Dritte Generation (1982-1998)

1.1 Beginn dritte Generation

Anfang der 80er Jahre erfolgt eine programmatische Neuausrichtung, welche durch die „Mai-Papiere“, gestärkt wird. Das Vorhaben dieser Generation liegt darin, ihre Kräfte auf nationaler und vor allem internationaler Ebene zu bündeln. Es geht vordergründig um die Rückbesinnung auf den klassenkämpferischen Auftrag.

Die Gruppe, welche die Neuausrichtung begonnen hat, besteht aus Helmut Pohl, Henning Beer, Stefan Frey, Giesela Dutzu und Ingrid Jakobsmeier.

1.2 „Offensive 84/85“

Ab der zweiten Jahreshälfte 1984 gelingt es der RAF andere Gruppierungen an sich zu binden. Sie kooperieren zum Beispiel mit „Action Directe“ aus Frankreich, welche u. a. die Zerstörung der Nato fordern. Ende 1984 beginnt die „Offensive 84/85“ mit dem Hungerstreik, ausgelöst durch Brigitte Mohnhaupt, welche während ihres Prozesses die Ziele der RAF noch einmal darstellt. Sie erklärt, dass sie die RAF als Metropolenguerilla betrachtet und das bestehende System tatsächlich gestürzt werden könne. An diesem Hungerstreik nehmen 30 RAF-Inhaftierte teil. Sie möchten zeigen, dass der Kampf noch nicht gescheitert ist und sie die Kräfte bündeln müssen.

In der Folgezeit kommt es zu 30 Brand- und Sprengstoffanschlägen sowie zu Anschlägen auf Einzelpersonen, wie zum Beispiel Ernst Zimmermann (Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luft-, Raumfahrt- und Ausrüstungsindustrie.

 

1.3 Ende der RAF

Am 20. April 1998 lautet es aus den Nachrichten „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte“.

Das Ende der RAF lässt sich auf einige Gründe reduzieren.

Einerseits kommt es durch die Einführung des Kronzeugengesetzes zu Aussagen von RAF-Mitgliedern und V-Männern. Dieses Gesetz wird in den eigenen Reihen als Aufruf zum Verrat beschrieben.

Dazu kommt, dass nach dem Mauerfall viele RAF-Mitglieder, welche in der DDR Zuflucht gesucht hatten, festgenommen werden.

Ein weiterer Punkt, welcher zur Auflösung führt, ist der Streit in den eigenen Reihen. Es gibt einen harten Kern um Brigitte Mohnhaupt und Helmut Pohl, welche keine Zugeständnisse an den Staat abgeben wollen, und ein anderes Lager, welches schriftlich erklärt: „Keiner von uns wird nach seiner Freilassung zum bewaffneten Kampf zurückkehren.“

Im Abschlussschreiben kommt es zu keiner Entschuldigung gegenüber den Opfern und den Angehörigen. Es werden wenige Fehler eingestanden und wenn, sind das taktische, wie zum Beispiel die Entführung der Lufthansa-Maschine, oder dass sie keine politische Organisation gegründet haben. Sie gedenken nur ihrer 26 toten RAF-Mitglieder.

Fazit

Ist die Rote-Armee-Fraktion einer Erinnerung Wert?

Zu Beginn des Fazits möchte ich klarstellen, dass die RAF ein negativer behafteter Erinnerungsort ist.

Es soll ein Wahrzeichen gegen Terror sein, egal aus welchen politischen oder religiösen Gründen. Aber warum die RAF und keine andere Terrororganisation?

Einerseits war die RAF die am längsten bestehende Terrororganisation der Bundesrepublik Deutschlands. Sie hat über 30 Jahre lang die Menschen und die Politik bestimmt. Insgesamt hat die RAF 37 Menschen getötet und Schäden in Millionenhöhe verursacht.

Andererseits ist keine Gruppierung in Deutschland mit dieser Brutalität und Struktur vorgegangen wie sie. Es zeigt, dass man mit einfachen Mitteln ein solch großes Ausmaß von Zerstörung erreichen kann.

Man sollte die RAF als Mahnung verstehen. Die Geschichte der RAF zeigt, wie aus einer Gruppierung, die anfangs noch aus nachvollziehbaren Gründen gegen ein bestehendes System protestiert, eine Gruppierung wird, die sich radikalisiert und terroristische Aktionen umsetzt. Zudem zeigt dieses Beispiel wie schnell diese Entwicklung gehen kann und wie schlecht man sich darauf vorbereiten kann. Heutzutage sind viele ehemalige RAF-Mitglieder zur Einsicht gekommen und sprechen über diese Zeit-

„Allmählich fing ich an, über alles nachzudenken, und ich spürte plötzlich die ganze Sinnlosigkeit, die dahintersteckte.“.

geschrieben von: Pavel Stöck

Ein Kommentar

  1. Coffebreakblog

    Obwohl der Internationalismus seit Beginn der 19r Jahre zur Programmatik der RAF gehort, setzte erst die dritte Generation diesen Anspruch – zumindest ansatzweise – in eine praktische Strategie um. Beweise dafur sind die gemeinsamen Erklarungen und Aktionen der RAF mit franzosischen und italienischen Terrorgruppen.

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