesellschaft gestalten wir nur, wenn alle gleichberechtigt am Tisch sitzen können.

qurt.news: Vielen Dank.

 

Das Gespräch führte Paula Moritz.

 

Heile Welt?

Ein Jahr nach der Ermordung George Floyds blicke ich zurück auf das was war und das was ist.

Es grassiert eine Krankheit. Eine Krankheit, die die ganze Welt in Atem hält. Corona ist präsent und hat mehr oder weniger starke Auswirkungen auf jeden von uns.

Doch es grassiert noch eine andere Krankheit und das schon über Jahrhunderte, eine Einstellung, die Menschen das Leben kostet. Es ist der Rassismus. Er ist genauso aktuell wie Corona und hat ebenfalls seine Opfer zu verzeichnen.

Vor einem Jahr (Mai 2020):

Ich sitze  zu Hause, die Empfehlungen des social-distancing im Hinterkopf. Ich habe mir eine Blase erschaffen, die zunächst noch heil ist. Eine kleine heile Welt, hier bei mir zu Hause. Ich öffne Instagram und sehe, wie Sänger von zu Hause musizieren, Stars ihre Haustiere in die Linse halten oder meditieren, um sich selbst zu finden und wie Livestreams tausendfach geklickt werden. Ich sehe TikToks, Corona – Memes, Diskussionen über Schönheitsoperationen, Fan-Accounts, die für ihre liebsten Stars aufwendigste Edits posten, einen Oliver Pocher, der sich über „Influencer“ aufregt und mittendrin in dem Meer aus Videos, Fotos und Livestreams – ein Video.

Ein Video datiert auf den 25. Mai 2020. Ein Video, das einen US-Amerikanischen Polizisten in Minneapolis (USA) zeigt, der einen schwarzen, unbewaffneten Mann mit seinem Knie auf den Boden drückt. Das Knie des Polizisten ruht im Nacken des Mannes, der unter ihm keucht und nach Luft ringt. „Please, please I can’t breathe. My stomach hurts. My neck hurts. Everything hurts. They’re going to kill me“[Bitte, Bitte, ich kann nicht atmen. Mein Bauch tut weh. Mein Nacken tut weh. Alles tut weh. Sie werden mich töten]. Passanten versuchen mit den Polizisten zu diskutieren. Sie machen darauf aufmerksam, dass die Nase des Mannes blutet.

Der Polizist bewegt sich aber nicht von der Stelle, er scheint  sich seinem Vorgehen sehr bewusst zu sein. „He can’t move. He stops breathing“ [Er kann sich nicht bewegen. Er hört auf zu Atmen]. Drei weitere Polizisten sehen zu und unternehmen nichts. Der schwarze Mann wimmert und wiederholt immer wieder: “I can’t breath, I can’t breath“ [Ich kann nicht atmen. Ich kann nicht atmen]. Einer der Passanten ruft „He is enyoing this“ und wirft damit dem Officer vor, er genieße es George Floyd die Luft abzuschneiden. Und immer noch stehen die Kollegen des Polizisten daneben und tun nichts. Irgendwann verliert der Mann das Bewusstsein.

Der Name des Mannes ist George Floyd, war George Floyd. Nachdem der Officer ihm ungefähr 8 Minuten die Luft abgedrückt hat, verliert er das Bewusstsein und erlangt es später auch nicht wieder. George Floyd ist tot.

Portrait George Floyds im Berliner Mauerpark (Creative Common)

Ich tauche tiefer ein und gehe auf den Hashtag #justiceforgeorgefloyd; es taucht ein weiteres Video auf. Zu sehen sind wütende Menschen, die vor dem Haus des Polizisten stehen. „Justice for George Floyd“ [Gerechtigkeit für George Floyd], wird gerufen. Die Frau hinter der Kamera läuft an einer Reihe von 75 Polizisten vorbei, die zum Schutz dieses einen Polizisten eine Mauer vor seinem Haus gebildet haben. Dabei sagt sie an den Zuschauer gerichtet: “Look how f****** many people are protecting this killers house“. Die Menschen sind wütend. Sie sind nicht mehr länger still. Sie machen ihrem Ärger Luft.

Ein weiteres Video taucht auf. Eine schwarze Frau, die mit wutverzehrtem Gesicht erklärt, dass sie es satt hat, friedlich zu sein. Sie hat zwei Brüder durch Polizeigewalt verloren. Ich klicke auf den nächsten Beitrag und sehe einen schwarzen Jungen, der über seine Verzweiflung singt. „I just want to live“, singt er. Ein anderer  rappt über das Leben als schwarzer Mann in den USA. Und es geht endlos so weiter. Mitleidsbekundungen, wütende Ansprachen, Beiträge mit der Bildunterschrift „Black Lives Matter“, pragmatische Hinweise zum Unterzeichnen von Petitionen und immer so weiter.

Das Internet ist in Aufruhr. Je weiter ich scrolle, desto mehr verabschiedet sich die heile Welt der Blase, die ich mir aufgebaut habe. Die Realität hat das Ruder wieder in die Hand genommen.

 

Racism is not getting worse, it’s getting filmed –Will Smith

[Rassismus wird nicht schlimmer, es wird gefilmt]

 

Heute (Mai 2021):

Heute jährt sich der Todestag von George Floyd. Seit diesem Tag ist viel passiert. George Floyds Tod war der Auslöser weltweiter Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dabei kam es sogar teilweise zu Ausschreitungen. Es war als würden die Menschen endlich wachgerüttelt und für ein Thema sensibilisiert werden, dass schon seit Jahrhunderten ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft darstellt.

Viele Menschen, die mit der Thematik Rassismus und Polizeigewalt wenig zu tun hatten, weil sie selbst davon nicht betroffen sind, waren gezwungen zuzuhören.

BLM-Protest in Paris, Juni 2020
(Thomas de Luze via Unsplash)

Das „Black Lives Matter“- Movement, welches ursprünglich im Jahr 2013 begann, bekam im Zuge dieses Vorfalls eine vorher noch nie so groß gewesene Aufmerksamkeit. Der Zuwachs war enorm. Es tauchten immer mehr Videos von ähnlichen Gewalttaten auf und immer mehr Menschen teilten ihre Erfahrungen, weil ihnen endlich zugehört wurde. Man sollte die Namen der Opfer  nennen und nie vergessen. Das war eine der vielen Botschaften die, diese Menschen verbreiteten. 

Aber was hat sich im Fall George Floyd getan und wie sieht es heute mit dem „Black Lives Matter“-Movement aus?

Im Fall George Floyd kam es nach hohem gesellschaftlichen und medialen Druck im April 2021 zu einem Schuldspruch des Ex-Polizisten Derek Chauvin (dem Mörder von George Floyd). Allgemein ist ein solches Urteil bei Fällen von Polizeigewalt aber leider eher selten. Das Strafmaß ist bis heute noch nicht bekannt und wird voraussichtlich am 16. Juni verkündet. Den drei ebenfalls anwesenden Polizisten soll 2022 wegen Beihilfe der Prozess gemacht werden.

Des Weiteren wurden die Angehörigen von George Floyd von dem neuen US- Präsident Joe Biden ins Oval Office eingeladen. Mit dieser Geste grenzt sich dieser klar von seinem Vorgänger Donald Trump ab. Außerdem  wird zurzeit über ein nach George Floyd benanntes Polizeireform-Gesetzt in den USA verhandelt. Dieses Gesetz würde unter anderem eingeschränkte Immunität von Polizisten und eine nationale Datenbank für polizeiliches Fehlverhalten beinhalten. Für die endgültige Verabschiedung dieses Gesetzes werden aber sowohl Stimmen der Demokraten als auch der Republikaner benötigt.

Das „Black Lives Matter“- Movement hat zwar durch den Vorfall unglaublich viel Aufmerksamkeit,  Anerkennung und Zuspruch erhalten. Trotzdem ist diese Aufmerksamkeit und „Wokeness“ mit der Zeit wieder weniger geworden. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Die meisten Menschen sind schon längst wieder in ihrem gewohnten Lebensablauf zurückgekehrt. Der  damals herrschenden „Ausnahmezustand“ ist vorbei. Der „erste Schock“ wurde sozusagen „überwunden“. Es gibt keine Massenproteste mehr und andere politische Themen sind in der Vordergrund gerückt.

Außerdem bekam die Bewegung vor einem Jahr vor allem auch einen großen Zuwachs an jungen weißen Menschen. Diese werden aber mittlerweile nicht mehr täglich mit der Thematik Rassismus konfrontiert, da sie ihn nicht Tag für Tag erleben müssen. Und da die große Medienwelle zu diesem Thema vorbei oder zumindest kleiner geworden ist, hat sich bei vielen Menschen der Fokus verschoben. Zu dem kommt, dass die Bewegung durch konservative, rassistische Propaganda teilweise in ein schlechtes Licht gerückt wurde.

Klar ist auf jeden Fall, dass der Tod von George Floyd ein Moment war, der viele Steine ins Rollen gebracht hat. Und das weltweit. Klar ist aber auch, dass das Problem Rassismus heute immer noch so aktuell wie vor einem Jahr ist.

Literaturwettstreit 2021

Viele Veranstaltungen mussten in diesem Schuljahr abgesagt werden, aber der Literaturwettstreit konnte stattfinden. Das verdanken wir den Schülerinnen Johanna, Mia und Johanna aus Jahrgang 12: Mit großer Begeisterung und enormen Engagement hat das Team selbstständig über mehrere Monate die gesamte Planung, Organisation und Durchführung geleistet. Dabei ist ihnen nicht nur gelungen, das gesamte Projekt in ein Online-Format zu überführen, sie haben auch eine besonders gelungene Preisverleihung ausgerichtet.

Eine große Zahl an bemerkenswerten Beiträgen hat die Jury, die in diesem Jahr von einem ehemaligen Schüler, Mario Salazar, beraten wurde, vor eine schwere Wahl gestellt.

Vielen Dank allen Teilnehmer*innen!
Die Gewinnerinnen des Literaturwettstreites 2021 sind
Frederike, Ola, Paula und Karla
LitWet

Großer Dank an die Jurorinnen, Marlene, Cora, Laura, Marie und Johanna, die sich intensiv mit allen Beiträgen auseinandergesetzt haben!

Dank auch den zahlreichen Buchpreisespenden von der Buchhandlung

Uslar & Rai, der Buchhandlung am Bayrischen Platz, der Buchhandlung Paul & Paula und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Literaturwettstreit 2021 – Beiträge

Wunderbare, nachdenkliche, bewegende, philosophische, humorvolle…. Texte wurden beim Literaturwettstreit 2021 eingereicht. Der Jury fiel die Wahl der Gewinnertexte nicht leicht. Hier einige der Beiträge:

Ein perfekter Sommer?

Der Sommer dachte eines sonnig warmen Sommertages: „Es ist nicht in Ordnung. Ich habe keine Lust mehr eine Selbstverständlichkeit zu sein. Alle haben sie ihre Erwartungen an mich und jeder wünscht sich etwas Anderes von mir. Und in allem soll ich das Beste geben. Dem Menschen die Erfüllung aller Wünsche, die sie mit einem perfektem Sommer verbinden. Der Natur, den Pflanzen und Tieren das ideale Wetter, damit das Wachsen und Reifen in perfekten Bahnen geht und seinen Lauf nimmt.! Perfekt! Immer nur perfekt soll ich sein. Nie, ja, nie darf ich in irgendeiner Weise Schwäche zeigen, so wie es meinen geschätzten Kollegen dem Frühling, dem Herbst und dem Winter gestattet ist. Ihre kleinen Unzulänglichkeiten gelten als charmant und akzeptabel. Gönne ich mir aber eine Abweichung im Ablauf der Tage, so wird geschimpft, gezetert, geflucht und verdammt. Und recht machen kann ich es niemandem. Geschimpft und geklagt wird immer.

Ach, wer um alles in der Welt hat je bestimmt, dass ich perfekt sein soll??? Perfekt! Wie ich dieses Wort hasse!!!!“

Jedem den er traf warf der Sommer in diesem Jahr seine Worte zu: seinen Jahreszeitenkollegen, den Wettergeistern, der Sonne, den Wolken und den Regenbogen, den Tieren und auch einigen jener Menschen, die sich noch darauf verstanden der Natur zu lauschen. Keiner aber wusste eine Antwort auf seine Klagen. Wie auch? Ein Sommer, mit kleinen oder großen Fehlern, war eben kein richtiger Sommer. Und eines besonders heißen Tages verließ der Sommer still und auch leise die große Bühne. Eigentlich hätte es ein besonders perfekter Tag werden sollen. Der Sommer……

Prokrastination

5h

Die Uhr tickt ich habe noch 5 Stunden. Was mach ich damit. 5 Stunden sind so lang. Es sind 300 Minuten und so viele Möglichkeiten. So viele Dinge, die ich tun könnte. Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Also sitze ich da und denke nach. Ich frage mich wer ich mal sein werde. Und dann überfällt mich die schreckliche Erkenntnis, dass ich nicht einmal weiß wer ich im Hier und Jetzt bin. Wer bin ich ohne die Einflüsse meiner Umwelt? Wäre ich genauso wie ich jetzt bin, wenn mein Umfeld anders wäre? Ganz bestimmt nicht. Zu viele Fragen und zu wenig Antworten. Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich eigentlich nichts weiß. Leider hat noch niemand die eine Formel der Lösung geschrieben. Niemand kennt alle Antworten und jeder von uns versucht für sich seine eigenen zu finden. So wie ich jetzt gerade…

4h

Die Uhr tickt ich habe noch 4 Stunden. Was mach ich damit. 4 Stunden sind so lang. Es sind 240 Minuten und so viele Möglichkeiten. Ich schenke mir ein Glas Wasser ein und stelle es auf meinen Tisch nur um es zwei Minuten später durch eine ungeschickte Hangbewegung umzuschmeißen. Und anstatt mich um die Sauerei zu kümmern. Sehe ich zu, wie die Wassertropfen nach und nach vom Tisch auf den Boden tropfen, wo sie eine kleine Pfütze bilden. Jetzt denke ich nicht. Ich starre einfach nur. Das Wasser unterliegt der Schwerkraft und das ist eine Tatsache genauso wie der Umstand das ich gerade prokrastiniere.

3h

Die Uhr tickt ich habe noch 3 Stunden. Was mach ich damit. 3 Stunden sind so lang. Es sind 180 Minuten und so viele Möglichkeiten. Ich reiße mich von dem Anblick der Wassertropfen los. Und tigere gestresst durch mein Zimmer. Stress. Ich hasse Stress. Manchmal überfällt er mich einfach plötzlich. Er überflutet mich dann und nimmt mir die klare Sicht. Im Grunde genommen stressen wir Menschen uns doch aufgrund von Strukturen, die wir selbst erschaffen haben. Manchmal ist es ganz gut, wenn man einen Schritt zurück tritt und sich das Gesamtbild anschaut. Und genau das sollte ich jetzt tun. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch und schreibe eine To-Do-Liste um etwas Struktur in das Chaos in meinem Kopf zu bringen.

2h

Die Uhr tickt ich habe noch 2 Stunden. Was mach ich damit. 2 Stunden sind gar nicht mal so lang. Es sind 120 Minuten und so viel zu tun. Ich blicke auf den Berg an Aufgaben, die noch zu erledigen sind und der letzte Rest meiner Motivation wandert in den Keller. Womit fange ich an? Ich klappe meinen Laptop auf und öffne das Schreibprogramm. Der Cursor blinkt vor sich hin. Er sieht verloren aus. So wie ich jetzt gerade…

1h

Die Uhr tickt ich habe noch 1 Stunden. Was mach ich damit. 1 Stunde ist so wenig. Es sind 60 min und so viel zu tun. Eigentlich lohnt es sich ja gar nicht mehr anzufangen…

Ganz normal

Ganz normal, wie ich

Abends in den beleuchteten

Straßen Berlins entlang lief,

auf dem Weg nach Hause,

durch dunkle und weniger dunkle

Gassen, Straßen und Parks

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Aus dem Fenster schaute

In der Hoffnung, vielleicht

Doch noch Sterne zu entdecken,

die jedoch, wie jede Nacht,

verschollen blieben

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Mich einpackte mit Jacken, Schals,

Mützen und Handschuhen um in den

Kalten Jahreszeiten nicht zu frieren

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

Durch die Mal hoch-

Und mal runterführenden Straßen Spazierte

Ganz meine Entscheidung, ob ich

dort hin gehen wollte oder nicht

Ganz normal

 

Ganz normal, wie ich

In die Gelben Bahnen stieg

Mit nur einem Ziel

Ich wollte dort hin

Dort, wo man alles erreichen kann,

wenn man es nur will

Ganz normal

Digitalisierung des Gesundheitssystems – Solidarität für alle?

In der deutschen Gesellschaft vollzieht sich ein Wandel. Der Altenquotient steigt, heute ist jede zweite Person älter als 45 Jahre und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Das belastet den Generationenvertrag, da mehr Menschen Leistungen wie die Altersrente beanspruchen, während weniger Menschen mit ihren Beiträgen die Töpfe füllen.

Auch die digitale Revolution wird immer mehr zu einem unumgänglichen Thema. Es droht der massenhafte Verlust menschlicher Arbeitsplätze, da viele Tätigkeiten in Zukunft wohl von effizienteren Computerprogrammen und Robotern ersetzt werden.

Digitaler Arztbesuch? Das Smartphone macht’s möglich.
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Chance Digitale Revolution

Doch der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) und digitaler Technologien birgt auch ungemeine Chancen. Grade im Sektor der gesundheitlichen Versorgung werden Algorithmen und digitale Sprechstunden mit Ärzt*innen in den nächsten Jahren wohl unabdingbar. Einer der großen Player wird hier wohl (wie so oft) der Onlineversandriese Amazon. Im Projekt 1492 erforschen Entwickler*innen, wie sie mithilfe von medizinischen Aufnahmegeräten und Health-Tracking-Apps an die Gesundheitsdaten der Kund*innen kommen. Die erhobenen Daten sollen dann in einer Art Cloud für medizinisches Personal zugänglich gemacht und archiviert werden. Die Daten der Kund*innen würden darüber hinaus analytisch ausgewertet. Anhand der Datenanalyse könnte der Konzern dann mögliche Erkrankungen vorhersagen und prophylaktisch passende Therapien vorschlagen, bevor die Krankheit je ausbricht. Amazon verspricht sich davon wohl einen zusätzlichen Gewinn über die Vermittlung kostenpflichtiger Arzttermine. Außerdem scheint die Firma am Aufbau eines eigenen Telemedizin-Netzes interessiert zu sein. Kund*innen könnten dann bequem von zuhause eine Sprechstunde bei einer spezialisierten Person ihrer Wahl wahrnehmen.

Unabhängig von Amazon entstehen auch Unternehmen, die zu medizinischen Chips forschen. Diese unter der Haut befindlichen, millimetergroßen Datenträger könnten als eine Art Krankenkassenkarte funktionieren. Der oder die Chiptragende kann auf ihm Informationen zu Vorerkrankungen, Allergien und vorhandenen Impfungen etc. speichern. Medizinisches Personal könnte diese dann im Notfall innerhalb weniger Sekunden abrufen, ohne dass der*die Patient*in dafür bei Bewusstsein sein muss.

Effizient, Einfach und Barrierefrei?

Zuerst einmal erhöht die Digitalisierung die Effizienz des Gesundheitssystem immens. Durch die Verwendung von KI können Fälle verglichen und besser diagnostiziert und behandelt werden. Die Quote der Fehldiagnosen ist bei KI deutlich geringer. Durch die oben erklärten Chips werden Pflegekräfte rechtzeitig über Vorerkrankungen, Allergien und weitere Umstände aufgeklärt. Das minimiert den Zeitaufwand und kann im Zweifel Leben retten. Kund*innen eines Telemedizin-Anbieters können virtuell Spezialist*innen aufsuchen, was die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer und den Aufwand verringert. Grade in Zeiten der Pandemie können digitale Sprechstunden bei minderen Beschwerden das chronisch unterbesetzte Gesundheitswesen entlasten. Auch im Kampf gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen können digitale Angebote hilfreich sein. Zu beachten ist jedoch, dass nicht alle Menschen Zugang zu einer ausreichend schnellen und zuverlässigen Internetverbindung haben, um sich auch in der gesundheitlichen Versorgung vorwiegend auf sie zu verlassen. Diesen Menschen bringen digitale Sprechstunden rein gar nichts, egal wie zeit- und kostensparend sie auch sein mögen.

Armut ist ein Gesundheitsrisiko

Digitale Technologien im Gesundheitswesen retten Leben, können Hindernisse senken und die Alltagsbelastung grade für medizinische Angestellte und auch Patient*innen senken. Es ist jedoch essenziell zu beachten, dass nicht alle Menschen den gleichen Zugang zu den neuen Verbesserungen haben werden. Grade im Bonus-Malus-System, also in Programmen, die gesundheitlich förderndes Verhalten mit Boni belohnen und schädliches Verhalten direkt oder indirekt bestrafen, beispielsweise durch höhere Beiträge, können viele nicht profitieren, weil ihre Umstände es nicht erlauben. Der Fokus liegt hier auf dem Verhalten der Einzelperson, gesundheitsschädliche Umstände wie Armut und unvermeidlicher Stress werden missachtet und benachteiligte Personen werden zusätzlich geringere Boni und somit höhere Beiträge gemaßregelt. Auf lange Sicht ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich eine soziale Spaltung zwischen Wohlhabenden, die sich ein gesundes Leben leisten können und Ärmeren, die das eben nicht können, herausbildet. Es entsteht ein potenzielles Spannungsfeld. Der Fokus auf die einzelne Person wirkt auch der gesellschaftlichen Solidarität entgegen, da der Anschein erweckt wird, jede*r sei für seine*ihre Gesundheit alleine verantwortlich, was so einfach nicht stimmt. Durch den Aufstieg des Gesundheitswesens zu eines Art Erziehungsunternehmen wird den Bürger*innen zusehends durch psychologische Impulse (Nudges) vorgeschrieben, wie sie ihr Leben führen sollen. Dies geschieht natürlich nicht explizit, findet aber statt, sobald gesundheitsschädliches Verhalten in finanziellen Nachteilen (höheren Beiträgen) resultiert. Bedenklich ist für mich auch, das privatwirtschaftlichen Unternehmen wie Amazon eine solche Macht überlassen wird. Die Erhebung abertausender Patient*innendaten, macht uns für Amazon transparent und manipulierbar, da sie wissen, was uns bewegt und wie es uns geht. Es muss klar bleiben, dass Konzerne immer eher an der Steigerung ihres Gewinns als am Wohl ihrer Kund*innen interessiert sein werden. Meiner Meinung nach ist es ein erhebliches Sicherheitsrisiko Amazon die Daten ohne staatliches Mitspracherecht zu überlassen. Generell bin ich nicht der Meinung, dass ein profitorientiertes Gesundheitssystem eine gute Idee ist. Die verheerenden Folgen für die gesundheitliche Absicherung zeigt sich wohl am privaten Gesundheitssektor der USA, wo fehlende Versicherung und horrende Arztrechnungen zum Alltag Vieler gehören.

Mit Blick auf die Leitfrage lässt sich sagen, dass die digitale Neuerung im Gesundheitswesen nicht das Solidaritätsprinzip als Fokus zu haben scheint. Verhaltensbasierte Versicherungen und das Prämienmodell hebeln die bisherige Solidarität der Stärkeren mit den Schwächeren aus und erschaffen stattdessen ein Gerechtigkeitsverständnis nach dem Äquivalenzprinzip, das den Schwächeren schadet, während es den Stärkeren zugutekommt, da sie nicht mehr für die Schwächeren aufkommen müssen. Auch 1492 bringt eine Reihe finanzieller und strukturellen Hürden mit sich, die alles andere als solidarisch sind. Um von Amazons Programmen profitieren zu können, muss man Geld und digitale Kompetenzen, sowie Zugang zu einer verlässlichen Internetverbindung haben.

Auch das Gesundheitswesen muss digitalisiert werden.
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Und wie geht’s weiter?

Meiner Ansicht nach bringt ein digitalisiertes Gesundheitswesen immense Vorteile mit sich. Es ist jedoch immens wichtig, dass alle Menschen, unabhängig ihrer ökonomischen und sozialen Lage, gleichermaßen von den Neuerungen profitieren können. Dafür braucht es, denke ich, eine Beteiligung des Staats an Angeboten wie 1492. Generell müssen Bund und Länder digital dynamischer und besser aufgestellt werden, um den nahenden digitalen Umbruch zu meistern und nicht von der schieren Übermacht von Tech-Giganten wie Amazon überrumpelt zu werden. Außerdem brauch es Konzepte, wie Menschen, die sich den digitalen Neuerungen nicht beugen können oder wollen einen Nachteilsausgleich erhalten. Auch älter und ärmere Mitbürger*innen verdienen eine moderne und effiziente gesundheitliche Versorgung. Es braucht, meiner Meinung nach, weiterhin Solidarität als Grundbaustein unserer Krankenversicherungen. Um diese zu erwirken, sollte man mehr über die Gefahren der vermutlich aus dem anti-solidarischen System resultierenden sozialen Ungleichheit sprechen. Studien beweisen, dass auch die Privilegierten unter einer zu großen Spaltung in der Gesellschaft leiden, sie werden geplagt von Stress und Burnout, Depressionen und Statusangst. Schlussendlich gilt es, die Frage nach Solidarität im Gesundheitssystem nicht technologisch zu verengen. Auch die Förderung von Migrant*innen und BIPOC als medizinisches Fachpersonal baut Hürden für strukturell benachteiligte Gruppen ab.

Damit der Altenquotient (das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentenempfangenden) nicht überproportional steigt, sind eine Steigerung der Fertilitätsrate mittels gezielten Anreizen (z.B. höheres Kindergeld, verlässliche Kita-Angebote, gesicherte & längere Elternzeit für beide Eltern) eine Idee. Auch von gezielter Migration junger Erwerbstätiger ist immer wieder die Rede. Sie ist eine Chance, den Generationenvertrag in Teilen zu entlasten, kann die Entwicklung aber nicht realistisch aufhalten, da dafür innerhalb der nächsten Jahr mehrere Millionen Menschen einwandern und sozialabgabenpflichtig eingestellt werden müssten.

Ein Weg aus dem Dilemma der steigenden Zahl Bedürftiger und der sinkenden Zahl Zahlender sind steigende Beiträge oder Kürzungen der Leistungen beziehungsweise eine teilweise Privatisierung, bei der bestimmte Leistungen, z.B. Zähne und Psychotherapie nur noch gegen Zuzahlung von der Versicherung gedeckt sind ein Lösungsansatz.

Wenn man Gesundheit für Alle haben möchte, sollte man auch darüber nachdenken, dass Renteneintrittsalter nach hinten zu verschieben, damit die Menschen länger ins umlagefinanzierte System einzahlen. Um Arbeit im Alter zu ermöglichen, sollten Konzerne über eine betriebliche Altersversorgung, flexible Arbeitszeitmodelle und geregelte Altersteilzeit nachdenken. Es braucht altersgerechte, ergonomische Arbeitsplätze, an denen sich auch der digitalen Technologien bedient wird. Unternehmen sollten den älteren Arbeitnehmer*innen mehr Homeoffice sowie einen flexiblen Übergang in die Ruhephase bieten. Auch Mentorenprogramme, in den ältere und jüngere Arbeitnehmer*innen in einer Art Buddy-System voneinander lernen, sollten in Betracht gezogen werden, um die Expertise der Älteren zu nutzen.

Darüber hinaus kann man auch darüber nachdenken die Private Krankenversicherung aufzulösen, damit alle Menschen in den Solidartopf einzahlen. Momentan ist es oft so, das Wohlverdienende nach einiger Zeit von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln, da hier die Einstiegsbeiträge im Zweifel geringer und die Leistung besser ist. Das kostet die gesetzliche Krankenkasse stark benötigtes Geld.

Durch Boni geförderte Programme, die zu gesundheitsbewussteren Verhaltensweisen “erziehen” sind eine weitere Methode, die Kosten der medizinischen Versorgung zu senken. Allerdings muss auch dieses Programm zwingend Solidaritätsprinzipien beinhalten und darf niemanden benachteiligen.

#NotAllMen und der Zorn der belästigten Frauen

Trigger-Warnung: sexualisierte Gewalt, Gewalt gegen Frauen, Mord

Ich bin wütend. Neulich bin ich abends nach Hause gefahren. Ich sitze also in der Tram und scrolle durch Instagram. Mir gegenüber sitz ein Typ, Anfang oder Mitte dreißig, die Beine breit, die Maske lässig unter der Nase hängend. Ich schenke ihm keine große Beachtung, habe ihn nur kurz wahrgenommen, als er einstieg und sich mir gegenüber niederließ.

Irgendwann stups er mich mit seinem Fuß an. Ich blicke auf. Er nickt mir zu und sagt „Na Süße? Kriegt man deine Nummer?“. Ich verneine und gucke dabei wahrscheinlich etwas irritiert, immerhin ist er wahrscheinlich 20 Jahre älter als ich. Er entgegnend jedenfalls, ich solle nicht gleich so sauer gucken, er hätte ja nur nett sein wollen. Er lehnt sich nach vorne und stützt sich auf seinen Knien ab. Mir ist das zu nahe, ich stehe auf und gehe zur übernächsten Tür. Er ruft mir noch etwas hinterher, ich ignoriere ihn und steige aus. Es ist nicht meine Haltestelle, aber ich sitze lieber ein paar Minuten in der Kälte, als weiter mit ihm in einer Bahn zu sein. Nachdem sicher ist, dass er mir nicht aus der Bahn gefolgt ist, entspanne ich mich ein wenig.

Der Rest der Fahrt ist ereignislos. Über Kopfhörer höre ich Musik. Es ist mittlerweile kurz vor 10 Uhr. Die Tram hält, ich steige aus. Die Ampel ist rot, ich bleibe also stehen. Von der Seite nähert sich mir ein Mann. Ich merke ihn erst nicht, er tippt mich an. „Hauptbahnhof?“, fragt er mich. Er spricht undeutlich, scheint betrunken zu sein. Ich reagiere nicht sofort und er fragt nochmal. Ich deute in die Richtung, wo die Bahn in Richtung Hauptbahnhof fährt. „Da lang.“, sage ich ihm. Er lächelt mich an, lehnt sich nach vorne – und stolpert gegen mich. Nicht sonderlich heftig, aber so, dass sich sein Körper für einige Sekunden in kompletter Länge gegen meinen presst. Ich schiebe ihn mit meinem Arm von mir weg. Mir ist ein bisschen schlecht.

Nachdem ich die Straße überquert habe, rufe ich eine Freundin an. Ich sage ihr, wo ich bin und das da ein Mann ist, der mir Angst macht. Mit schnellen Schritten laufe ich nach Hause und wende mich noch ein paar Mal um, um zu sehen, dass er mir nicht folgt. Tut er nicht, trotzdem habe ich in meiner Jackentasche meine Hand so um mein Schlüsselbund geballt, das zwischen jedem meiner Knöchel ein spitzer Schlüssel hervorragt. Das Handy in der linken, die improvisierte Waffe in der rechten Hand, komme ich zu Hause an. „Puh“, denke ich. „Vielleicht doch etwas überreagiert.“, sage ich meiner Freundin.

Nach ein bisschen Nachdenken finde ich nicht, ich hätte überreagiert. Innerhalb von 20 Minuten haben zwei verschiedene Männer mich, eine 17-Jährige, auf eine Weise angesprochen, die mir das Gefühl gab, ihnen ausgeliefert zu sein. Beide Male war ich in einer gut ausgeleuchteten Umgebung, beide Male befand ich mich in Hörweite anderer Menschen. Beide Male muss offensichtlich gewesen sein, dass ich Angst hatte, beide Male hat sich niemand eingemischt.

Diese Begegnungen sind nichts neues. Als Frau wird einem regelmäßig hinterher gepfiffen oder gerufen, man wird angestarrt, angemacht und beschimpft, grade wenn man seinen Unwillen äußert. Wissen wir alle, passiert ständig. Ist auch für mich nicht das erste Mal. In der U-Bahn hat mir mal einer richtig heftig an den Hintern gefasst. In einem vollen Wagon, umgeben von Beobachtenden. Da war ich grade 15 geworden. Ich glaube, ich hab in meinem Leben noch nie so geheult. Dreckig und ohnmächtig habe ich mich gefühlt.

Jede meiner Freundinnen kann Ähnliches, oft viel Schlimmeres berichten. Oft telefonieren wir, wenn wir vorher zusammen unterwegs waren, damit niemand verloren geht. Zwei von ihnen tragen immer Pfefferspray oder andere Waffen zur Selbstverteidigung an sich. Wenn ich unterwegs bin, grade wenn ich vor habe zu trinken, trage ich immer meine Doc Martens-Stiefel, um im Notfall rennen oder treten zu können. In der Bahn achte ich darauf, nicht zu viel Haut zu zeigen. Ich sitze aufrecht und achte darauf, meine Schultern breit zu halten, damit ich nicht als leichtes Opfer ins Visier übergriffiger Männer gerate.

All das gehört zu meinem Alltag. In meinem Hinterkopf schwebt immer der Gedanke an die Gefahr, die von den Männern in meiner Nähe ausgeht. Und ich bin weiß, körperlich nicht grade klein und trage kein Kopftuch. Ich will mir nicht vorstellen, wie angsteinflößend der Nachhauseweg für andere Frauen sein mag.

Das ist doch scheiße, oder? Das ich mich nicht sicher fühle, wenn ich allein bin. Und eben auch, dass ich mein Verhalten anpasse. Es gibt Klamotten, die ich nicht trage und Ort die ich nicht betrete, wenn es dunkel ist und ich allein unterwegs bin. Ich passe mich an, schränke mich ein, obwohl ich doch ganz eindeutig nicht das Problem bin. Vielen Frauen geht es genauso.

Das zeigt auch die Debatte um die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum, welche nach dem Verschwinden der 33-Jährigen Sarah Everard auf ihrem Nachhauseweg durch London entbrannte. Everard verschwand am Abend des 3. März. Sie trug helle Klamotten, Laufschuhe, war nicht betrunken, ging schon gegen halb zehn, wählte einen gut ausgeleuchteten Weg und kontaktierte ihren Freund, damit er wusste, wo sie war. Sarah tat alles, was jungen Frauen und Mädchen ein Leben lang eingetrichtert wurde, um sicher zu bleiben. Und trotzdem passierte ihr das Unaussprechliche. Mittlerweile sitzt ein Polizist wegen der Entführung und Ermordung Everards in Untersuchungshaft.

In Folge des Verbrechens an Sarah Everard entbrannte in Großbritannien und weltweit eine Debatte, in der Menschen, insbesondere Frauen, unter Hashtag wie #reclaimthestreets ihre Erfahrungen teilen und für Gesetze und Maßnahmen plädieren, die die Gefahr für Frauen im Alltag minimieren. Scheint einleuchtend, nicht wahr? Eine Frau, wird auf dem Nachhauseweg ermordet und Tausende Frauen sagen: „Es reicht! So geht das nicht weiter!“. Doch innerhalb von Stunden werden überall im Internet und in der Öffentlichkeit generell Rufe wie „Not all men“ (‚Nicht alle Männer‘) laut. Diese Menschen reden davon, dass nicht alle Männer Vergewaltiger, Mörder, Frauenhasser sind und versuchen damit den Aufschrei zu diskreditieren. Nicht wenige Männer machen den (leider ernstgemeinten) Vorschlag, Frauen sollen einfach nicht mehr so spät das Haus verlassen, wenn sie sich nicht sicher fühlen. Außerdem sein diese Frauen ja auch total hysterisch und würden komplett überreagieren. In einer Welt voller Feminist*innen und #Metoo könne die Lage doch gar nicht mehr so schlimm sein. Es handle sich nur um den nächste Schritt der männerhassenden Verschwörung, die den Männern ihre Positionen wegnehmen wolle, um sie dann an die BH-losen, unrasierten, radikalen  Feministinnen dieser Welt zu geben.

Aber darum geht es nicht. Es ist grundlegend falsch, Frauen einzuschärfen, es wäre ihre Schuld, wenn Männer sie bedrängen, belästigen, begrapschen. Klassisches sogenanntes „victim-blaming“, als die Schuldzusprechung des Opfers. Wenn Männer Frauen vergewaltigen, oder sie sexuell belästigen, dann tun sie das nicht, weil die Frau einen zu kurzen Rock oder ein zu freizügiges Oberteil tragen. Sie tun es, weil sie sich mächtig fühlen. Weil sie wissen, dass die Schuld immer noch in zu vielen Fällen beim Opfer gesucht wird, weil sie wissen, dass es selten zur Verurteilung kommt und dass Vergewaltigungen selten zur Anzeige und Strafverfolgung gebracht werden.

In der Debatte geht es nicht darum, Männer generell zu verurteilen oder ihre Rechte einzuschränken. Es geht um ein Klima, das es Frauen nicht erlaubt, sich frei und selbstbestimmt zu bewegen. Eine Gesellschaft, die Männern immer noch „sexuelle Fehltritte“ erlaubt und zu vielen von ihnen das Gefühl gibt, sich nehmen zu können was sie wollen. Es geht um die Aufarbeitung einer Vergewaltigungskultur, in der jede Frau einen Berg voll Erfahrungen mit übergriffigen Männern hat. Es geht darum, endlich ein zielführendes Gespräch darüber zu führen, dass 2018 an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem jetzigen oder früheren Partner umgebracht wurde. Das ist keine „Hexenjagd“ gegen alle Männer. Nein, der Feminismus ist nicht „endgültig zu weit gegangen“. Wir verlangen nichts Abwegiges. Wir wollen uns sicher fühlen. Wir wollen keine Angst mehr, vor jedem Mann haben müssen, der uns nachts auf der Straße begegnet. Wir wollen ein Minimum an menschlicher Würde, und trotzdem ist es für viele Menschen (grade Männer) immer noch nicht selbstverständlich, Frauen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen und die das Gefühl haben, sich und ihr Geschlecht, mit Aussagen über die Klamotten des Opfers oder den „stärkeren Sexualtrieb der Männer“ verteidigen zu müssen. Nicht alle Männer, aber solche Männer sind das Problem.

online Umfrage

Wir haben uns gefragt wie ihr mit Corona Situation im Bezug auf unsere Schule zurecht kommt. Deswegen haben wir eine Umfrage gemacht, in der Wünsche und Forderungen geäußert wurden. Die Ergebnisse wollten wir hier kurz zusammen fassen:

 

An der Umfrage haben um die 200 Schüler*innen aus allen Jahrgängen teilgenommen. Die meisten fühlen sich von der Situation so stark belastet, so dass die Lernleistungen erschwert wird. Wie viel Rücksicht die Lehrer*nnen nehmen, wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das liegt vermutlich auch an den unterschiedlichen Grundvoraussetzungen, wie einen eigenen Computer, funktionierende Wlan, ein eigenes Zimmer, … Auch über das tragen der Maske im Unterricht herrschen sehr geteilte Meinungen. Geschätzt wird an Teams der schnelle Kontakt zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen. Abgesehen von einigen technischen Schwierigkeiten, wird an Teams die Unerreichbarkeit von einzelnen Lehrer*innen und die teilweise verwirrende Benutzung kritisiert.  Es geht auf jeden Fall hervor, wie ungleich die Belastung verteilt ist. Dadurch erhöht sich der Stress von Einzelnen enorm und bei anderen erleichtert sich die Situation. Deswegen ist es umso wichtiger, dass ihr gegenseitig aufeinander achtet und euch unterschützt, um Menschen zu entlasten.

 

Damals wurden sich hauptsächlich A&B Wochen als Veränderung gewünscht. Nun haben wir schon ganz schön lange Salz-Unterricht. Unsere Schule kann an solchen Entscheidungen (leider) nichts ändern, dennoch sollten wir versuchen eine bestmögliche Situation für uns alle zu schaffen, deswegen haben wir ein Statement an die Lehrer*innenschaft geschrieben. Worin wir einige Wünsche und Verbesserungsvorschläge, welche in gemeinsamen online Konferenzen und dieser Umfrage gesammelt wurden, ausformuliert haben. Wir werden es an die Lehrer*innen weiterleiten und damit hoffentlich zu einer Entlastung beitragen. Lasst uns positiv in die Zukunft schauen und auf Ereignisse wie die Projektwoche freuen.

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen?

Von Frederike Rosenbusch, Jahrgang 11

Trigger-Warnung 

Lesen Sie diese Reportage bitte nur durch, wenn Sie sich psychisch stabil fühlen. Dieser Text enthält persönliche Informationen über Depressionen, die einige Zuschauer:innen beunruhigend finden könnten. Lesen Sie auf eigene Verantwortung und behandeln Sie das Thema mit Respekt. Informationen und Ressourcen für Menschen, die an einer Depression leiden, sind verfügbar unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen?

 

 

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen unter…

 

gedrückter Stimmung,

Interessenlosigkeit und/oder Freudlosigkeit, auch bei sonst angenehmen Ereignissen,

Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe,

fehlendem Selbstvertrauen und/oder fehlendem Selbstwertgefühl,

verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung und/oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen,

starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik,

negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit,

hartnäckigen Schlafstörungen,

vermindertem Appetit,

tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken.

 

Beantwortet man 3 dieser Fragen mit Ja, deuten die Angaben laut der deutschen Depressionshilfe auf das Vorliegen einer depressiven Erkrankung hin. Das formulieren sie in einem kleinen Text, der darauf hinweist, dass man sich an einen Arzt oder einen Psychotherapeuten/ eine Psychotherapeutin wenden soll.

 

Die Fragen sollte man aber nicht leichtfertig beantworten. Denn Depressionen sind eine psychische Störung bzw. Erkrankung, die im schlimmsten Fall zum Suizid führen kann. 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden schweren depressiven Phasen sterben durch Suizid. Depressionen sind also kein Trend und kein Begriff, mit dem man leichtfertig umgehen sollte.

Das ist der Schülerin wichtig, die sich dafür bereit erklärt hat, von ihrer Depression zu erzählen.

 

Die Schülerin möchte anonym bleiben, sie möchte nicht zum Aushängeschild der Erkrankung werden. Sie sagt, sie ist nur ein Beispiel von vielen, die leiden und weder Respekt noch das Anerkennen ihrer Krankheit erfahren.

 

Wenn sie den Selbsttest der deutschen Depressionshilfe ausfüllt, erscheint ein langer Text in Rot:

Bitte suchen Sie umgehend einen Arzt/ eine Ärztin (Hausarzt, Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin oder einen Nervenarzt) auf. Ihr Ergebnis lässt vermuten, dass Sie unter einer schweren depressiven Erkrankung leiden. Falls Sie diesen Test für einen Familienangehörigen oder Freund gemacht haben, sollten Sie ihn oder sie unbedingt zu einem Arztbesuch motivieren. Bitte beachten Sie, dass schwere depressive Erkrankungen leider immer wieder zu Selbsttötungsversuchen führen. Insofern brauchen Sie jetzt dringend professionelle Hilfe. Suchen Sie sich bitte umgehend professionelle Hilfe!

Wenden Sie sich außerhalb der Sprechzeiten immer an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

Sie können sich rund um die Uhr anonym und kostenlos an die Telefonseelsorge unter 0800 – 1110111 wenden.”

Sie scheint nicht schockiert von dem Ergebnis auf dem Computerbildschirm. Kurz nicken, dann dreht sie sich zurück.

Dass es ihr nicht gut geht, weiß sie schon lange. Sie erzählt, dass sie ca. Mitte bis Ende der neunten Klasse immer längere Tiefphasen erlebt hat. Sicher ist sie sich aber nicht.

Im Durchschnitt beginnt eine Depression bei Jugendlichen im Alter von 15 Jahren, bei Mädchen bereits früher. Mädchen erkranken häufiger als Jungen. Eine depressive Phase dauert in der Regel 6-9 Monate, nicht selten jedoch auch länger als ein Jahr.

Wann warst du das letzte Mal glücklich?

Sie lächelt: “Das weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich in der Grundschule, bestimmt auch noch in der 7. Klasse, aber ich weiß es nicht.”

Eltern geben den hohen Leistungsdruck in der Schule, Mobbing sowie Druck durch Idole oder Influencer als Gründe für die psychischen Probleme ihrer Kinder an. Jüngere Kinder leiden unter Streit mit Freunden sowie Mobbing durch Mitschüler/-innen. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt die Problematik von Depressionen in der Schule zu, da der Konkurrenz- und Leistungsdruck stärker wird. 

Im Winter war es besonders schlimm, meint Sie, in der 9 Klasse. Hilfe hat sie versucht in der Schule zu bekommen. Sie ist zu den Sozialpädagogen gegangen.

Die Soziale Arbeit soll Lösungen für soziale Probleme bereitstellen und weitergeben. Soziale bzw. gesellschaftliche Aspekte haben neben anderen Aspekten, wie bereits erwähnt, eine Relevanz in der Entstehung von Depressionen.

Wahrscheinlich war das auch nicht die richtige Adresse, aber sie brauchte jemanden zum Reden, meint sie. Geholfen hat es jedoch nur kurz. Sie war ungefähr drei- bis viermal bei dem Sozialpädagogen.

Die ersten Male war es gut. Das Gefühl, gehört zu werden, hat geholfen. Viel geweint hat sie und über ihre Familie geredet. Über akute Probleme.

Danach dauerte es lange bis sie wieder die Chance auf Hilfe bekam, meint sie. In der Zwischenzeit versuchte sie Symptome zu lindern, häufige Traurigkeit und starke Schlafstörungen. Schlafen konnte sie nur, wenn sie sich selbst verletzte. “Es macht müde, dann kann man schlafen, man denkt an nichts mehr.”

Depressionen sind eine häufige Vorerkrankung von selbstverletzendem Verhalten. Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren. Sie versuchen dadurch ihre Gefühlswelt zu steuern. In den vergangenen Jahren nahm diese Zahl immer weiter zu. Experten schätzen, dass etwa jeder Siebte es mal ausprobiert hat. 

Sie kam dann durch ihre Familie in eine Praxis, für einen Intelligenztest. Den vorsorglichen Test, den man ihr davor gab, sah sie als Chance. “Man sitzt da, die Fragen in dem Text werden einem sonst nie gestellt, niemand fragt, wie es einem wirklich geht.” Ihr wurde diese Frage nie so wirklich gestellt, meint sie. Also nicht die wichtigen Fragen, schiebt sie nach.

Wichtige Fragen? Solche wie die von der deutschen Depressionshilfe?

“Ja, so ungefähr. In einem ruhigen Moment, mit jemandem, der einem zuhört.” Sie hatte einen Leidensdruck, der so groß war, dass sie mit fast jedem geredet hätte, wenn derjenige sich Zeit genommen hätte.

Sie kam bei der Praxis in Zwischenbetreuung.

Einen Therapieplatz zu bekommen, ist sehr schwierig, Termine sind begehrt. Im Durchschnitt dauert es bei Krankenkassenpatienten ca. sechs Monate, bis man einen Therapieplatz bekommt. Die Zeit dazwischen kann durch flexibel vereinbarte Termine überbrückt werden. Meist ungefähr ein Termin im Monat.

Sie berichtet, dass es dadurch auf der einen Seite leichter wurde, weil man einen Ort hatte, an dem man sich mitteilen konnte. Auf der anderen Seite wurde es schwieriger. Durch das Arbeiten an verschiedenen Problemen verstärkten sich Symptomatiken, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Angststörungen und Konzentrationsprobleme, die dann wiederum zu Problemen in der Schule führten.

Man versucht natürlich sich an Lehrer zu wenden, aber nach einer Zeit und ein paar blöden Kommentaren verliert man das Vertrauen. Ein Lehrer sprach sie mal vor der Klasse neben ihrem Klassenlehrer auf die Schnitte an den Beinen an. Was sie da gemacht hätte. Gefallen, blöd über den Boden geschlittert, passiere öfter, war die knappe Antwort. Der Lehrer fuhr fort, dann ist ja gut. Er hätte kurz Angst gehabt, sie sei eine dieser Gestörten, die sich schneiden. Eins dieser Ritz-Mädchen. Sie schüttelte ganz schnell den Kopf. Der Klassenlehrer sagte nichts, die Ausrede wurde geglaubt.

Viele der gesundheitlichen Störungen von Schülern, vor allem solche psychische oder psychosomatische Art, hängen eng mit dem System Schule zusammen” – der Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann.

Das sind kleine Beispiele, sagt sie, noch gar nicht alles. Das Schulsystem versagt bei ihr. Sie wäre nicht mit eingeschlossen in dieses System. Für sie ist vieles viel schwerer, früh aufstehen, Konzentrieren, Anforderungen erfüllen. Manchmal sei sie froh, wenn sie es schafft zwei Mal am Tag zu essen, weil mehr nicht geht. Weil Sie nicht die Kraft hat, mehr zu machen. Das frustriert. “Denken die ich bin zufrieden so, dass ich es mit Absicht mache?”, eine direkte Frage an ihre Lehrer und die Schule. Sie war gut in der Schule, 1,6er Schnitt. Jetzt muss sie sich mit Dreien und Vieren auseinandersetzen. Sie weiß, sie könnte es besser. Es geht nur irgendwie nicht. Im Unterricht sitzt sie oft mit Kopfschmerzen und Müdigkeit. Wenn Unterricht langweilig erscheint, schaltet sie ab. Dann kommt sie nicht mehr mit.

Sie hat jetzt einen Therapieplatz. Die Situation mit Corona hat ihr geholfen, einen festen Tagesablauf zu gestalten. Mit Dingen, die sie gerne macht, die beim Aufstehen helfen und beim Schlafengehen. Das ihr Schule gerade nicht leicht fällt, daran kann niemand etwas ändern, dass weiß sie. In der Schule gut zu sein, ist ihre Aufgabe. Manchmal wünscht sich die Schülerin nur Verständnis. Das Lehrer auf sie zukommen, um über Probleme in der Schule zu reden, über schlechte Noten und Wege, diese noch aufzubessern.

Über Depressionen muss es Gespräche geben. Man muss das Schülern und Lehrern erklären – ein Bewusstsein schaffen, um das Leiden der zwei Wochen zu bekämpfen.

Sorgentelefon des SIBUZ Pankow für Schüler*innen

Liebe Pankower Schülerinnen und Schüler,

wie geht es Euch?

Diese Frage stellen wir Mitarbeiter*innen des SIBUZ Pankow (Schulpsychologie und Inklusionspädagogik) uns in den letzten Wochen immer häufiger.

Wenn ihr Euch gerade öfter

  • traurig,
  • einsam,
  • überfordert,
  • hilflos,
  • wütend,
  • hoffnungslos

fühlt ….

Wenn ihr Probleme mit dem/ den

  • Aufstehen,
  • Schlafen,
  • Essen,
  • Aufgaben,
  • Eltern,
  • Freunden

habt …

… dann könnt ihr Euch bei uns Unterstützung holen.

Wir arbeiten als Pädagog*innen und Psycholog*innen in Pankow für eure Schulen und möchten für euch da sein.

Telefonisch über unser Pankower „Sorgentelefon“: 030 902491076

Montag, Mittwoch und Freitag:    9:00-15:00

Dienstag und Donnerstag:    13:00-18:00

Oder per Email unter 03SIBUZ@senbjf.berlin.de

Wir würden uns freuen, wenn ihr Euch bei Sorgen, Ängsten, Nöten an uns wendet. Wir nehmen Euch ernst und behandeln Eure Anliegen vertraulich und auf Wunsch anonym.

Es gibt in Berlin für Jugendliche auch noch viele andere Stellen, an denen ihr Hilfe bekommen könnt:

  • NeUhland – Krisenhilfe und Suizidprävention für Jugendliche:

https://www.neuhland.net/startseite.html

Telefon: 030 8730 111

  • Berliner Krisendienst: rund um die Uhr.

https://www.berliner-krisendienst.de/

Standort Pankow: 030 3906340

  • Jugendnotmail – kostenlose und anonymen Online-Beratung für Jugendliche mit psychischen und seelischen Problemen:

https://www.jugendnotmail.de/

  • Kinder-und Jugendtelefon – Rat und Hilfe, anonym und kostenlos

Telefon: 0800 1110333

  • Jugendnotdienst:

www.jugendnotdienst-berlin.de

Telefon: 030 610062

Telefon: 030 44350 9821

Internet: www.mutes.de<http://www.mutes.de/home.html

 

Herzliche Grüße,

Eurer Pankower SIBUZ-Team

Strukturier dich

Hallo,
hast du auch das Gefühl, dass dich die ganzen Homeschooling-Aufgaben überrümpeln und alles zu viel ist?
Schlechte Nachricht: an der Aufgabenmenge kann wahrscheinlich nicht viel verändert werden.
Aber: wenn du dir deine Aufgaben gut strukturiert ist ist die Masse vielleicht nicht mehr ganz so überfordert.
Dazu haben wir euch ein paar Tipps zusammengestellt.

– Erstelle dir eine Liste mit allen Aufgaben -> am besten in Kalenderform damit du dir Abgabetermine und Erarbeitungslimits auch eintragen kannst
– Nummeriere die Aufgaben durch /Setze Prioritäten damit du weißt welche Aufgaben du als erstes bearbeiten musst
– Setze dir Zeitfenster zum Beispiel von 12-14:00 Uhr arbeitest du produktiv machst dein Handy aus, Von 14-16:00 Uhr machst du Pause und von 16-18:00 Uhr arbeitest du wieder produktiv
– Bereite deinen Arbeitsplatz abends für den nächsten Tag vor damit du direkt mit den Aufgaben beginnen kannst
– Suche dir Lernpartner*innen mit denen du Dich zum Beispiel über Video Anrufe zusammen zum lernen verabredest
– Teile die Aufgaben im Klassen-Chat auf
– Finde eine Routine, zum Beispiel arbeite immer vor oder nach dem Essen, nach dem Sport etc.

wenn ihr das Gefühl habt, dass es zu viele Aufgaben sind, bringt es immer etwas mit den Lehrern zu kommunizieren und sich zu beschweren , also lasst es nicht einfach über euch ergehen.

Vielleicht war das ja ne kleine Hilfe. Denk immer dran wenn es euch nicht mehr gut geht mit der Situation, haben unsere Sozis immer nen offenes Ohr für euch und nehmen sich Zeit.

Nichts zu verlieren, aber Vieles zu gewinnen

Hey, habt ihr schon vom diesjährigen Literaturwettbewerb gehört? Wenn nicht, dann versuchen wir hier mal diese Wissenslücke zu schließen.

Der Literaturwettbewerb wurde von drei Schüler:innen konzipiert, mit der Intention ein wenig Abwechslung in den alltäglichen Lockdown zu bringen. Die Idee ist, dass jede:r Schüler:in die:er mitmachen möchte, einen Text zu dem Thema „Wenn ich mit mir alleine bin“ verfassen kann.

Ob das Thema mit einem Gedicht, einer Geschichte oder Haiku umgesetzt wird, ist dabei jedem selber überlassen. Es gibt keine vorgeschriebene Textart. Jede:r soll die Möglichkeit bekommen, der eigenen Kreativität freie Bahn zu lassen. Und wer sich wagt, der gewinnt! Es gibt nämlich nichts zu verlieren, aber vieles zu gewinnen! Am 22. März 2021 findet eine inspirierende Literaturrunde statt.
Eine Jury aus Schüler:innen wird 3 der gelungendsten Texte auswählen. Doch für ALLE Teilnehmenden locken spannende Buchpreise!!
Um die Bewertung der Juroren einfacher zu machen, gibt es drei Vorraussetzungen, welche bitte einzuhalten sind:
1. Bitte benutzt die Schriftgröße 12.
2. Bitte benutzt als Schriftarten entweder „Arial“ oder „Times New Roman“.
3. Die Länge des Textes sollte drei Seiten (einseitig beschrieben) nicht überschreiten.
Wenn ihr nur handschriftlich arbeitet oder keinen PC/Drucker nutzen könnt, sagt euren Sozis bescheid, sie finden eine Lösung mit euch!
Wenn ihr Teilnehmen wollt, habt ihr bis zum 08. März 2021 Zeit euren fertigen Text am besten als PDF an Claudia Fauter oder Fine Spitz zu schicken. Am Besten via Teams oder Email.
Auch bei Fragen stehen Sie gerne als Ansprechpersonen zur Verfügung.

Es ist wieder soweit

Wie jedes Jahr findet auch dieses Jahr eine Projektwoche an unserer Schule statt. Egal ob Sport, Kunst, Musik oder etwas anderes – du kannst jetzt dein Projekt einreichen! Einfach auf den Link klicken, die Fragen beantworten und du hast dein eigenes Projekt eingereicht.
Wenn ihr sonst noch Fragen habt, einfach die Sozis über Teams, E-mail oder Handy anschreiben.

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Das Bedingungslose Grundeinkommen – Zukunft des deutschen Sozialstaats?

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein Konzept, bei dem jeder Mensch monatlich einen bestimmte Menge Geld ausgezahlt bekommen würde, ohne etwas dafür tun zu müssen. Geschenktes Geld also – klingt erstmal toll, oder? Doch wie funktioniert es? Woher kommt das Geld? Und welche Folgen hätten solche Zahlungen?

Die Idee

Jede*r Bürger*in erhält – unabhängig von ihrer oder seiner Lage – eine gesetzlich festgelegte und für jede*n gleiche, vom Staat ausgezahlte finanzielle Zuwendung, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Diese Finanzleistung wäre ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd, würde also ein Leben ohne Armut ermöglichen. Für die Verwendung des Geldes gäbe es keine Überprüfungen und keine Bedingungen, jeder darf damit machen, was er/sie möchte. Neben dem Schutz vor Armut wäre ein BGE in seiner Essenz auch ein Ersatz für die momentan existierenden, abgabenfinanzierte Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld, die Sozialhilfe und das Kindergeld.

In Deutschland wird je nach Modell eine Zahlung in Höhe des Arbeitslosengeldes II (Hartz 4) bis zu einer Zahlung von 1500 € im Monat vorgeschlagen. Zusätzliches Einkommen ist immer erlaubt und wird, anders als im jetzigen System, nicht auf das bedingungslose Grundeinkommen angerechnet. Das heißt, das BGE kann nicht gekürzt werden, wenn Empfänger*innen hinzuverdienen.

In der Umsetzung wäre eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems und weniger Aufwand in der Sozialverwaltung vorgesehen, da die bisherigen Sozialleistungen nach und nach durch das Grundeinkommen ersetzt würden.

Das BGE erfordert eine Neuordnung des Steuersystems Foto: Lena Balk via Unsplash

Und wer soll das zahlen?

Für 2016 betrugen die Sozialleistungen in Deutschland laut statistischem Bundesamt insgesamt 918 Mrd. Euro. Ein BGE würde den Staat je nach Höhe im Jahr zwischen etwa 600 und 1.100 Mrd. Euro kosten. Durch den Wegfall anderer Sozialleistungen würden Mittel in Milliardenhöhe frei, es ist jedoch offensichtlich, dass diese Mittel nicht ausreichen werden, das BGE zu finanzieren. Das fehlende Geld könnte der Staat durch erhöhte Steuern in bestimmten Bereichen erwirtschaften. Hier ist die Rede von der Besteuerung von Konsum, der Besteuerung des Einkommens, der Besteuerung natürlicher Ressourcen und/oder der Besteuerung des Geldverkehrs. Die bezweckte Wirkung aller Finanzierungsmodelle ist die Umverteilung des Vermögens von Reich zu Arm. Reiche machen also geringe Einbußen, während Arme hinzugewinnen.

Pro und Kontra

Aber hätte ein BGE wirklich das Ende von Armut zur Folge? Oder würde die komplette Umstrukturierung des Sozialstaats mehr Schaden anrichten, als es Nutzen bringen würde?

Erst einmal kostet ein Universelles Grundeinkommen mehr als momentan für den deutschen Sozialstaat zur Verfügung steht, folglich wären Steuererhöhung wäre nötig, das könnte die Kaufkraft der Bevölkerung beschränken und der Wirtschaft schaden. Außerdem können Arbeitgebende das BGE missbrauchen, um die Löhne so niedrig wie möglich zu halten und die Last fairer Löhne auf die öffentliche Hand abzuwälzen. Gewerkschaften warnen, ein BGE sei gleichbedeutend mit Lohnsubventionen – es käme also vor allem Unternehmen zugute.

Christoph Butterwegge, deutscher Politikwissenschaftler, befürchtet, das BGE könnte den Druck Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen senken, da Arbeit keine Notwendigkeit zu einem komfortablen Leben mehr wäre.

Fakt ist aber, dass die aktuell praktizierte „Arbeitslosenindustrie“ in vielerlei Hinsicht nicht ideal funktioniert. Einige Programme zur Wiedereingliederung Beschäftigungsloser verlängern sogar die Arbeitslosigkeit, während die Kosten für Sozialarbeiter*innen, die Arbeitssuchenden helfen sollen, nicht selten den Gewinn für Arbeitslose an Wert übersteigt. Könnte hier ein bedingungsloses Grundeinkommen, das direkt und ohne Auflagen gezahlt wird die bessere Option sein?

2009 startet in London ein einmaliger Versuch. Die Versuchsteilnehmer*innen sind 13 Obdachlose, die den Staat bisher geschätzte 400.000 Pfund im Jahr für Polizeieinsätze, Gerichtskosten und Sozialdienste kosteten. Von jetzt an erhalten sie je 3.000 Pfund monatlich ohne Auflagen zur Verwendung, ohne Überprüfungen, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Ein Jahr nach Studienbeginn hat der Durchschnitt nur 800 Pfund ausgegeben; nach anderthalb Jahren haben 7 der Obdachlosen wieder ein Dach über dem Kopf und mehrere haben eine Aus- oder Weiterbildung angefangen. Geschenktes Geld halt also einen Effekt. Bedürftige Menschen erhalten die Mittel, in ihre Zukunft zu investieren.

Bedrohung für menschliche Arbeitsplätze: Roboter
Foto: Alex Knight via Unsplash

Sicherheit im Wandel

Immer klarer zeichnet sich ab, dass der technologische Fortschritt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Wegfall hunderttausender menschlicher Arbeitsstellen zur Folge haben wird. Ein BGE hätte die Macht die Schockwellen der digitalen Revolution abzufangen und in einer Welt, die einem atemberaubend rasanten Wandel unterworfen ist, für Sicherheit und Stabilität zu sorgen.

Götz Werner, Anthroposoph und Gründer der dm-Drogeriekette sagt über das bedingungslose Grundeinkommen es würde nach den Gesetzen des freien Marktes (Angebot und Nachfrage) dazu führen, dass bisher schlecht bezahlte, aber notwendige Arbeit besser bezahlt und attraktiver gestaltet werden würden. Er rechnet damit, dass der wegfallende Arbeitszwang Menschen im Kampf um faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen stärken würde, da sie nicht länger auf die Stelle angewiesen wären.

Monströser Sozialstaat

Der Sozialstaat, der eigentlich Sicherheit und Selbstwert vermitteln sollte, ist in den vergangenen Jahren immer weiter zu einem System von Misstrauen und Scham degeneriert: Menschen, die auf Leistungen wie Arbeitslosengeld II angewiesen sind, werden systematisch kontrolliert und erniedrigt. Beamte überwachen die Finanzen und den Besitz potenzieller Unterstützungsempfänger*innen, um zu kontrollieren, ob die Leute ihr Geld vernünftig ausgeben und wirklich bedürftig sind. Gelingt ihnen dieser Nachweis nicht, werden ihnen die Leistungen gekürzt; Formulare, Interviews, Kontrollen, Einsprüche, Bewertungen, Konsultationen und noch mehr Formulare: für jeden Antrag auf Unterstützung gibt es ein Verfahren, dass entwürdigt und Misstrauen sät. Mit der Einführung eines BGEs würde der Zwang zur Arbeit entfallen. Die Stigmatisierung Erwerbsloser würde voraussichtlich ausbleiben, da alle von den gezahlten Leistungen profitieren würde und somit der Vorwurf des Schmarotzertums schlichtweg nichtig würde.

Nie wissen, ob das Geld reicht, macht krank. Foto: Sharon McCutheon via Unsplash

Folgen von Armut

Armut hat ernstzunehmende gesundheitliche Auswirkungen: Arme Menschen haben deutlich geringere Lebenserwartungen. Personen, die sich auf ein BGE verlassen, können Arbeit unter gesundheitsschädlichen Bedingungen leichter ablehnen oder die Verhältnisse verbessern. Wer Einfluss auf die eigenen Lebensbedingungen hat und sich nicht unterordnen muss, lebt gesünder. Ausschlaggebend für das Wohlergehen der Bürger*innen eines Landes ist immer das Maß an Ungleichheit zwischen ihnen. Arme Menschen in reichen Ländern sehen tagtäglich, dass es anderen Menschen finanziell besser geht, und bekommen oft zu spüren, dass sie nicht dazu gehören. Armut in reichen Ländern hat psychologische Konsequenzen. Sie beeinträchtigt die Qualität der Beziehungen und führt beispielsweise zu Misstrauen gegenüber Fremden sowie zu Statusangst. Der daraus resultierende Stress trägt erheblich zu Krankheiten und chronischen Gesundheitsproblemen bei.

Wohlstand gleich verteilen

Ein BGE das z.B. über die Einkommenssteuer finanziert wird, würde Reichtum neu und gleichmäßiger verteilen und hätte die Macht, die sich in rasantem Tempo öffnende Schere zwischen Arm und Reich einzufrieren oder sogar zu schließen.

Geschenktes Geld funktioniert

Studien aus aller Welt belegen: Geschenktes Geld funktioniert. Es liegen bereits Forschungsergebnisse vor, die zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen auflagefreien Zuschüssen und einer Verringerung von Kriminalität, Kindersterblichkeit, Mangelernährung, Teenagerschwangerschaften und Schulabwesenheit sowie einer Steigerung der schulischen Leistungen, des Wirtschaftswachstums und der Gleichberechtigung der Geschlechter gibt.

Tod der Arbeitskultur

Burnouts gehören heute zum Arbeitsalltag
Foto: Alex Kotliarskyi via Unsplash

Eine große Befürchtung ist, das BGE würde den Tod der Arbeitskultur herbeiführen, da niemand mehr arbeiten wollen würden, wenn fürs Einkommen gesorgt wäre. Für einige Arbeitnehmer*innen mag das tatsächlich der Fall sein.

Seit Jahrzehnten zeigt sich eine durchweg steigende Belastung durch Arbeit, Überstunden, Kinderbetreuung und Bildung: 1985 nahmen diese Aktivitäten 43,6 Stunden pro Woche in Anspruch, bis 2005 stieg die Belastung auf 48,6 Stunden. Nicht selten hört man Menschen prahlen, sie seien regelmäßig 60 oder 70 Stunden in der Woche bei der Arbeit; Depression und Burnout gehören zum Arbeitsalltag und sind keine Einzelfälle mehr, außerdem wird es immer schwieriger, Arbeit und Freizeit voneinander zu trennen. Durch das BGE entfällt der Zwang und Menschen würde der Freiraum gegeben, zu hinterfragen, ob sie überhaupt arbeiten wollen und wenn ja, wie diese Arbeit aussehen soll.

Zweifellos würden sich einige Bürger*innen entscheiden, weniger zu arbeiten, aber das ist ja ein Zweck des BGE, und es gibt zahlreiche Belege dafür, dass die meisten Menschen tatsächlich arbeiten wollen, unabhängig davon, ob sie darauf angewiesen sind oder nicht. Denn die Motivation zur Arbeit ist eben nicht nur monetärer Art, sondern entsteht auch durch Anerkennung, Selbstverwirklichung und soziale Integration.

Weiter ermächtigt das BGE selbst zu entscheiden, welche Arbeit zumutbar ist. Das wäre eine neue Arbeitsmoral, die individuelle Freiheit und Verantwortung statt erzwungener Tätigkeit großschreibt.

Weniger zu arbeiten, gibt den Menschen die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, sich ehrenamtlich für ihre Gemeinschaft zu engagieren und sich politisch stark zu machen, Viele Bürger*innen hätten zum ersten Mal die Möglichkeit, sich intensiver mit politischen und sozialen Themen auseinanderzusetzen, aktiv zu werden und somit an einer lebendigeren Demokratie zu partizipieren.

Meiner Meinung nach bringt das BGE viel Positives mit sich. Es wäre ein würdevoller Weg, Menschen aus der Armut zu befreien, würde in Krisenzeiten die Menschen vor Not durch Verdienstausfälle bewahren und könnte so auch zur Bewältigung der Coronapandemie hilfreich sein. Doch noch ist nicht alles geklärt. Es bedarf weiterer Studien und Experimente zu Langzeitfolgen und Effekten für die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft.

Ich denke das universelle BGE ist eine vielversprechende Perspektive für das marode soziale Netz der Bundesrepublik:
Wenn das BGE mit der nötigen Übergangszeit und einem effektiven, nachhaltigen Finanzierungsmodell eingeführt wird, kann es, meiner Meinung nach, ein sehr effektives Mittel gegen Armut und die Stigmatisierung Erwerbsloser sein.

In Zeiten großer Unsicherheiten aufgrund der Covid-19-Pandemie erhielt die Diskussion um das BGE wieder neuen Aufschwung: Im Januar 2021 startete ein Forschungsprojekt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Hier soll Grundlagenforschung geliefert werden: Im ersten Schritt werden die individuellen Effekte von 1.200 € zusätzlich pro Monat erforscht, um Indizien für die Wirkung auf die gesamte Gesellschaft zu sammeln. Die Effekte werden mit einer Vergleichsgruppe überprüft. Die Studie rekrutierte 1.500 Proband*innen, von denen 120 zufällig Ausgewählte das Geld erhalten, während der Rest als Vergleichsgruppe dient. In zwei weiteren Studien werden anschließend Grundlagen der Finanzierbarkeit getestet.

Wieso ist Dart so faszinierend?

black white and red round arrowImmer um die Weihnachts- und Silvesterzeit findet die Dart-WM statt. Dieses Event zu schauen, ist seit zwei, drei Jahren eine feste Tradition für mich und nicht mehr wegzudenken. Wenn die Dartpfeile drei Mal in die Triple 20 treffen und im Elli Pelli die Zahl 180 durch die Reihen der Fans schalt, reist mich der Sport in seinen Bann, obwohl die Spieler nur 2.37 Meter von einer Scheibe, auf der Zahlen abgebildet sind, wegstehen.

Deswegen möchte ich in diesem Beitrag die Frage beantworten: Was macht die Faszination zum Dart, egal ob in der Kneipe oder auf der Bühne, aus?

Die Spannung

Dart lebt von der Spannung, egal ob jemand 300 Punkte im Rückstand liegt. Das Spiel ist damit lange noch nicht vorbei und man kann mit drei guten Darts das Spiel drehen.

Für alle, die gerade kein Wort verstanden haben, eine kurze Erklärung wie Dart funktioniert. Es gibt verschiedene Spielsysteme beim Dart, aber die Art, die ich euch jetzt erkläre, ist jene, mit dem auch die WM gespielt wird.

Das Grundprinzip ist ganz einfach, zwei Spieler versuchen durch das Werfen von Pfeilen von 501 auf 0 Punkte zu gelangen.

Die zwei Spieler werfen abwechselnd je drei Pfeile auf eine Scheibe mit Nummern von 1-20. Zudem gibt es Doppel- und Trippelfelder, welche doppelt und dreifach gewertet werden. Die Zahlen der Felder, in denen die Pfeile landen, werden addiert und von den gerade schon genannten 501 abgezogen. Wer zuerst exakt auf 0 kommt, gewinnt. Eine Besonderheit ist, dass man den letzten Pfeil, damit man 0 Punkte erreicht, in ein Doppel-Feld treffen muss.

Also eigentlich relativ einfach. Und das ist laut Michael Sander, dem Ansprechpartner beim DDV (der Deutscher Dart Verein) auch ein Grund, warum viele Fans diesen Sport mögen.

Zu den Fans kommen wir auch gleich, aber erstmal weiter zu Punkt eins “Bis zur letzten Minute bleibt es spannend“, weil in Legs und Sets gewertet wird. Ein Leg erhält man wie gerade schon beschrieben, wenn man als Erster von 501 Punkten auf 0 kommt. Nach drei gewonnen Legs erhält man ein Set. Und nach drei Sets hat man das Spiel gewonnen. In dieser Zeit entstehen laut Robert Marijanovic enge und spannende Situationen. Somit kann also ein Spieler am Ende gewinnen, auch wenn er zuvor schon zwei Legs zurücklag.

Fans

Ein wichtiger Faktor sind die gerade schon angesprochenen Fans. Sie sind einfach nur verrückt. Sie kommen bemalt und verkleidet und es ist alles eine einzige große Party. Die meisten Fans sind vor allem zum Feiern dort, oftmals habe ich den Eindruck, dass sie gar nicht das Match richtig verfolgen, sondern nur singen, tanzen und schreien. Auch vor dem Fernseher zittern die Fans mit. 1,55 Millionen Fans sahen durchschnittlich das diesjährige WM-Finale. Der Höchstwert lag sogar bei 2,09 Millionen und damit hatte Sport1 einen Marktanteil von 4,9%.

Spieler

Als letzten Grund möchte ich die Spieler in den Vordergrund stellen, die man laut Basti Schwele, ein Dart-Kommentator von Sport 1, als die netten Nachbarn von nebenan beschreiben kann. Äußerlich entsprechen sie nicht immer dem sportlichen Idealbild: muskulös und athletisch. Und auch protzen sie nicht so wie beispielsweise Fußballer mit ihren Autos oder ihrer Kleidung. Meistens haben sie ein kleines Bäuchlein und wirken auf den ersten Blick nicht als die Sportlichsten. Diese “Normalität” wirkt sehr sympathisch und man denkt auch gleichzeitig, dass es nicht so schwer sein kann, ein paar Pfeile auf eine Scheibe zu werfen. Aber jeder, der das mal probiert hat, weiß, wie schwer es ist, platziert und konstant zu werfen. So macht es unfassbar viel Spaß mit den Spieler mitzufieber und zu zittern.

Text: Pavel

Bild: https://unsplash.com/@silvanarnet

Digitalisierung der Schule: Geht es jetzt endlich los?

woman biting pencil while sitting on chair in front of computer during daytime

Es ist doch irgendwie traurig, dass wir 2021 in der Schule immer noch mit einem Overheadprojektor arbeiten und wir es nicht hinkriegen, heutzutage ein You-Tube Video mit einer hohen Qualität und „flüssig“ zu schauen.

Dieses Problem ist der Politik nicht erst seit dem ersten Lockdown und dem daraus resultierendem Homeschooling bekannt.

Die Politik hat schon vor einiger Zeit den Digital-Pakt beschlossen, damit aus einer Federtasche ein Apple Pencil wird und aus einem Stapel Bücher ein Tablet.

Aber was ist der Digital-Pakt, wie wird das Geld verteilt, wie ist der Ist-Zustand an unserer Schule und wie stehen die Schüler*innen und Lehrer*inne der Digitalisierung gegenüber?

Der Digital-Pakt wurde im Mai 2019 von Bund und Bundesländern beschlossen. Um den Pakt durchzubringen, wurde der Artikel 104c des Grundgesetzes geändert, das bedeutet, dass ab sofort der Bund die Länder für die Bildung finanziell unterstützen kann, aber auch Mitspracherecht über die Verteilung der Gelder besitzt.

Der Umfang der Vereinbarung enthielt 5,5 Mrd. Euro, welche in den nächsten 5 Jahren an alle Bundesländer verteilt werden sollte. Diese Summe wurde wegen der Pandemie aber um weitere 1,5 Mrd. Euro aufgestockt. So stehen jetzt 6,5 Mrd. Euro den Schulen für einen digitalisierten Unterricht zu Verfügung.

Im konkreten Fall sieht das wie folgt aus: Berlin erhält 257 Millionen Euro, damit nimmt Berlin den fünften Platz der Rangliste ein. Auf Platz eins ist Nordrhein-Westfalen mit ca. 1.154 Mio. Euro, damit erhält NRW 21 Prozent des ganzen Digital-Paktes. Es folgt auf Platz zwei Bayern mit 856 Mio. Euro und Baden-Württemberg mit 717 Mio.

Die Verteilung beruht auf den Königsteiner Schlüssel, dafür wird zu zwei Drittel das Steueraufkommen und zu einem Drittel die Anzahl der Einwohner einbezogen.

Laut des Bundesbildungsministeriums erhält jede Schule durchschnittlich 137.000 Euro. Bezogen auf jeden Schüler sind das ca. 500 Euro.

Aber wie erhalten die Schulen jetzt das Geld, um damit zum Beispiel digitale Geräte zu kaufen?

Zu Beginn erhalten die Länder ihren, durch den Königsteiner Schlüssel zugeteilten Anteil. Anschließend geben die Länder das Geld an die Schulträger weiter. Die Größe des Betrages entscheidet sich je nach Anzahl der Schüler*innen und Schulen. Die Schulträger erhalten von den einzelnen Schulen ihre Medienkonzepte, dort steht genau drin, was sie in der Zukunft im Bereich Digitalisierung planen und dafür benötigen. Ein Beispiel: In dem Medienkonzept der Max-Mustermann-Oberschule steht, dass sie 5 Smartboards und 4 Tablets benötigen. Dieser Antrag geht dann zu den Schulträgern. Diese entscheiden, welche sie ausstatten möchten und welche nicht. Diese Information reichen sie zu den Ländern. Dort wird nun auf Landesebene entschieden, wer den Zuschuss erhält. Es kann auch dazu kommen, dass die Schule in unserem Beispiel jetzt nur noch 2 Smartboards und 2 Tablets erhält.

Nach dem Einreichen des Konzeptes kann sehr viel Zeit vergehen, da die Konzepte mehrere dieser Runden durchlaufen müssen.

Jetzt wissen wir, wie es theoretisch abläuft und wie viel Geld vorhanden ist. Aber kommen wir doch vom Großen/Ganzen zum Kleinen/Konkreten – in dem Falle: zu unserer Schule.

Wie ist der Ist-Zustand an der Kurt-Schwitters-Schule:

Zurzeit stehen uns 32 Tablets, 16 Smartboards, 66 PCs und eine Internetleitung mit 100 Mbit zur Verfügung.  Vor allem sind die 100 Mbits für 100 Endgeräte ein großes Problem, was ein digitales Lernen sehr schwierig macht. Deshalb wurden 15.000 Euro für ein besseres Wlan aller drei Häuser investiert – die Umsetzung steht auch kurz bevor. Zudem ist die Verbesserung der PCs geplant. Die beantragten 7 Whiteboards mit Beamern im Wert von 27.000 Euro wurden leider nicht genehmigt, weil man verpflichtet ist, interaktive Boards zu kaufen. Davon nahm unsere Schule jedoch erst einmal Abstand, weil sie teurer, störanfällig und unflexibel seien.

Das ist der derzeitige Zustand. Umso spannender ist nun zu schauen, wie das zukünftige Lernen und das Klassenzimmer aussehen soll.

Die Informationen dazu kann man im Medienplan der Schule nachlesen:

So ist es das langfristige Ziel, dass 2029 alle Lehrer*innen und Schüler*innen mit einem Tablet arbeiten können, damit das Schreiben von Notizen etc. auf Papier ersetzt wird, aber vor allem eben die Vorteile digitalen Lernens genutzt werden können. Das bedeutet aber nicht, dass Schulbücher nun aussortiert werden. Im Gegenteil: Bücher sollen ein elementarer Bestandteil bleiben. Letztendlich sollen alle Klassenzimmer so ausgestattet werden, dass der  Unterricht sehr flexibel gestaltet werden kann: analog und digital, hybrides Lernen genannt. Das schon vorhin angesprochenes Wlan soll 2029 kein Problem mehr darstellen. Geplant ist eine 3,5 Gbit-Anbindung über Glasfasernetz in den Gebäuden getrennt voneinander zu installieren.

white and black tablet computer

Um zu dieser Vision zu gelangen, bedarf es einiger Zwischenschritte: So wurden 2019 schon erste Musterräume ausgestattet, sowie Erfahrungen mit 32 Schüler*innen-Tablets gesammelt. Die gerade schon angesprochenen Musterräume sehen wie folgt aus: Es sollen erstmal zwei iPads pro Klassenzimmer zur Verfügung stehen, damit nahezu ein gesamtes Kollegium ausgestattet werden kann. Durch die Kombination aus iPad, Beamer und Whiteboard können die Schüler*innen flexibel lernen und die Vorteile des analogen sowie des digitalen Unterrichtes verknüpfen.

Da Apple-TV genutzt wird, könnten Arbeitsblätter, Websiten, Präsentationen, Videos und das Tafelbild in Echtzeit übertragen werden. Mithilfe des Apple Pencil können Schüler*innen mehr in den Unterricht eingebunden werden und das Tafelbild selbst mitgestalten.

Das soll den Grundstein für Unterricht mit Schülertablets legen.

Alles was sich auf dem Papier schön lesen lässt, sieht in der Realität manchmal doch anders aus. Deswegen habe ich eine Umfrage bei Schüler*innen und Lehrer*innen durchgeführt, um herauszufinden, wo die Probleme und Herausforderungen, aber auch die schon vorhandenen positiven Entwicklungen liegen.

Es nahmen 33 Lehrer*innen und 35 Schüler*innen an der Umfrage teil.

Positiv fällt die Akzeptanz auf, mit welcher Lehrer*inne und Schüler*innen grundsätzlich der Digitalisierung gegenüberstehen. So stimmten 81 Prozent der Lehrer*innen bei meiner Frage „Wie bewerten Sie die zunehmende Digitalisierung der Schule?“ mit eher positiv und sehr positiv ab. Dies begründeten viele mit der hohen Flexibilität der Medien, da man einfacher Unterrichtsideen umsetzen kann, z. B. kann man Videos oder Bilder einspielen.

Heute arbeiten bereits 83 Prozent der Lehrer*innen sehr gerne mit den neuen digitalen Werkzeugen und auch sehr regelmäßig. In der Umfrage gaben 18 von 33 Personen an, diese mind. 7 mal oder häufiger in der Woche einzusetzen, wobei 72 % sogar mehr als 10 mal ankreuzten.

Dass die Lehrer*innen den sicheren Umgang mit den digitalen Werkzeugen verbessern müssen, wissen sie natürlich selbst, aber das bescheinigen ihnen auch über 50 % der Schüler*innen mit der Note 3 zu der Frage: „Wie kann dein/deine Lehrer*in deiner Meinung nach mit den digitalen Geräten umgehen?“

Da stellt sich auch die Frage, wie sie bisher auf diese digitale Herausforderung vorbereitet wurden?

Laut der Umfrage haben sich viele Lehrkräfte vieles durch Selbststudium angeeignet, z. B. über You-Tube Videos. Es gab aber auch von der Schule ausgehende Weiterbildungen z. B. zur Einführung der I-Pads und Smartboards. In der Zukunft sollen die Lehrer*innen durch Fortgeschrittenenfortbildungen Apple TV, Microsoft-Office 365 und Web-Untis besser kennen lernen. Zudem sollen sie fit werden im Umgang mit geistigem Eigentum und Bildrechten.

Ein weiterer und wichtiger Punkt, worauf man nach der Meinung der Lehrer*innen achten sollte, ist, dass es weiterhin eine Mischung aus analogem und digitalem Unterricht geben sollte.

Eine Verbesserung oder eher eine Forderung, die sowohl Lehrer*innen als auch Schüler*innen aufgreifen, ist eine bessere und stabilere digitale Infrastruktur. Also ein funktionierendes Wlan, Whiteboards und schnellere Server für die PC-Räume.

Die Bereitschaft der Schüler*innen für die Digitalisierung erkennt man gut daran, dass sie sich komplexere Aufgaben wünschen, zum Beispiel die Entwicklung von Filmen, Blogs oder Websiten.

Auch fordern sie mehr Aufklärung zum Thema Datenschutz, vor allem im kritischen Umgang mit Medien. So formuliert ein/e Schüler*in: „jetzt nicht im Sinne von ´lasst die Finger davon, euch werden eure Daten geklaut´, sondern halt: Was sind Daten? Warum und wie werden sie gesammelt?“.

Zum Abschluss ein persönlicher Kommentar: Digitalisierung ist gut und vor allem wichtig, da in der Zukunft die Arbeitswelt immer weiter in diese Richtung ausgelegt wird. Das gilt nicht nur für studierende Berufe, sondern auch für viele Handwerksberufe.

Es muss aber darauf geachtet werden, dass die Schülerschaft nicht langfristig gespalten wird. Denn das digitale Lernen passiert auch zu Hause. Und so wird es Kinder geben, deren Eltern alle Möglichkeiten bieten können, um den digitalen Weg der Schule mitzugehen, und Schüler*innen, deren Eltern sich das nicht leisten können. Ich hoffe, dass das Ungleichgewicht besser im Blick behalten wird als zu Zeiten von Corona.

Text: Pavel

Bild: JESHOOTS.COM / @kellysikkema

 

 

Der Tod der Mittelschicht

Die Mittelschicht, das ist der Kern unserer Gesellschaft. Seit Jahrhunderten bildet sie die Mehrheit der Bevölkerung. Sie hält den Staat am Laufen und ist ausschlaggebend in der Arbeitswelt. In der Ökonomie und Politik wird die Mittelschicht als tragende und stabilisierende Kraft in der Gesellschaft angesehen. Um diese Funktion ausreichend erfüllen zu können, muss der Mittelstand einen möglichst großen Anteil der Bevölkerung ausmachen.

Geld regiert die Welt – schon immer

Im wirtschaftlichen Sinne teilt sich die Gesellschaft entlang dem Mittelwert der Gehälter in die einkommensstärkere und die einkommensschwächere Hälfte. Der Mittelstand wird definiert als alle Erwachsenen die als Alleinstehende vor Steuern und Sozialabgaben zwischen 60 und 200 % des Mittelwerts verdienen. Das sind aktuell monatlich zwischen 1500 und 2800 € netto im Monat.

Bis zum Ende des deutschen Kaiserreichs waren die Menschen klar in die Klassen des Adels bis zu den Besitzlosen geteilt. Diese wurden danach mit der voranschreitenden Demokratisierung in der Weimarer Republik durch gesellschaftliche Schichten abgelöst. Stark vereinfacht waren das die Ober-, Mittel- und Unterschicht.

Der Mittelstand schrumpft

Seit den 1990er Jahren schrumpft die Mittelschicht kontinuierlich. 2013 hatte die Mittelschicht einen Anteil von 54 % an der Bevölkerung in Deutschland. Das sind im Vergleich zu 1991 ganze 6 Prozentpunkte weniger. Es zeigt sich: die Mitte schrumpft. Als zentralen Auslöser dieser Entwicklung sehen Expert*innen das Anwachsen des Niedriglohnsektors in Deutschland, welcher durch eine Zunahme geringbezahlter Jobs in der Dienstleistung und dem Wegfall industrieller Arbeitsplätze begünstigt wird. Auch werden immer mehr Vollzeitstellen in Stellen für Leih- und Zeitarbeit, ebenso wie geringfügige und befristete Beschäftigungen umgewandelt, da diese für die Arbeitgebenden billiger sind.

Dieser Prozesse wird ausgelöst durch das Voranschreiten der Globalisierung und hat schlussendlich eine Verstärkung der Einkommensschere, also der Trennung von Arm und Reich und wachsende soziale Ungleichheit zur Folge. Besonders betroffen in Deutschland sind Menschen mit Migrationshintergrund. Der Mittelstand schrumpft, ebenso ihr Anteil am Volksvermögen. Sie wird zu dem – wie die gesamte deutsche Gesellschaft – älter.

Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer

Gleichzeitig explodieren die Mieten, grade in den momentan so lebenswerten Großstädten. Die Lebenskosten steigen rasant. Darüber hinaus zahlen Deutsche im Vergleich zu europäischen Mitbürger*innen sehr hohe Steuern und Sozialabgaben. Die Kaufkraft und die Fähigkeit des Mittelstands, Vermögen anzusammeln sinkt.

Nichtsdestotrotz verdienen die Vorstände der Top 30 Unternehmen in Deutschland heute zehnmal so viel wie noch vor 30 Jahren. An den Angestellten ist dieser wundersame Geldzuwachs aber spurlos vorbei gegangen, das Realeinkommen ist nur moderat gestiegen. Die Durchschnittslöhne halten nicht Schritt mit der generellen Vermögensentwicklung. Trotz jahrelangem Konjunkturhoch und Rekordbeschäftigung fürchten immer mehr Bürger*innen um ihre finanzielle Zukunft. Inzwischen besitzen 45 Super-Reiche in Deutschland so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung. 45 Menschen besitzen also genau so viel wie 40 Millionen weniger Wohlhabende.

Der französische Wirtschaftsforscher Thomas Piketty untersuchte 2014 die Einkommensentwicklungen der letzten 300 Jahre. Er fand zu allen Krisenzeiten eine Verarmung des Mittelstands, während die Oberschicht in jeder Krise durch höhere Gewinne ihrer Geldanlage reicher wurde. Diese Entdeckung ist auch in der Coronapandemie zu beobachten.

Profitiert von Covid-19: Amazon

Sinnbild dafür ist sicherlich der Amazon-Gründer Jeff Bezos. Seit Anfang des Jahres stieg sein Vermögen um mehr als 24 Milliarden US-Dollar auf umgerechnet über 126 Milliarden Euro. Währenddessen verlieren weltweit und grade in den USA Millionen von Menschen pandemiebedingt ihre Beschäftigung. Bezos‘ Angestellte arbeiten zum Mindestlohn, während Amazon mehr Umsatz als jedes andere Unternehmen generiert.

Sinkendes Rentenniveau

Die wohl wahrscheinlichste Folge der beschriebenen Entwicklung ist die Altersarmut. Schon im Jahr 2017 betrug die ausgezahlte Regelaltersrente im Durchschnitt nur 902 € monatlich. Zahlen die Rentner*innen davon ihre Miete, kommt es schnell zum Engpass. Die heute noch Berufstätigen müssen mit durchschnittlich noch weniger rechnen. Das liegt daran, dass in Deutschland junge Verdienende fehlen, die mit ihren Einzahlungen die Versorgung ihrer Großelterngeneration finanzieren. Die Bundesrepublik überaltert, was die Problematik noch verstärkt.

Dass in Europa Menschen mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen und Studierende hohe Schulden aufnehmen, um dann nach dem Abschluss als Kassierer zu arbeiten während einige Wenige die Früchte des Ungleichgewichts ernten, das hat Folgen.

Einige Betroffene beginnen, an der Demokratie und am Sozialstaat zu zweifeln. Das Gefühl der ungerechten Behandlung führt immer mehr zu einer steigenden Unzufriedenheit mit dem Establishment. Menschen fühlen sich abgehängt und zurückgelassen. Grade in den letzten Jahren werden diese Menschen immer öfter von Rechtspopulisten abgeholt. Sie wettern gegen die „Eliten“ welche die einfachen Bürger*innen vernachlässige und schaffen es so, Zuspruch im Mittelstand zu finden, der jahrzehntelang das Kernklientel der Volksparteien bildete.

Die Zukunft?

Der digitale Todesstoß

Eine neu hinzukommende Herausforderung ist die Digitalisierung. Noch herrscht große Unsicherheit, wie sich digitale Technologie und künstliche Intelligenz auf Routinetätigkeiten auswirkt – sowohl ein Zuwachs als auch der Wegfall Hunderttausender Arbeitsstellen ist denkbar. Das vorherrschende Problem ist, dass die, die ihren Job im analogen Sektor einbüßen nicht auch gleichzeitig die sind, die die Jobs der digitalen Welt übernehmen können. Absteigen werden voraussichtlich ungelernte Arbeitskräfte, während Hochgebildete den Aufstieg meistern. Es braucht ein Umdenken, echte Veränderung, und zwar bald. Weiter die Augen zu verschließen wird Konsequenzen haben.

 

Chance auf Genesung

Doch wie geht es weiter? Wie schaffen wir es, unsere Kerngesellschaft vor dem wirtschaftlichen Aus zu bewahren? Ein Modell sieht vor, die Sozialabgaben nicht länger vom Gehalt der Arbeitnehmenden abzuziehen. Stattdessen würde von Unternehmen eine pauschale Sozialversicherungsabgabe verlangt werden, welche am Umsatz des jeweiligen Konzerns orientiert wäre. Folglich würde die Mittelschicht weniger zahlen und digitale Riesen, die kaum noch Menschen beschäftigen, aber Milliarden Umsätze generieren (Google, Facebook etc.), zahlen mehr und leisten einen Beitrag zur sozialen Absicherung. Als Nebeneffekt würde Arbeit billiger, ohne die Arbeitnehmenden zu belasten, was eventuell den Reiz von Neueinstellungen steigern würde.

Gleichzeitig sollte man schon jetzt in die Um- und Weiterbildung der Arbeitnehmenden investieren. Wenn Menschen erst einmal flächendeckenden von Maschinen und Algorithmen ersetzt wurden, ist es zu spät, sich zu wehren.

Die deutsche Mittelschicht stirbt. Die Symptome sind da, der Verlust ist für die Gesellschaft nicht tragbar. Aber: es gibt Hoffnung. Wir haben die Mittel, dem Kern unserer Gesellschaft zur Genesung zu verhelfen. Nutzen wir sie!

Fotos: Sharon McCutcheon, Christian Wiediger, Owen Beard – Unsplash

Was ist eigentlich Moria?

Moria war ein Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Eswar Europas größtes Flüchtlingslager. Obwohl es ursprünglich für knapp 3.000 Personen konzipiert war, lebten dort zeitweilig etwa 20.000 Menschen. Trotz Forderungen der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurde es im März 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie nicht evakuiert. Die hygienischen Zustände waren katastrophal. Auch die Versorgungslage in Moria war furchtbar. Es gabzu wenig Essen und nicht genug Trinkwasser, überhaupt gabes zu wenig fließendes Wasser. Kleidung konntenicht gewaschen werden.Ewig langeWarteschlangen führten zu unhygienischen Toiletten,Duschenund mangelndenEssensausgaben. Man mussteauf alles warten, von morgens bis abends. Es gab kaum medizinische Hilfe Abstandsregeln können nicht eingehalten werden.

Moria ist ein Ort, an dem Menschenrechte verletzt wurden.

Dann, im September, brach ein Feuer im Lager aus. 12.000 Menschen, darunter 4.000 Kinder wurdenobdachlos. Bei Protesten gegen diese Zustände setzte die Polizei Tränengas ein. Nun sollen dieMenschen in einemneuen Übergangslager auf Lesbos untergebracht werden.

Das neue Lager sei schlimmer, als Moria es jemals war.

Manche der Zelte stehennur 20 Meter vom Meerentferntund haben keinen Schutz vor starkem Wind und Regen. Essen für die Menschen gebe es nur ein, höchstenszwei Mal am Tag, es istniegenug und zudem von schlechter Qualität. Auch gibtes nur wenig sanitäre Anlagen mit fließendem Wasser, so dass viele Lagerbewohner sich im Meer waschen müssen. Es ist sehr kalt, und es gibt keine Heizung. In den 1000 Zelten, in denen die Flüchtlinge wohnen, ist es ab 17.30 Uhr stockfinster. Wenn es regnet, fließt Wasser ins Zelt. Die Corona-Vorsorgemaßnahmen seien ebenso wenig ausreichend wie der Zugang zu Gesundheitsversorgung. Außerdem gibtes auf dem ehemaligen militärischen Schiessübungsplatz kein Abwassersystem. Bei ersten Regenfällen im Oktober hatten bereits etliche Zelte im Lager unter Wasser gestanden. Das Lagerist absolut ungeeignet für den Winter.

Die Betroffenen haben ein Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft.

Wenn du einmaldabist kommst du so schnell nicht wieder weg: Die geflüchteten Menschenin Lagern auf den griechischen Inseln mussten jahrelang auf einen ersten Anhörungstermin in ihrem Asylverfahren warten. Die zermürbende Warterei ist zwar noch immer ein großes Problem, die griechische Regierung hat aber die Asylverfahren deutlich beschleunigt. In den vergangenen Monaten wurden Tausende Verfahren abgeschlossen. Die meisten dieser Flüchtlinge bekamen Asyl, durften die Lager verlassen und aufs griechische Festland umziehen. Dadurch ist die Zahl dergeflüchteten Menschen die auf Lesbos festsitzen erheblich gesunken.

Dass immer weniger Menschen in den Lagern leben, liegt aber auch daran, dass kaum neue Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ankommen – weil die griechische Küstenwache die Grenze “offensiv verteidigt”. Schlauchboote mit Flüchtlingen, die von der türkischen Küste aus zu griechischen Inseln übersetzen wollen, werden nicht durchgelassen. Im Gegensatz zu früher werden die Flüchtlinge in den Booten nicht als Schiffbrüchige ansehen, die gerettet werden müssen, sondern die griechische Küstenwache schickt die Boote zurück in Richtung Türkei.

Deutschland hat zwar zugesagt, mehr als 1500 dieser asylberechtigten Flüchtlinge aufzunehmenund einerster Flug mit 101 Personen kam am 30.09.2020in Hannover an, allerdings sind dies mickrige Zahlen wenn man bedenkt wie viel Kapazitäten wir haben.

eure Schulsprecherinnen

Wir sind die neuen Schulsprecherinnen für die nächsten zwei Jahre und freuen uns auf euch.

Doch durch Corona ist die GSV Arbeit dieses Jahr bedeutend schwerer zu organisieren und viele Aktionen nicht umsetzbar.

Für Vorschlage könnt ihr uns gerne anschreiben.

Über:   •   E-Mail: schulsprecherinnen@kurt-schwitters.schule

  • Microsoft Teams (auf Chat suchen)
  • die Sozis oder eure Klassensprecher*innen

Forms of Gender-based Violence

Aktion des Leistungskurs Englisch 12

 

Psychological Abuse

    • attempts to frighten, control or isolate someone through the abuser’s words and actions and their persistence
    • occurs in family settings as well as in the workplace, most common within marriage or dating
    • common traits: aggressive behaviot, sudden & drastic mood swings, poor self control, manipulativ and threatening behavior, shouting
    • Effects for the victim involve: difficulty cocentrating, nightmares, moodiness, low self-esteem, depression, anxiety, insomnia

 

Human Trafficking

    • the trade of human beings with financial purposes
    • fooled by a romantic partner, false Job offers, tricked/sold by friends or family or Kidnapping
    • 10 to 40 million people are trafficked in a year, 51% of them are women, 28% are children and 21% are men

 

 FGM

    • FGM is the ritual cutting or removal of some or all of the external female genitalia
    •  Found in Africa, Asia, Middle East and within communities in which FGM is common
    •  More than 200 million girls and women alive have undergone female genital mutilation
    • Non-sterile devices are likely to be used: knives, razors, scissors, glass, sharpened rocks, fingernails, Narcotics are usually not involved
    •  Effects involve: constant pain, pain and difficulty having sex, repeated infections, problems peeing or holding in (incontinence), problems during labour/childbirth, depression, flashbacks, self—harm, post—traumatic stress disorder, bleeding, cysts, abscesses

 

Rape

    • an act of physical and emotional violation in the form of a sexual act, inflicted on someone without the victims consent, can involve forcing or manipulating someone to witness or participate in any sexual acts
    • female victims tend to blame themselves for getting raped
    • effects include: sexually transmitted diseases, unwanted pregnancy, anxiety, depression, PTSD, insomnia
    • rapists are often repeated offenders

 

Street Harassment

    • an act of physical and emotional violation in the form of a sexual act, inflicted on someone without the victims consent. It can involve forcing or manipulating someone to witness or participate in any sexual acts
    • disempowers women in multiple ways
    • Consequences for women’s mental health include: fear of getting raped, men aproaching them, disgust, anger, feeling sexualized, humiliation, discomfort, trauma
    • the majority of girls in our school have benn sexually harassed

 

Domestic Violence

    • refers to all acts of violence between people in a current or former relationship,  includes every form physical, psychological and sexual violence
    • most common and widespread form of violence against women: victims of sexual assault in partnerships are female in 98.4% of reported cases
    • Dark figure of the cases is about 80%
    • Pandemic massively enlarged the number of people, especially women and children endangerd by domestic violence

 

Child Abuse

    • a person, whether through action or failing to act, causes injury, death, emotional harm or risk of serious harm to a child
    • common types of cild abuse are neglect, emotional abuse, physical abuse and sexual abuse
    • desastrous to the child’s mental and physical safety
    • causes low self-esteem, anxiety, depression, social isolation, anger management issues, drastic changes in behaviour such as mood swings or passivity

 

 

Spread awareness and seek help if you need it. Talk to your friends and make sure they are safe. Provide all the safety you feel comfortable giving. There are always options and people that want to help you and are there for you. Never feel that you are alone, because you definitely aren’t. Do not feel like you have to behave in a certain way just because it is polite. Trust your gut. And lastly: things will get better. Even if it does feel inescapable right now, things will change, they always do. It might take time and strength and asking for help, but it will change.

Unterstützung in Notsituationen

Aktion des Leistungskurs Englisch 12

Hilfe bei Problemen im Alltag, in der Familie oder Sonstigem findet ihr unter anderem hier:

 

Berliner Notdienst Kinderschutz

www.berliner-notdienst-kinderschutz.de

Hotline:  030 61 00 66   Rund um die Uhr

Hilfeanfragen und Informationen bitte nur nach telefonischer Rücksprache.

Gitschiner Str. 48, 10969 Berlin (Kreuzberg)
direkt an der U1, zwischen Prinzenstr. und Kottbusser Tor

Fax: 030 61006 559
info@hotline-kinderschutz.de

 

Kindernotdienst

030 61 00 61  Rund um die Uhr

Hilfeanfragen und Informationen bitte nur nach telefonischer Rücksprache.

Gitschiner Str. 48, 10969 Berlin (Kreuzberg)
direkt an der U1, zwischen Prinzenstr. und Kottbusser Tor

Fax: 030 61006 559
info@kindernotdienst.de

 

Jugendnotdienst:   030 61 00 62   Rund um die Uhr

Hilfeanfragen und Informationen bitte nur nach telefonischer Rücksprache.

Mindener Str. 14, 10589 Berlin (Charlottenburg)
mit der U7 – U-Bhf. Mierendorffplatz und U+S-Bhf. Jungfernheide

Fax: 030 61006 777
info@jugendnotdienst-berlin.de

Auch die Sozialpädagog*innen unserer Schule sind immer erreichbar und für euch da!

25.11. – 10.12. | UN-Aktionstage gegen Gewalt an Frauen

Aktion des Leistungskurs Englisch 12

25th November: International Day for the Elimination of Violence against Women and Girls

 

The United Nations’ 16 Days of Activism against Gender – Based Violence

2020’s global theme: “Orange the World: Fund, Respond, Prevent, Collect!“

 

10th December: International Human Rights Day

 

As the world retreated inside homes due to the lockdown measures introduced to curb the COVID-19 pandemic, reports showed an alarming increase in the already existing pandemic of violence against women.

You can make a difference during the ongoing COVID-19 pandemic and protracted state of crisis it has generated across the world. You can support women and girl survivors of violence to stay safe and free of violence.

Take action during this year’s 16 Days of Activism to End Gender-Based Violence –

and also afterwards! 

 

Is Schwitters School up-to-date and aware?

According to the WHO (World Health Organisation) there are 1 million girls and boys who are or have been afffected by sexual violence: these are one to two children in each classroom of our country!

Also visit the exhibition next to room 1213! 

Es gibt ein neues Gesetz in Berlin gegen strukturelle Diskriminierung

Am 04.06.2020 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus das Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) des Landes Berlin. Das Gesetz ist bundesweit einmalig und hat deshalb auch heftige Diskussionen ausgelöst. Es besagt, dass öffentliche Behörden zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn durch sie, oder ihre Mitarbeiter*innen nachweislich eine Person diskriminiert wurde.

Eine Diskriminierung muss nachwievor von der diskriminierten Person bewiesen werden, aber durch das neue Gesetz muss jetzt beispielsweise auch die Polizei beweisen, dass es keine Diskriminierung gegeben hat. Es gibt Stimmen, vor Allem von Polizeigewerkschaften, die sich durch das Gesetz in ihrer Arbeit eingeschränkt sehen. Doch ich denke, dass das Gesetz ein Schritt zu einer toleranteren und vielfältigeren Gesellschaft ist.

Durch das LADG kann die Bevölkerung rechtlich gegen Diskriminierung vorgehen und im besten Fall auch einen Schadensersatz vom Land Berlin erhalten. Auf der anderen Seite sehen sich Polizistinnen und Polizisten sowie Polizeigewerkschaften, wie oben genannt, in ihrer Arbeit eingeschränkt. Das ist aber nicht der Fall, da der ursprüngliche Gesetzentwurf stark verändert wurde und im geltenden Entwurf keine Einschränkungen der Behörden vorzufinden sind.

Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die rechtlichen Schritte nach einer Diskriminierung die Anzahl an Diskriminierungen durch öffentliche Behörden stark zurückgehen wird, da viele Behörden durch die Schadensersatzklagen abgeschreckt werden und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Vorsicht hinweisen werden. Durch die hitzige Diskussion und viel Kritik an der Regelung, haben die Innenminister von CDU und CSU alle anderen Innenminister der Bundesländer aufgefordert, keine Polizistinnen und Polizisten mehr zu Großeinsätzen nach Berlin zu entsenden.

Die Sorge ist, dass die einzelnen Polizistinnen und Polizisten Schadensersatz an die Diskriminierten zahlen müssten. Jedoch ist diese Sorge völlig unberechtigt, da die Einsatzkräfte im Auftrag der Berliner Polizei handeln würden und so nur Ermittlungen gegen diese eingeleitet würden. Alle Schadensersatzzahlungen würden also vom Land Berlin übernommen werden.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, die Regelung zur Verbandsklage. Diese ermöglicht es Verbänden, mit Sitz in Berlin und Geltungsbereich innerhalb des Landes, per Klage geltend zu machen, dass Verwaltungshandeln gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstößt. Etwas einfacher ausgedrückt bedeutet das, dass Verbände öffentliche Ämter verklagen dürfen, wenn ein Verstoß vorliegt. Das stellt insofern einen Vorteil dar, als dass betroffene Menschen sich an Verbände wenden können und so gemeinsam klagen und das Gerichtsverfahren auch finanziell tragen können.

Wir sollten aufhören das neue Gesetz zu kritisieren und stattdessen die Vorteile davon sehen. Menschen die Diskriminierung erfahren, können jetzt besser gehört werden und gemeinschaftlich dagegen vorgehen. Außerdem ist es leichter Behörden zur Rechenschaft zu ziehen. Das Landesantidiskriminierungsgesetz des Landes Berlin ist ein wichtiger Schritt in Richtung Toleranz, Chancengleichheit und Gerechtigkeit.

Text: Jurek (11a)

Ich möchte Schulsprecherin werden

Hey, ich bin LILO aus dem 8. Jahrgang und möchte Schulsprecherin werden. Ich bin noch nicht so lange an der Schule, habe jedoch letztes Jahr schon in der GSV und verschiedenen GSV-AGs mitgearbeitet.

Da ich in der 8. Klasse bin, kann ich die Meinungen und Interessen der Mittelstufe gut vertreten. Ich möchte gern die GSV im Team mit den älteren Mitschülerinnen leiten und dabei von Ihnen lernen.

Mir ist mehr Mitbestimmung von uns Schüler*innen wichtig. Deshalb will ich die Arbeit der GSV sichtbarer machen, z.B. durch den Newsletter, übersichtlichere Aushänge oder einen Vormittag der offenen GSV-AGs.

Willst Du Schulsprecher*in sein?

 

Du bist durchsetzungsfähig und arbeitest gerne im Team? Du hast keine Angst vor Konflikten, schon gar nicht vor solchen mit Erwachsenen? Du hast politisches Talent und möchtest die Welt verändern?

Dann bewirb dich als Schulsprecher*in.

Wie das geht? Gib bis zum 19.08.2020 eine aussagekräftige Bewerbung um das Amt des Schulsprechers/ Schulsprecherin in einem Sozialarbeiterbüro ab und sende sie möglichst auch per E-Mail an fauter@kurt-schwitters.schule oder spitz@kurt-schwitters.schule

Checkliste für die Bewerbung:

  • Name
  • Klasse
  • Foto von Dir
  • Kurzer Text, in dem Du erklärst, warum Du Schulsprecher*in werden willst

Deine Bewerbung wird dann hier auf qurt.news veröffentlicht – und wir hängen sie im Schulhaus aus. Wir freuen uns!

Für den Notfall

Liebe Schüler*innen! Für den Fall, dass es Euch (in den Ferien) so richtig dreckig geht und ihr Euch komplett isoliert und mit Euren Problemen alleinegelassen gefühlt, hier ein paar Nummern für den Notfall:

Umwelt-AG gewinnt Engagement Preis 2020

 

Neben all den weniger schönen Nachrichten der letzten Zeit, hier ein Lichtblick, der Lust auf die Zukunft macht: Die Umwelt AG der KSS hat den Engagement Preis 2020 bei der Ausschreibung “AG aktive SchülerInnen” der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung in Berlin e.V. (DVPB e.V.) abgeräumt.

Ihr großartiger Einsatz für eine energieeffiziente Schule und vor allem ihr erfolgreicher Kampf, um eine Änderung des Schulmenüs zu veganem Essen an einem Tag in der Woche und regelmäßigen vegetarischen Varianten, hat das Komitee des DVPB e.V. ganz besonders beeindruckt. Aber lest selbst:

“Besonders hat uns beeindruckt, dass ihr als AG eine umfangreiche Verantwortung für die nachhaltige Gestaltung eurer Schule übernehmt. Dass ein veganes Menü angeboten wird, ist ein toller Erfolg und für eine Schulkantine sicherlich nicht selbstverständlich. Eine solch positive Entwicklung zeugt von großer Durchsetzungskraft. Sicherlich habt ihr auch so einige Debatten in eurer Schule ausgelöst. Genau durch solche Aktionen kann eine aktive Diskussionskultur und das Hinterfragen eigener Gewohnheiten angestoßen werden.”

Liebe Umwelt AG, Eure Sozis sind stolz auf Euch und beglückwünschen Euch zu diesem Erfolg. Weiter so!

Die Wiedereröffnung von Museen in Corona-Zeiten – Das „Pergamon Panorama“

Von Paula Hermsen, 11b

Sechs Wochen Corona-Lockdown – das dauert einigen Interessierten im Kunst-und Kulturbereich bereits zu lange. Nun stehen einige Museen vor der Wiedereröffnung und bereiten sich achtsam und bedacht auf die ersten Besucher vor.

Als bekannt gegeben wurde, dass am 12. Mai nun allmählich viele Museen nacheinander wieder öffnen sollen, kaufte die Mutter einer Freundin von mir Eintrittskarten für das „Pergamon Panorama“ und fragte mich ob ich Interesse hätte mit zu kommen. Ich war von der Idee begeistert und nahm das Angebot mit Freude entgegen.

Das „Pergamon Panorama“ findet man auf der Museumsinsel in Berlin und ist ein, von dem Künstler und Architekten Yadegar Asisi, erstelltes Panorama. Das 360 Grad Rundbild zeigt Eindrücke der antiken Metropole, ist 14 Meter hoch und 60 Meter lang.

Als  der 12. Mai gekommen ist, treffen wir uns zu dritt, natürlich mit Mundschutz und auf 1,5 Metern Abstand vor dem „Pergamon Panorama“. Auch wenn die Museen nach sechs wöchiger Schließung, wieder geöffnet hatten, ist dieser Besuch ebenfalls mit Vorsicht zu genießen.

Der Schutz der Besucher und Mitarbeiter hat in allen Museen oberste Priorität und setzt umfangreiche Maßnahmen in allen Häusern voraus. Als wir nacheinander, mit

Mund-Nasen-Bedeckung, in das „Pergamon Panorama“ eintreten dürfen, fühle ich mich vollkommen kontrolliert und beobachtet. Der Kassen – und Gaderobenbereich ist mit Schutzscheiben ausgestattet und überall auf dem Boden findet man gelbe 1,5 Meter Abstandsmakierungen.

Nachdem wir am Einlass unsere vorher gekauften online Tickets vorzeigen, betreten wir den ersten Ausstellungsraum. Wir bekommen Audioguides zur Verfügung gestellt, die nach Benutzung anderer Museumsbesucher gründlich desinfiziert werden.

Der erste Raum ist dunkel gehalten und präsentiert angestrahlte, renommierte Fundstücke der klassisch-archäologischen Sammlungen aus der griechisch-antiken Stadt Pergamon in Kleinasien. Verschiedenfarbige Lichtinstallationen rufen verschiedenste Stimmungen hervor und lassen die Skulpturen greifbarer wirken. Wir schauen uns alles genau an und bekommen durch die Audioguides passende und spannende Informationen zu den jeweiligen Austellungsstücken mitgeteilt. Die Besucheranzahl hält sich erstaunlicherweise in Maßen und alle scheinen sehr froh zu sein, wieder etwas Normalität leben zu können.

Als wir alles im ersten Austellungsraum erkundet haben, begeben wir uns in den zweiten und größten Raum – das Highlight des Pergamon Panoramas. Raum kann man das nicht mehr nennen. Eine große und vor allem hohe Halle mit einem Aussichtsturm in der Mitte und rundherum das riesige Rundbild von Pergamon.

Dargestellt ist hier die römische Zeit, eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf dem 300 Meter hohen Burgberg. Dort fügen sich monumentale Bauwerke mit ihren Tempeln und dem Theater in die hügelige Landschaft ein. Am Horizont ist das Mittelmeer zu erahnen und man kann Pergamanen in verschiedenen Szenen, die das Leben vor 2000 Jahren verkörpern, entdecken. Tag und Nacht werden durch verschiedene

Lichthelligkeiten simuliert und es ist eine vielfältige Geräuschkulisse vorhanden. Durch diese Mittel verfalle ich in eine Zeitreise ins Jahr 129 nach Christus und fühle mich kurzeitig so, als stände ich in mitten der Stadt Pergamon. Dieses Gefühl wird nochmals stärker, als wir ganz oben auf dem Turm stehen. Das ganze Bild wirkt wie, als würde man auf eine wirkliche, gerade vor einem, erstreckte Stadt schauen. Jedes kleine Detail schafft einen einzigartigen und unvergesslichen Effekt. Die allgemeine Stimmung der Besucher ist ruhig und gelassen. Es scheint so, als wäre jeder in seiner ganz eigenen Welt.

Sobald wir alles auf uns einwirken lassen haben, begeben wir uns zu dem erstellten Rundgang, versteckt hinter dem aufgebauten Panorama. Dort finden wir nochmal viele Fundstücke und Ausgrabungen von vor langer Zeit. Diese sind meist auf einen Sockel gesetzt und werden von unten mit grellem Licht angestrahlt, so dass in den Gesichtern der Statuen Schatten entstehen. Auch Bilder, aus winzigen Mosaikteilchen sind an den Wänden zu bestaunen.

Das Personal ist andauernd an Ort und Stelle und überprüft ob sich alle Besucher an die aktuellen Regeln und Maßnahmen halten. Auch sie müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und dafür sorgen, dass sie 1,5 Meter Abstand, sowohl von den Besuchern, als auch vom Personal halten.

Auf dem Rückweg in den Eingangsbereich, kommen wir an dem Museumsshop vorbei, doch auch dort sind Maßnahmen ein zu halten die vor dem Schutz des Corona-Virus beitragen sollen. Es gibt keine Ansichtsexemplare und auch hier ist an der Kasse eine Schutzscheibe befestigt. Nach 2 Stunden ausführlichem Rundgang, verabschieden wir uns beim Ein-und Ausgangspersonal und verlassen das „Pergamon Panorama“.

Es ist erstaunlich zu sehen, dass ein Museumsbesuch auch in solchen Zeiten ein voller Erfolg sein kann und man Kultur trotz Corona, noch erleben darf. Doch ich kann nach meinen Beobachtungen und Recherchen sagen, dass es auf jeden Fall einfacher ist das Museum zu schließen, als es wieder zu öffnen, da einige Vorbereitungen getroffen werden mussten.

“Unsere ganze Gesellschaft ist so sexistisch”

Jetzt kommt der zweite Teil von meinem Interview mit Lina Burghausen.

Im ersten Beitrag zu 365 Female MCs haben Sie geschrieben: „Frauen im Rap, Frauen am Mic. Ein Thema, das auch 2018 viel diskutiert wird.“. Würden Sie das Gleiche auch 2020 schreiben?

Ja, auf jeden Fall. Es wird immer noch viel diskutiert und viel darüber geredet, aber es hat sich auch etwas getan. Es hat sich jedoch noch nicht so viel getan, so dass ich sagen würde, ich müsste so eine Aktion heute nicht mehr starten, das ist definitiv nicht der Fall. Aber was sich verändert hat, ist ein stückweit, dass Frauen auf jeden Fall im Hip-Hop mehr wahrgenommen werden.

Das liegt sicher zum Teil an meiner Aktion, das liegt aber auch daran, dass es inzwischen auch mehr erfolgreiche Rapperinnen gibt. In den letzten 2 Jahren sind Loredana und Juju auf 1 gegangen und es gibt echt viele Female-Rap-Alben, sowohl in Deutschland, in den USA, einfach in der ganzen Welt. Da hat sich auf jeden Fall echt noch mal was getan, was die Legitimation von Frauen am Mic anbelangt, dass sie erfolgreicher und sichtbarer geworden sind […].

Zum Beispiel haben größere Festivals gemerkt, dass man dort was machen muss, dass man auch irgendwie eine Verantwortung hat und nicht nur dieselben 20 Kerle buchen kann. Von daher würde ich sagen, es gibt eine Veränderung, aber wahrscheinlich müsste ich es heute nochmal genauso schreiben, weil wir definitiv noch einen langen Weg vor uns haben.

 

Kann man den ganzen Deutschrap so pauschalisieren und sagen, er sei sexistisch, oder sollte man das differenzieren?

Man kann Rap und Hip-Hop nie pauschalisieren „never“. Hip-Hop und Rap sind so divers und auch Deutschrap ist so divers, dass ich nie sagen würde, Rap ist per se sexistisch. Es gibt aber natürlich weite Teile im deutschen Hip-Hop und im deutschen Rap, die sexistisch sind. Entweder durch Inhalte oder Verhaltensweisen anderen männlichen oder vor allem weiblichen Menschen gegenüber, wo es auf jeden Fall ein Thema ist, das würde ich unterschreiben.

Aber was mir auch immer wichtig ist zu sagen: das ist ein Problem im Hip-Hop, aber kein explizites Problem im Hip-Hop. Unsere ganze Gesellschaft ist so sexistisch.

Ich finde es immer schade, wenn mit dem Finger auf den Deutsch-Rap gezeigt wird: ihr seid alle voll sexistisch, und dann laufen die Leute bei einem Werbeplakat vorbei, wo eine halbnackte Frau zu sehen ist und das ist dann kein Problem. Ich finde, wir müssen Sexismus auch dort diskutieren und angehen. Oder da läuft auf Pro7 „Milf oder Missy“, wo auch Frauen objektifiziert werden, da sagt dann keiner was, aber im Rap ist es ein Problem. Das haut einfach nicht hin.

Deshalb finde ich es wichtig, dass sich Hip-Hop mehr reflektiert und auch innerhalb der Szene etwas gesagt wird, wenn es Sexismus gibt. Aber das einfach nur auf Hip-Hop zu beschränken […] ist auch Blödsinn.

 

Sie haben ja Ihr Label schon angesprochen. Wie ist die Idee zu einem Label nur für weibliche Künstlerinnen entstanden und wie haben Sie sie umgesetzt?

Das war so: ich habe die 365 Female MCs-Reihe im November 2018 gestartet. Ein Jahr später habe ich im September dafür den internationalen Musikjournalismuspreis erhalten, was ziemlich verrückt war. Das war in Hamburg beim Reeperbahn-Festival, da kam das Musiklabel PIAS auf mich zu […]. PIAS ist ein Independent Label, eins der größten der Welt, das kommt aus Belgien, ist aber auf der ganzen Welt aktiv […].

Die kamen auf mich zu und meinten: Hey Lina, wir verfolgen dein Projekt und wir wollten dich fragen, ob du nicht Bock hast etwas Gemeinsames aufzuziehen. Von denen kam die Idee für ein Label für explizit Female Hip-Hop. Ich habe dann erstmal darüber nachgedacht, wie das wirkt. Ich will halt nicht, dass es so wirkt wie die Paralympics für Frauen, wo man ein extra Label machen muss, weil sie sich in der normalen Musikindustrie nicht durchsetzen können. Das ist ja nicht Sinn und Zweck, sie sollen ja in der normalen Musikindustrie bestehen.

Was mich dann davon überzeugt hat, war, dass ich mit ganz vielen Rapperinnen Gespräche geführt habe und […] gehört habe, dass, wenn sie sich bei Labels oder bei Booking Agenturen vorgestellt haben, es dann immer hieß: ja, ist voll cool, was du da machst, aber wir haben schon eine Frau. Als könne man nur eine Frau haben und 15 männliche Rapper. Als gebe es nur die Quoten-Frau.

Was auch viele Rapperinnen erlebt haben, war, dass von ihnen erwartet wurde auf eine bestimmte Art und Weise Musik zu machen, besonders sexy und weiblich zu sein, halt eine bestimmte Nische zu bedienen. Und so konnten sie sich gar nicht entfalten wie ihre männlichen Kollegen.

Das Ding mit 365XX ist halt einfach, dass wir ein Label haben, wo das Geschlecht keine Rolle spielt, weil wir von Vornherein nur Frauen zeigen. Die dann halt machen können, was sie wollen und ihre künstlerische Freiheit haben und es wirklich einfach darum geht, dope Musik zu pushen, grandiosen Hip-Hop weiterzubringen und den Frauen eine Atmosphäre zu schaffen, wo sie sich save fühlen, ihre Musik machen können und wo wir einfach nichts anderes wollen als ihre reine künstlerische Vision. Das geht halt mit einem Label wie PIAS und damit bin ich richtig happy.

Wir haben das Ding im Februar angekündigt, haben jetzt das erste Signing, am Freitag kommt das erst release […]. Ich bin mega stolz auf die Künstlerin, auf das Signing und auch super gespannt, aber auch super übermüdet.

 

Was ist Ihre Aufgabe in diesem Label?

Als A&R bin ich die Person, die die Künstlerinnen auswählt, also ich höre ganz viele Demos […], wo dann unveröffentlichte Songs drauf sind. Diese höre ich mir an und entscheide dann, welche Künstlerin ich kennen lernen möchte und wen ich im Label unter Vertrag nehmen möchte. Das ist so der Hauptjob.

Dann nehme ich Kontakt zu den Künstlerinnen auf, treffe sie. Meist wird ganz lange verhandelt, bis man auf einen Nenner kommt und dann bin ich die kreative Ansprechpartnerin für die Musikerinnen, quasi die Person, wenn sie darüber sprechen wollen, wie sie sich künstlerisch weiterentwickeln wollen und wo die Reise hingehen soll. Ich versuche sie dabei zu supporten, so gut wie es geht.

Zudem bin ich mit meiner PR-Agentur „Mona-Lina“ für die Pressearbeit verantwortlich. Also wenn wir ein fertiges release […] haben, sorge ich dafür, dass HipHop-Medien wie rap.de, 16 Bars darauf aufmerksam werden. Das ist dann halt auch mein Job, den ich aber auch mit zwei fantastischen Team-Kolleginnen mache, die mich da unterstützen.

 

Was steht in der Zukunft noch so alles an?

Es geht natürlich weiter mit dem Blog, 365 Female MCs, da arbeiten inzwischen mehrere freie Autorinnen und Autoren und mehre Illustratorinnen mit. Da erscheint jetzt auch jeden Tag ein neues Portrait von einer neuen Rapperin, das kann man auch alles per Instagram und auf der Website verfolgen.

Mit dem Label geht es auch weiter, gerade arbeiten wir am zweiten Signing. Ich darf leider noch nicht verraten mit wem. Da wird es auf jeden Fall auch weiter gehen.

Ich hoffe halt, dass, wenn Corona es zulässt, ich wieder mehr auflegen darf. Es gibt ja auch 365 Female MCs-Partys, z. B. in Berlin im Klunkerkranich, wo dann den ganzen Abend nur Rap von Frauen läuft und weibliche DJs auflegen. Das Auflegen fehlt mir natürlich ganz schön. Ansonsten denke ich über coole Formate nach, die es vielleicht in naher bis mittelfristiger Zukunft geben wird. Da ist jetzt noch nicht so viel spruchreif.